Lahr "Kann ein Glatzkopf eine Glücksträhne haben?"

Markus Kapp, studierter Pädagoge, nimmt auch den eigenen Berufsstand auf die Schippe. Foto: Künstle Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. In Lahr bisher nur als Duopartner und Klavierbegleiter am Start, hat Markus Kapp im Stiftsschaffneikeller sein erstes Soloprogramm vorgestellt. "Wir schweifen App", lautet der Titel einer satirischen Bestandsaufnahme, die vor allem im zweiten Teil mächtig in Fahrt kommt.

Markus Kapp geht mit der Zeit, springt von einem Thema in das nächste. Die Gedankenketten des aus Offenburg stammenden Kabarettisten "switchen", wie es so schön auf Neudeutsch heißt. Wir sind ständig vernetzt und erreichbar, Fakten prallen auf "Fake News". Weibliche Denkmodelle und das vielgerühmte "Multitasking" verheddern sich in den eingleisigen Denkmustern des männlichen Gegenübers. "Das Gehirn ist wie ein überfüllter Knast, es gibt einfach zu wenig Zellen", umschreibt er die ernüchternde Erkenntnis der Männer, die er musikalisch eben noch in den höchsten Tönen gelobt hat.

Sind Frauen aber wirklich besser, wenn die Kurznachricht an die Freundin in die Hose geht, nur weil sie im Café gerade ihrem Traummann gegenübersitzt? Und wie sieht es in Sachen Medienflut aus, ist sie nicht längst zu einem Tsunami angewachsen, der das Leben hinwegzuspülen droht?

Die überschaubare Schar der Zuschauer im Stiftsschaffneikeller muss sich erst einmal einfühlen in die sprunghaften Ansätze von Markus Kapp, das ständige Wechselspiel aus satirischer Einführung und musikalisch unterlegter Interpretation. Er spielt mit der Verwirrung, schweift an jeder Kreuzung erst einmal "app". Die Suche nach dem roten Faden ist wichtiger als das Finden.

Comedy und Gesellschaftssatire kreisen um die Lieder eines immer wieder am Klavier sitzenden Musikkabarettisten. Die Lust am Spiel mit den Worten blüht in einem kurzen Ausflug zum Hip-Hop auf, schießt sich ein auf Sinnfragen. "Kann ein Glatzkopf eine Glücksträhne haben, ist ein Raumschiff mit weiblicher Besatzung am Ende gar unbemannt?".

Ein ganzes Jahr auf Parkplatzsuche

Der Abend mit Markus Kapp verdichtet sich immer mehr. Politische Giftpfeile mischen sich unter lustvoll überzeichnete Zerrbilder unseres Alltags, treffen die AfD und den Fußballzirkus, der uns von Moskau aus in Richtung Katar schickt, wo Franz Beckenbauer alles gesehen hat, nur keine Arbeitssklaven.

Der studierte Pädagoge fällt über den eigenen Berufsstand her, landet prompt in einer Lehrerkonferenz, listet akribisch auf, womit wir unsere Lebenszeit verplempern: Wir verbringen 140 Tage in der Warteschleife, sind ein Jahr auf Parkplatzsuche. Wir sitzen zehn Jahre vor der Glotze, schauen allein neun Monate Werbung.

Zwischendurch wird die Integrations- und Flüchtlingspolitik zerpflückt und etwas mehr Flexibilität im Leben gepredigt. "Legen Sie bei Ihrem nächsten Besuch im Supermarkt einfach einen Apfel auf die Waage und tippen auf Banane", empfiehlt er seinem Publikum.

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