Lahr Kabarett: Großes Gemotze auf Fränkisch

Vom verpatzten Vorstellungsgespräch bis zu handyfixierten Teenagern: Bembers nimmt alles und jedem auf die Schippe. Foto: Wilhelm

Lahr - Mit dem Programm "Kaputt oder was?" bescherte Bembers der Lahrer Rockwerkstatt zum vierten Mal in Folge ein volles Haus. Der Nürnberger nahm von der "Hipster-Jugend" bis hin zum seltsamen Trends in den Sozialen Medien alles aufs Korn.

Dem Volk will er aufs Maul schauen und auch der Konflikt mit einer "Assibraut im Netto" wird wohl kaum in Hochsprache geführt. So lautet das Motto des fränkischen Künstler Bembers. Roman Sörgel, wie der zivile Name vom Bembers lautet, war mal ein Nürnberger Grafikdesigner und Musiker. Er produzierte aus Jux ein Video als grantelnder Hardcore-Rocker Bembers, was zu einem viralen Hit wurde. Als Vollzeit-Comedian schaffte es Bembers sogar zu einer eigenen Sendung im bayerischen Rundfunk, die er wieder aufgab, weil die Anforderungen der Massenkompatibilität diametral zur authentischen Performance Bembers verlaufen. Ein weich gespültes "Bembers light" funktionierte nicht.

Themen der aktuellen Show von Bembers, die im Herbst 2018 Premiere hatte, sind die Digitalisierung und die Erscheinungen der modernen Welt. Die Tatsache, dass teilweise in Städten Fußgängerampeln in den Boden eingelassen werden, findet er für handyfixierte Teenager eine lebenserhaltende Maßnahme, äußert sich der Komiker. So reiht Bembers Geschichte an Geschichte, vom explodierenden Energy-Drink in der Tankstelle über seine Begegnung mit der zigarettenschnorrenden, anglizisierten Hipstergeneration in Berlin bis hin zu seinem Neffen Justin, der seine Zukunft als Rapper sieht und sein Vorstellungsgespräch für eine Lehre als Sanitärtechniker quasi verdampft.

Immer wieder bringt er Anekdoten über seine Kumpel Patex, Strudel und seine allzeitpräsenten Lebenspartnerin Priscilla. Im Gespräch legt Roman Sörgel Wert drauf, dass ein Großteil seiner Bembers-Geschichten ein reales Erleben als Hintergrund hat.

Gereizte Lachmuskeln sind das Fazit des Abends

Dies mag auch der Grund sein, dass er so authentisch wirkte und mit seiner derben, fränkischen Sprache das Publikum zu wahren Lach-Eruptionen hinriss. Es wirkt bei seiner manchmal leicht fäkalisierten Ausdrucksweise wie ein Paradoxon, wenn Bembers zu einem pfleglicherem Umgang miteinander aufruft. Aber auch das nimmt man ihm ab. Nutzt Bembers doch seine unglaubliche "Bobularität" für ein Plädoyer für mehr "Doleranz" und Respekt gegenüber den Mitmenschen.

Trotzdem entlarvt er mit scharfem Augen die Fehlentwicklungen und Absurditäten unserer Gesellschaft. Kurzum: Es war ein gelungener Abend im Schlachthof mit stark gereizten Lachmuskeln und strapazierter Sprachtoleranz.

  • Bewertung
    1