Lahr Kulturkreis profitiert von Kontakten zur Kölner Jazzszene

Ihre Musik lebt von spontanen Einfällen: Das Philipp-Brämswig-Trio bei seinem Auftritt in Lahr Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Der Kulturkreis besetzt mutig die Lücken im Gesamtbild der Lahrer Stadtkultur, lässt sich auch dann nicht beirren, wenn wie beim Gastspiel des Philipp-Brämswig-Trios aus Köln nur zwei Dutzend Zuhörer den Weg in den Stiftsschaffneikeller finden.

Der Kulturkreis hat schon immer die kulturelle Nische besetzt und Kunstformen die Tür geöffnet, die im Jahreskreis der städtischen Kultur keinen Platz finden. Der Verein hat in den 1980er- und 1990er-Jahren auch so manche Ikone des deutschen Freejazz nach Lahr gelockt. Die 2016 aufgelegte Reihe "Jazz im Keller" geht hier aber noch einmal einen Schritt weiter. Sie hat die Liebe zum Jazz institutionalisiert und schöpft dabei immer wieder aus einer lockeren Verbindung zur Kölner Jazzszene. Die Reihe setzt auf Kontinuität. Der Verein betreibt ehrenamtliches Kulturengagement, ohne dabei ständig mit einem Auge auf die Auslastung seiner Spielstätte zu schielen.

Sein Augenmerk gilt dem Jazznachwuchs und noch weitgehend unbekannten Formationen, die überraschend oft aus Köln kommen, der Kaderschmiede des deutschen Jazz. Gitarrist Philipp Brämswig war im vergangenen Jahr in einer anderen Konstellation schon einmal in Lahr. Diesmal präsentierte er vor knapp zwei Dutzend Zuhörern sein eigenes Trio, mit dem er 2016 das hoch gelobte Debütalbum "Molecular Soul" veröffentlicht hat. Das durch Schlagzeuger Fabian Arends und Florian Rynkowski an Bassgitarre komplettierte Trio schöpft unüberhörbar aus dem Fundus des klassischen Jazzrocks. Es verknüpft schwere, oft schleppende Riffs mit der rhythmischen Präsenz eines ständig für Unruhe sorgenden Schlagzeugs und trockenen Basslinien, über denen unaufhörlich die in immer neue Dimensionen ausbrechende Gitarre kreist.

Da wird auf engstem Raum verschoben und punktiert, werden Spannungsbilder konstruiert, die ihren besonderen Charme tatsächlich auf der molekularen Ebene zu entwickeln scheinen. Philipp Brämswig kann frickeln und endlose Ketten zusammenfügen, Er kann zwischen sphärischer Lautmalerei und rhythmischer Präsenz wechseln, seine spontanen Einfälle einfach aufleben lassen.

Das Konzert des Trios behält seine Bahn, taucht eineinhalb Stunden lang in einen ganz eigenen Kosmos ein. Die Musiker schaffen Raum, um sich fallen zu lassen, ohne dabei den Ansatz zu entwickeln, das Genre neu erfinden zu wollen.

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