Lahr Kahlschlag am Langenhard

Sulz - Entlang der Straße von Sulz auf den Langenhard wird derzeit mächtig gerodet. Die betroffenen Bäume waren krank und deshalb ein Sicherheitsrisiko, sagt die zuständige Lahrer Stadtverwaltung.

Voraussichtlich am morgigen Mittwoch rücken die Mitarbeiter des Lahrer Bau- und Gartenbetriebs (BGL) wieder ab, wird die sogenannte Panzerstraße wieder befahrbar sein. Sieben Tage war der Weg von Sulz hinauf auf den Langenhard dann insgesamt gesperrt. Fast ununterbrochen war in dieser Zeit im Dorf das Kreischen von Kettensägen und das Krachen von Holz zu hören.

Wer am vergangenen Wochenende, als die Arbeiten ruhten und die Strecke deshalb vorübergehend frei war, den Sulzberg hinauf- oder hinunterfuhr, konnte sich ein Bild vom (Zwischen-)Ergebnis machen: Der Straßenrand war auf nahezu den gesamten zwei Kilometern gesäumt von Baumstämmen, zumeist lagen sogar mehrere nebeneinander. Dafür stehen an den ehemals dicht bewachsenen Hängen fast nur noch Stümpfe. Völlig ungewohnt: Der Blick von der Panzerstraße nach Sulz und andersherum ist plötzlich frei, die Bäume dazwischen sind weg.

Klimawandel setzt den Buchen zu

Die Lahrer Stadtverwaltung hatte auf die Fällungen und die damit verbundene Sperrung hingewiesen. In der Ankündigung hieß es, es "müssen aus verkehrssicherungspflichtigen Gründen die geschädigten Buchen im angrenzenden Wald gefällt werden".

Wie viele Bäume genau der Kettensäge zum Opfer fielen, vermochte man am Montag im Lahrer Rathaus nicht zu sagen. Die zuständigen Ansprechpartner des BGL seien "vor Ort, um die gute Witterung auszunutzen und pünktlich mit den Arbeiten fertig zu werden", hieß auf LZ-Nachfrage.

Die Zahl der Bäume, die am Straßenrand auf ihren Abtransport warten, dürfte in die Hunderte gehen. So wie von Anfang an vorgesehen. Die Stadt teilte mit, es handele sich um einen "planmäßigen Einschlag" in Absprache mit der Forst-BW, die für die Bewirtschaftung des Staatswalds in Baden-Württemberg zuständig ist.

Die vergangenen Trockenjahre, bedingt durch den Klimawandel, hätten den Bäumen stark zugesetzt, sodass sie eine Gefahr für Verkehrsteilnehmer, Spaziergänger und Waldarbeiter dargestellt hätten. Der Schaden habe zum Handeln gezwungen.

Verwaltung will noch nähere Infos liefern

Wie viele Festmeter geschlagen wurden, wie groß die gerodeten Flächen sind und was mit dem Holz passiert – zu diesen Fragen versprach die Stadtverwaltung "schnellstmöglich" Antworten. Klar sei, dass erst mal genug gefällt ist: "Entlang der Panzerstraße sind keine weiteren Arbeiten geplant."

So kam's zur "Panzerstraße"

Lahr war während beider Weltkriege Garnisonsstadt. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Langenhard ein Exerzierplatz für die Infanterie angelegt und 1938 nochmals erweitert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lahr Stützpunkt französischer Streitkräfte, bevor die kanadischen Nato-Streitkräfte hier ab 1969 ihr Europa-Hauptquartier aufschlugen.

Die Kanadier, die bis in die 1990er-Jahre in Lahr blieben, nutzten das Areal auf dem Langenhard als Standortübungsplatz. Der Bergrücken (387 Meter) war bis dato nur über den Hohbergweg anzufahren, was den Kanadiern nicht genügte.

1974 bauten sie einen vorhandenen Weg von Sulz auf den Langenhard zur "Panzerstraße" aus. 1982 wurde sogar eine Panzerwaschanlage errichtet. Seit 2012 stehen die fast 110 Hektar, die einst als Panzer- und Truppenübungsplatz dienten, in der Liste der "Nationalen Kulturerben".

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