Lahr Klare Ansage: Kein Standort ist tabu

Lahr. Der Technische Ausschuss hat sich grundsätzlich für den Ausbau der Windkraft ausgesprochen. Allerdings wurde bei der Sitzung am Mittwoch deutlich: Bis sich neue Windräder über Lahr drehen, braucht es noch viel Zeit und bisweilen Überzeugungskraft.

Die Topographie der Stadt hat Investoren bislang abgeschreckt, zog sie mit ihren Anlagen in höher gelegene Nachbargemeinden. Entsprechend dürftig fällt die Lahrer Windkraft-Bilanz aus: Auf der gesamten Gemarkung steht eine einsame Mühle.

Dank dem technischen Fortschritt könnte sich das künftig ändern. Deutlich höhere und leistungsfähigere Anlagen kommen mit weniger Wind aus und haben das Interesse von Energieunternehmen auch auf die noch verschmähten Lahrer Hügel gelenkt. Wie berichtet, haben drei Projektentwickler insgesamt 21 potenzielle Standorte zur näheren Untersuchung ins Auge gefasst.

Mehr Bescheidenheit

Sulz’ Ortsvorsteher Rolf Mauch (FW) sieht seinen Ort beim Blick auf die Windkraft-Karte, die die Verwaltung vorgelegt hatte, regelrecht umzingelt von Windrädern. "Ich zähle zwölf mögliche Standorte, das ist schon immens. Ich denke, wir sollten uns da in etwas Bescheidenheit üben." Das sah der Rest des Gremiums ähnlich – und Bürgermeister Tilman Petters relativierte: Realistisch sei der Bau einer einstelligen Zahl an neuen Windrädern. Anfragen gibt es laut Stadtverwaltung neben Sulz (Sulzberg, Schlossbühl) auch für die Gemarkungen von Lahr (Lauenberg, Ernet) Reichenbach (Langeck) und Kippenheimweiler (Am Detschel).

Keine vorauseilende Gnade mit Seelbach

Die Stadtverwaltung hatte den Standort Lauenberg, für den sechs Anfragen vorliegen, von vorneherein als Windrad-Standort ausschließen wollen – der "guten nachbarschaftlichen Beziehung" mit Seelbach wegen. Die Ratsmitglieder wollten davon nichts wissen.

"Wir sollten nicht von vorneherein Optionen aus der Hand geben", sagte Roland Hirsch (SPD). "Andere Gemeinden haben uns in der Vergangenheit auch nicht gefragt." Sollten während des Planungsverfahren Betroffenheiten auftreten, könne man dann darüber befinden, so der Tenor aus dem Gremium.

Unglücklicher Beschlussvorschlag 

Ebenfalls geeint war der Ausschuss in der Kritik an einem Passus in der Beschlussvorlage, demzufolge der Stadtverwaltung die Befugnis erteilt werden sollte, Rahmenverträge mit Interessenten zu verhandeln und abzuschließen.

Letzteres "geht gar nicht", sagte Jörg Uffelmann (FDP). "Wir wollen die Entscheidungsfreiheit behalten." Nicht zuletzt, weil die Namen der möglichen Investoren noch geheim seien. Petters räumte ein: "Dieser Punkt ist unglücklich formuliert, wir werden keine Verträge unterzeichnen ohne das Okay des Gemeinderats."

Bürger einbeziehen

Bei der Frage, wo künftig Windräder auf Lahrer Gemarkung sprießen, soll auch die Bevölkerung mitreden dürfen, wurde mehrfach betont. Manfred Himmelsbach (AfD) regte bei "der wichtigen Sache, ob unser schöner Schwarzwald künftig verspargelt werden soll", sogar einen Bürgerentscheid an.

Der AfD-Man war der einzige, der gegen den am Ende gefassten Beschluss stimmte. Tierschutz nicht vergessen: Jürgen Durke (Linke Liste/Tierschutzpartei) forderte von künftigen Windkraft-Investoren vorab ein Tierschutzkonzept. Sonst könne er den einzelnen Vorhaben nicht seinen Segen geben – tat er auch am Mittwoch nicht. Durke enthielt sich der Stimme.

Kurzer Zoff mit der Verwaltung

Bürgermeister Petters hatte bei den Wortmeldungen der Ratsmitglieder "wenig Enthusiasmus" für die Windkraft herausgehört, stattdessen "im Wesentlichen Widerstände wahrgenommen". Das sorgte für lauten Protest bei den Räten (Hirsch: "unzulässige Unterstellung"), der nach einigen klärenden Worten aber wieder abebbte. Ilona Rompel (CDU), die einen ganzen Fragenkatalog zu beziehungsweise an die künftigen Investoren mitgebracht hatte, hatte schon zuvor erklärt: "Wir sind ausdrücklich für Windkraft, aber in einem maßvollen Rahmen und unter Beachtung des Naturschutzes und von Betroffenheiten."

Seitenhieb Richtung Herrenknecht

Dorothee Granderath (Grüne) fand lobende Wort für ihre Kollegen an den Sitzungstischen: "Der Gemeinderat hat sich bewegt." Kritik gab es indes für einen bekannten und bekennenden Gegner von Windkraft im Schwarzwald. "Manche finden Windräder hässlich, in Allmannsweier sieht man hingegen vor lauter Industrieanlagen die Häuser nicht mehr", sagte die Grüne mit Blick auf den Standort von Tunnelbohr-Unternehmer Martin Herrenknecht.

Investoren wollen Klarheit

Nach der Debatte lautete der Auftrag an die Verwaltung, tiefergehende Gespräche mit möglichen Projektentwicklern zu führen, die Ergebnisse sollen dann im Gemeinderat vorgestellt werden. Die Interessenten, betonte Petters, brauchen Klarheit. Bis zu einer Baugenehmigung durch das Regierungspräsidium gelte es, ein strenges Prüfungsverfahren zu durchlaufen.

  • Bewertung
    3