Lahr K-Frage nervt die CDU-Basis

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Mehr als zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl hat der Unionsfraktionschef die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer als Nachfolgerin von Kanzlerin Angela Merkel ins Spiel gebracht. CDU-Politiker aus der Ortenau halten das für falsch.

Ortenau. Es war wohl gut gemeint, als der Unionsfraktionschef im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU), die angeschlagene Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer als nächste Kanzlerkandidatin der CDU/CSU-Union benannte. Was folgte war eine heftige Diskussion in der Bundespartei. Auch in der Ortenau gibt es unter den CDU-Politikern Kritik an der Aussage des Fraktionschefs.   Falscher Zeitpunkt: Deutlich verfrüht sei die derzeitige Situation sagt Annette Korn, Vorsitzende des CDU-Stadtverbands Lahr, im Gespräch mit unserer Zeitung. "Wir haben andere Sorgen", so Korn weiter. So wie sie, denken die meisten ihrer örtlichen Parteikollegen. "Die Zeit ist nicht reif", sagt etwa Peter Heuken, der stellvertretende Bürgermeister von Neuried. "Für die Basis ist das einfach schädlich", findet Heuken weiter und rät dazu, erst mal die eigenen Hausaufgaben zu bewältigen.

"Im Moment ist das eigentlich gar kein Thema", hält auch Kordula Kovac, Vorsitzende des Stadtverbands Wolfach ehemals Bundestagsabgeordnete, nichts von einer Personaldebatte und fragt: "Was soll das jetzt?" Von einer Debatte zur "Unzeit" spricht Annerose Mattmüller, Vorsitzende der CDU Kippenheim. "Es gibt dafür keinen Grund", sagt sie. Und auch Wolfgang Brucker, der Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag und Bürgermeister von Schwanau, hält die Diskussion der Kanzlerfrage zum jetzigen Zeitpunkt weder für angebracht, noch für notwendig. "Diese Frage stellt sich im Moment nicht." Denn wenn man nun einen Kandidaten benenne, wäre die Frage, was passiert, wenn es in den kommenden zwei Jahren vor der Bundestagswahl erneut zu Problemen käme. "Die Kanzlerfrage gehört auf den Tisch, wenn es soweit ist", sagt Brucker daher. "Wir sollten keinen Schnellschuss machen", findet auch Heuken.   Sachthemen: Ein Vorbild für den Umgang mit der K-Frage sehen einige der Befragten bei den Grünen, die diese Frage seit Wochen gekonnt ignorieren und stattdessen über Sachthemen sprechen wollen. Ähnliches fordern die Ortenauer CDU-Politiker "Wir sollten uns nicht mit Personalfragen, sondern mit Sachthemen beschäftigen", sagt etwa Annette Korn aus Lahr. Auch die Wolfacherin Kovac wünscht sich eine Besinnung auf den Inhalt. Eine Personaldebatte sei mit Blick auf den Landtagswahlkampf in Ostdeutschland nicht sinnvoll, sagt sie. "Wir haben jetzt erst mal etwas anderes zu tun", findet sie.

Wichtige Themen sehen die örtlichen Christdemokraten vor allem im Klimaschutz, der Verkehrswende und der Digitalisierung. Korn betont, dass der Umgang mit dem Youtube-Video im Vorfeld der Europawahl nicht gut war und man hier nachbessern müsste. Generell müsse es die CDU schaffen, in der Bevölkerung für mehr Glaubwürdigkeit zu sorgen, sagt sie.

  Mitglieder einbeziehen: Generell könnte er sich Kramp-Karrenbauer als Kanzlerin vorstellen, sagt Schwanaus Bürgermeister Brucker. Und auch die Zweifel der restlichen Befragten waren nicht aufgrund der Vorsitzenden AKK. Annerose Mattmüller stellt jedoch das automatische Zugriffsrecht der Partei-Vorsitzenden auf die Kanzlerkandidatur in Frage. Sie könne sich auch Regionalkonferenzen wie im Vorfeld des Parteitags – dort setzt sich Kramp-Karrenbauer gegen Friedrich Merz und Jens Spahn durch – vorstellen. "Das hat der Partei gutgetan", erinnert sich auch Anette Korn an die Diskussionen bei den Konferenzen und wünscht sich eine größere Beteiligung der Mitglieder bei der K-Frage. Und wer es am Ende auch werden mag, den örtlichen CDU-Politikern ist nicht bange. "Wir sind eine große Volkspartei, dort gibt es viele fähige Menschen", sagt Mattmüller. Von einer Urwahl aller Mitglieder halten die Befragten jedoch insgesamt wenig.

1001 Delegierte der CDU haben im Dezember 2018 in Hamburg über die Nachfolge von Angela Merkel als Parteivorsitzende der CDU abgestimmt. Darunter waren zehn Delegierte mit Wurzeln im Ortenaukreis – nicht alle stimmten damals für AKK. Kramp-Karrenbauer setzte sich in zwei Wahlgängen gegen Friedrich Merz und Jens Spahn durch. In der Stichwahl gegen Merz holte sie 517 von 999 Stimmen.

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