Lahr Kraftvolles Klavierspiel einer zierlichen Pianistin

Shoko Kawasaki Foto: ha Foto: Lahrer Zeitung

Lahr (ha). Ihrer zierlichen Erscheinung zum Trotz hat die Japanerin Shoko Kawasaki mit einer bemerkenswert kraftvollen Klavierarbeit sowie einem expressiven Ausdruck beeindruckt. Bei ihrem Lahrer Debüt in der Reihe "Weltklassik am Klavier", hat sie zwölf Etüden von Frédéric Chopin und die Klaviersonate h-Moll von Franz Liszt serviert.

Die zierliche junge Frau im langen roten Kleid greift beherzt in die Tasten, entlockt dem Flügel im Lahrer Pflugsaal immer wieder ungemein kraftvoll anmutende Phrasen. In ihrem Programm spricht Kawasaki zwar von "schönen, flüchtigen Momenten", ihr Klavierspiel spricht aber eine andere Sprache. Sie beschert dem Publikum Momente, die nachhallen. Kawasaki brilliert mit musikalischer Präzision und Noblesse, einer Schönheit, die sich in expressiven Klangbildern manifestiert.

Chopins Etüden aus dem zweiten Buch, lassen bereits aufhorchen. Die virtuose Behandlung kleiner Problemstellen, blüht hier in einer Aneinanderreihung kleiner musikalischer Juwelen auf, die Shoko Kawasaki mit einer traumwandlerischen Leichtigkeit in den Raum schleudert.

Ihr Spiel wirkt leidenschaftlich und ungemein energiegeladen, würdigt letztendlich aber jeden einzelnen Ton.

Trotzdem gelingt es der jungen Japanerin nach der Pause noch einmal nachzulegen. Franz Liszts Klaviersonate h-Moll mag mit dunklen, einzeln in den Raum gestellten Tönen beginnen.

Das rund 30-minütige Werk bietet dann aber nahezu alles auf, was eine romantische Klangschöpfung an musikalischer Energie zu bieten vermag. Shoko Kawasaki, die in ihrer Dissertation die Klavieretüden von György Ligeti, einem der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, aus der Sicht eines Pianisten analysiert hat, arbeitet die Feinheiten der Sonate spieltechnisch, aber auch atmosphärisch heraus.

Ihr Klavierspiel berührt, verzaubert in den schwelgerischen und zarten Passagen, wühlt auf und beeindruckt in den ausdrucksstarken, leidenschaftlichen Momenten. Das Publikum ist am Ende förmlich hingerissen. Shoko Kawasakis Debüt in Lahr schreit deshalb auch förmlich nach einer Fortsetzung, einer nochmaligen Verpflichtung der jungen Japanerin.

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