Lahr Kammermusikalische Feinkost

Die Musikerinnen spielten unter anderem Werke von Ludwig van Beethoven. Foto: Künstle

Lahr. Das Trio "Vivente" hat im Stiftsschaffneikeller mit einem lebendigen und schwungvollen Kammerkonzert aufgewartet. Werke von Ludwig van Beethoven umrahmten ein Klaviertrio von Emilie Mayer.

Auch wenn das Konzert mit dem Trio Vivente am Ende nicht einmal zwei Dutzend Zuhörer angelockt hat. Der Kulturkreis wird auch in der kommenden Saison auf kulturelle Vielfalt und eine bunte Mischung setzen, in der auch die Kammermusik wieder einen Platz findet. Am Freitagabend standen sich Besucherresonanz und musikalische Qualität des Vortrags aber diametral gegenüber. Nur etwas mehr als eine Hand voll Besucher erlebten ein Kammerkonzert voller Schwung und Eleganz, einen Vortrag, der Juwelen vergangener Epochen in ein wunderbar lebendiges Licht rückte. Pianistin Jutta Ernst und die beiden Streicherinnen, Anne Katharina Schreiber (Violine) und Kirstin von der Goltz (Violoncello) tupften Klänge in den Raum, die bei den Zuhörern einen bleibenden Eindruck hinterließen. Das vor mehr als 25 Jahren gegründete Klaviertrio, überzeugte mit musikalischer Strahlkraft und tonalen Feinheiten. Mit einem Klangreigen, der die Aura vergangener Stilepochen förmlich zu neuem Leben erweckte.

Überaus reizvoll war nicht nur die Gegenüberstellung von zwei Klaviertrios, die das Lebenswerk von Ludwig van Beethoven umfassen. Glanzvoll auch das dazwischen eingefügte Trio der 1812 in Friedland, Mecklenburg geborenen Komponistin Emilie Mayer. Das von der Klangwelt der Romantik geprägte Trio, Opus 13, spiegelte die Tonsprache Beethovens ganz ähnlich wie dessen Trio, Opus 1,1, das an den musikalischen Sinnesrausch eines Wolfgang Amadeus Mozart erinnerte. Die beiden Werke tauchten temperamentvoll interpretiert in die Sinneslust ihrer Epoche ein. Beethoven verzauberte noch ganz ohne die musikalische Schwere seines Spätwerkes. Das Trio von Emilie Mayer stellte die Frage in den Raum, warum die Komponistin von der Nachwelt beinahe vergessen wurde.

Den zweiten Teil des Abends prägte das Spätwerk eines reifen Meisters, die Virtuosität des "Erzherzogtrio" (Opus 97). 1811 fertiggestellt, 1814 von ihm selbst mit aufgeführt, markierte es das Ende der öffentlichen Auftritte des langsam taub werdenden Beethoven. Die Fülle seiner musikalischen Einfälle blühte bei der Aufführung am Freitagabend aber wunderbar auf. Jutta Ernst, Anne Katharina Schreiber und Kirstin von der Goltz setzten mit dem Werk ein wunderbares Glanzlicht, das sicherlich mehr als nur eine Hand voll Zuhörer im Stiftsschaffneikeller verdient hätte.

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