Lahr Podiumsdiskussion: 900 im Saal und 1800 online dabei

Bei der Podiumsdiskussion der Lahrer Zeitung waren die Reihen in der neuen Mehrzweckhalle fast voll besetzt. Etwa 900 Gäste wollten sich den Abend nicht entgehen lassen, der den Auftakt in die heiße Phase des OB-Wahlkampfs markierte. Fotos: Baublies Foto: Lahrer Zeitung

Lahr - Der Lahrer Oberbürgermeister hat eine Verwaltung mit rund 1000 Mitarbeitern zu führen. Sind die Kandidaten dafür überhaupt qualifiziert? Eine von mehreren Fragen, die Besucher bei der Podiumsdiskussion der Lahrer Zeitung stellten. Zahlreiche Gäste unter den 900 Besuchern nutzten die von Redakteur Felix Bender moderierte Publikumsrunde, um den Bewerbern auf den Zahn zu fühlen, darunter  Jürgen Frank. Er verglich die Lahrer Stadtverwaltung mit einem großen Unternehmen, das einen kompetenten Chef brauche, und fragte die Kandidaten, ob sie geeignet sind.

 > Führungsqualitäten: Guido Schöneboom verwies darauf, dass er Erster Bürgermeister ist, zuständig für das Dezernat II des Rathauses mit mehr als 400 Mitarbeitern. "Ich traue es mir zu", sagte er auf die Frage, ob er Chef der gesamten Stadtverwaltung sein könne. In dieser Funktion würde er "moderieren und vermitteln". Lukas Oßwald hob hervor, dass er Bezirksvorsitzender der Gewerkschaft IG Bau Südbaden ist, die mehrere Tausend Mitglieder habe. Auch bei der Partei Die Linke habe er Führungsqualitäten bewiesen.

Markus Ibert erinnerte daran, dass er Abteilungsleiter in der Stadtkämmerei war, ehe er 2005 Geschäftsführer des Industrie- und Gewerbezentrums Lahr wurde. Somit kenne er die Strukturen sowohl einer Stadtverwaltung als auch in der Wirtschaft. Als IGZ-Chef sei er mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen, habe zwischen Interessen vermittelt.

Jürgen Durke sagte, dass er in seinem Beruf als Indus­triedesigner in einem großen Team gearbeitet habe, zusammen mit Designern, Technikern, Verkaufsberatern und Kundenbetreuern.

Auch Christine Buchheit verwies auf beruflichen Erfahrungen, hob hervor, dass sie "in der Leitung eines Ministeriums mit mehreren Tausend Mitarbeitern" tätig sei. Außerdem habe sie eine PR-Agentur geleitet und bei der IHK eine Ausbildung zur GmbH-Geschäftsführerin absolviert.

 > Städtische Gebäude mieten oder kaufen? Marc Mangei fragte, warum die Stadt von ihr genutzte Gebäude anmietet, statt sie zu kaufen. Schöneboom antwortete, dass man vor allem bei Kindergärten flexibel bleiben müsse, da vielleicht auch wieder schwächere Jahrgänge kommen. Auch Ibert warnte, "zu viel Eigentum zu schaffen, das man nicht mehr losbekommt". Dagegen plädierten Oßwald, Durke und Buchheit dafür, lieber selber zu bauen. Durke in Verbindung mit dem Hinweis, dass man ökologische Bauweisen dann bevorzugen könne, Buchheit mit dem Argument, dass die Stadt Flächen und Gebäude unter eigener Kontrolle haben sollte.

 > Probleme mit parkenden Lkws am Flugplatz: Eduard Rudi beschwerte sich, dass zu viele Lkws am Flugplatz parken, dort freie Flächen zustellen und Unrat hinterlassen. Was dagegen getan werden kann, wollte er wissen. Eine Frage, aus der sich eine Diskussion darüber entwickelte, welche Form des Unternehmertums am Flugplatz überhaupt gewünscht ist. Oßwald kritisierte, dass sich dort zu viele Logistikbetriebe angesiedelt haben, mit der Konsequenz, dass Parkflächen für Lkws rar werden. Er sei dafür, kleineren und mittelständischen Betrieben dort den Vorzug zu geben. Ähnlich argumentierte Durke, während Ibert darauf verwies, dass am Flugplatz viele Arbeitsplätze entstanden sind und man dabei sogar noch ansiedlungswillige Logistiker abgewiesen habe. Man müsse eine Lösung finden, "das muss endlich aufhören", sagte Schöneboom über die parkenden Lastwagen. Auch Buchheit wählte deutliche Worte, betonte, dass das Industriegebiet "nicht der Parkplatz der A 5 sein kann".

> Fazit? Zu Beginn hatte Moderator Jörg Braun die Besucher gefragt, wer noch nicht weiß, wen er wählen wird. Mehr als die Hälfte  der Menschen im Saal hob die Hand. Sie dürften im Verlauf der gut zwei Stunden wichtige Fingerzeige erhalten haben. Welcher Kandidat  am besten angekommen ist? Schwierig bis unmöglich zu sagen. Nimmt man den Applaus zum Maßstab, waren die Sympathien verteilt. Eine eindeutige Bilanz konnte dagegen der FV Dinglingen ziehen, der im Hallenfoyer und in seinem Vereinsheim bewirtet hatte: Der Umsatz hat   gestimmt. Die Besucher standen oder saßen noch lange zusammen,  um das bei der Podiumsdiskussion Gehörte zu diskutieren.

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