Lahr Klangreise voller Sanftheit und Wärme

Die Norwegerin Maria Solheim bei ihrem gelungenen Konzert im "Schlachthof" Foto: Haberer Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Die Norwegerin Maria Solheim hat sich in Lahr längst bestens eingeführt. Mit ihrem Auftritt im "Schlachthof" besorgte sie am Samstagabend den Saisonauftakt der vom Kulturamt initiierten, erstmals aber nur von der Rockwerkstatt bedienten Reihe "Songs ’n’ Singers".

Ein Abend mit Maria Solheim ist wie eine Reise in eine andere Welt, eine Auszeit, die den Atem und den Puls verlangsamt, das Herz aber immer wieder für einen Moment höherschlagen lässt. Die 34-jährige Sängerin und Gitarristin von einer Inselgruppe weit nördlich des Polarkreises zelebriert ihre Musik als eine fragil angelegte Klangreise voller Sanftheit und Wärme.

Solheim schlägt vor allem dunkle Töne und melancholische Harmonien an. Sie steigt förmlich hinab auf den Grund einsamer Fjorde, erhellt diese aber mit der Klarheit und dem geschmeidigen Timbre einer Stimme, die immer neue Schattierungen und eine bemerkenswerte Dynamik offenbart. Träumen, lachen und weinen liegt dabei immer dicht beieinander.

Die elegische Grundstimmung der Songs wird bei der diesjährigen Tournee dadurch verstärkt, dass Solheim nur von ihrem Landsmann Christer Slaaen begleitet wird. Er greift die Riffs ihrer akustischen Gitarre auf, fügt feine Verzierungen hinzu. Slaaen wechselt dabei zwischen akustischer und elektrischer Gitarre, greift ab und zu zum Banjo, stimmt mit ihr ein beinahe gehauchtes Duett an.

Die leisen, dunklen Balladen sind dabei unüberhörbar die Stärke von Solheim. Sie entwickeln eine Aura, die berührt, das trostlose Grau eines Novembertages ebenso zu vertreiben vermag wie trübe Stimmungen. Die Norwegerin scheint das zu spüren. Sie hält sich zurück mit heiteren, flotten Zwischentönen, verdichtet ihre Musik nur an ausgewählten Stellen zu einer kraftvollen Eruption der Stimme.

In der Mitte des für viele Zuhörer am Ende viel zu kurzen Auftritts platziert sie einen auf Norwegisch gesungenen Song, hin und wieder bricht eine perlende Heiterkeit, ein schwungvoller Riff hervor. Solheim muss genau hier aber aufpassen, da ihre Musik dann zu verflachen droht. Das zeigt sich ganz deutlich auch am Ende des Konzerts in der noch unveröffentlichten Ballade "The River", mit der sie ihre Zugabe abschließt: Der Song geht unter die Haut, berührt und umgarnt. Maria Solheim geht dann aber ab, überlässt das Finale Christer Slaaen. Ohne die Magie ihrer Stimme bleibt nicht mehr übrig als eine schlichte Popballade, die ohne einen spürbaren Nachklang verrauscht.

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