Lahr Jobcenter braucht Schutz

Die beiden Sicherheitsleute schauen sich die Besucher der Kommunalen Arbeitsförderung genau an, um festzustellen, von wem möglicherweise Ärger droht.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                     Foto: Schabel

Lahr - Das Landratsamt hat ein Sicherheitsunternehmen mit dem Schutz des Lahrer Jobcenters beauftragt. Es hatte "verbale Entgleisungen und bedrohliche Situationen" gegeben, so die Behörde.

Kaum hat der Berichterstatter die Kommunale Arbeitsförderung (KOA) im Nestler-Carree betreten, wird er von einer Frau mittleren Alters gefragt, ob sie ihm helfen kann. Sie steht gleich hinter dem Eingang und ist in ihrem schwarzen Shirt mit der Aufschrift "Security" unschwer als Mitglied des Sicherheitspersonals zu erkennen. Ihr Ton ist höflich, und als der Besucher sich als Reporter zu erkennen gibt und sie bittet, über ihre Arbeit zu erzählen, ist sie dazu bereit – ebenso wie ihr Kollege, denn die Sicherheitsleute ar­beiten zu zweit.

Sie haben gerade einen Augenblick Zeit, da der Wartebereich der KOA an diesem Mittwochmorgen komplett leer ist. "Das liegt auch daran, dass jetzt Ferien sind. Nachmittags ist viel mehr los. Am letzten Donnerstagnachmittag waren 140 Leute da", berichtet der Security-Mann, der ebenso wie seine Kollegin seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will. Beschäftigt sind sie beim Sicherheitsdienst David Parisi mit Sitz in Zell.

Ihre Aufgabe bestehe zunächst darin, Besuchern zu helfen, wenn sie diese Hilfe benötigen. Jobsuchenden, die zum ersten Mal da sind, zeigen sie, wo sie eine Automatennummer ziehen. Vor dem Gerät, das gegenüber der Eingangstür an der Wand befestigt ist, bilde sich schon mal eine Schlange, die bis nach draußen reicht – dann halten die Sicherheitsleute den Wartenden die Tür auf. Sie wollen mögliche Konflikte von vornherein herunterkühlen, wollen verhindern, dass "Stress entsteht", wie sie es nennen.

Die Besucher des Jobcenters sind Menschen in schwierigen Lebenslagen, bei denen die Nerven manchmal blank liegen. Es seien immer wieder ähnliche Gründe, die zum Krach führen, so die Security-Mitarbeiter: Einige Arbeitslose beschweren sich, weil sie glauben, dass das Amt ihr Geld zu spät überweist. Andere würden ungemütlich werden, wenn sie einen Ein-Euro-Job annehmen sollen.

Man müsse ein guter Menschenkenner sein, sagen die Sicherheitsleute. Sie würden sich die Besucher ansehen und gleich ahnen, von wem Ärger droht. In so einem Fall würden sie den jeweiligen Berater vorwarnen, dass ihm möglicherweise ein problematisches Gespräch bevorsteht.

Die Security-Mitarbeiter betrachten die Besucher allein schon deshalb aufmerksam, da manche Arbeitslose Hausverbot haben, nachdem sie Zoff verursacht hatten. Wie häufig gibt’s richtig Ärger? "Im letzten halben Jahr drei- oder viermal", sagt die Frau. Es komme etwa vor, dass sie von einem Berater ins Büro gerufen wird, weil ein Kunde laut schimpft. Dann führe sie den Störenfried hinaus. Und der lässt sich das einfach so gefallen? Sie habe sich bis jetzt noch immer durchsetzen können, erwidert die Frau. Ihr Kollege berichtet, dass er erst vor zwei Wochen die Polizei gerufen habe, weil ein junger Mann einen Berater bedroht hatte.

"Der Sicherheitsdienst soll deeskalierend wirken", sagt Kai Hockenjos vom Landratsamt. Anlass, ihn einzusetzen, sei "die Häufigkeit der auffälligen Kunden" gewesen. Bedrohliche Situationen hätten zugenommen. Doch dank der Sicherheitsleute habe sich die Lage entspannt. Ihre Anwesenheit wirke "auf die gesamte Eingangszone beruhigend". Entgleisungen der Kunden seien seltener geworden.

Die Security-Frau wird auch im Offenburger Job-Center eingesetzt. Dort sei die Zahl der aggressiven Besucher höher als in Lahr, berichtet sie.

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