Lahr Jeder vierte Unfallfahrer flieht

Opfer einer Unfallflucht bleiben nicht selten auf ihrem Schaden sitzen. Hier ärgert sich LZ-Mitarbeiterin Lena Stangenberg über die Folgen eines Parkremplers an ihrem Fahrzeug. Foto: Schabel

Lahr - Statistisch gesehen passiert es fast jeden Tag. 327 Unfallfluchten verzeichnete die Polizei in Lahr und den Ortsteilen im vergangenen Jahr. Meist bleibt die Flucht vor der Verantwortung ungesühnt.

 

Für die Beamten ist es längst Routine, sich mit Fahrerfluchten zu beschäftigen – oder dem unerlaubten Entfernen vom Unfallort, wie es juristisch korrekt in Paragraf 142 des Strafgesetzbuches heißt. Doch ohne Zeugenhinweise, ohne verwertbare Spuren haben die Polizisten es schwer bei der Tätersuche. Vor diesem Hintergrund ist Polizeidirektor Peter Westermann nicht unzufrieden mit der Lahrer Aufklärungsquote. Im Vorjahr konnten die Beamten nach einer Unfallflucht in der Stadt in 118 Fällen den Täter ermitteln, das ist eine Quote von 36 Prozent.

Anders als größere Reviere, zum Beispiel in Freiburg, verfügt das Lahrer Polizeirevier nicht über eine eigene Abteilung "Fahrerflucht". So wie die Unfallaufnahme ist auch die Ermittlung nach einer Unfallflucht hier Aufgabe jedes einzelnen Streifenpolizisten. Am leichtesten haben es die Beamten, wenn das Kennzeichen des Unfallverursachers nach dem Zusammenstoß auf der Straße liegenbleibt. Bei der Tätersuche greifen sie auch auf Aufnahmen zurück, die Überwachungskameras von Parkplätzen machen. Bei ernsten Fällen setzt die Polizei eine Ermittlungsgruppe ein, die fast so etwas wie ein Täterprofil erstellt: War der flüchtige Unfallfahrer ein Ortskundiger? Könnte er in der Nähe wohnen oder arbeiten? Die Polizei verfügt auch über eine Lack-Datenbank, in der alle Autofarbenmuster gespeichert sind. Schon mit einem winzigen Splitter lässt sich ein "Fingerabdruck" vom Wagen des Unfallverursachers herausfiltern.

Westermann betont, dass die Polizei alles unternimmt, um die Täter festzustellen, allein schon, um den Opfern von Unfallfluchten zu helfen, die sonst auf den Reparaturkosten für ihr beschädigtes Auto sitzen bleiben. Der Leiter der Verkehrsdirektion beim Polizeipräsidium Offenburg appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, die Zeuge einer Unfallflucht werden, sich bei der Polizei zu melden und so zur Aufklärung beizutragen.

Nach Auskunft von Westermann endet jeder vierte Unfall in Lahr damit, dass der Verursacher sich aus dem Staub macht. Auch in den Nachbarkommunen sind die Zahlen erschreckend: In Kippenheim und Friesenheim verzeichnete die Polizei im Vorjahr insgesamt 417 Fahrerfluchten, von denen 143 aufgeklärt werden konnten.

Im gesamten Einzugsgebiet des Polizeipräsidiums Offenburg wurden im Vorjahr 4380 Fahrerfluchten registriert. Bei 18 670 Unfällen insgesamt ist das eine Quote von 23 Prozent. "Jeder Vierte geht stiften", bestätigt Westermann. Die Dunkelziffer dürfte sogar noch höher liegen, da nicht jeder Geschädigte einen Kratzer gleich der Polizei meldet.

Ist die Moral auf den hiesigen Straßen also auf dem Tiefpunkt angekommen? "Sie könnte besser sein", sagt der Polizeidirektor. Dabei sei Fahrerflucht ein klassenloses Delikt. Ob Arzt oder Arbeiter, Rentner oder Fahranfänger – jeder könne zum Täter werden. Die Kosten tragen andere Fahrer, deren Wagen demoliert wird, aber auch die öffentliche Hand. Werden doch auch Leitplanken, Verkehrsschilder oder Ampelmasten gerammt, ohne dass der Verursacher immer dafür geradesteht.

Laut Westermann gibt es mehrere Motive, die sonst rechtschaffene Menschen dazu bringen, das Gesetz zu übertreten und weiterzufahren, statt sich um den von ihnen angerichteten Schaden zu kümmern: die Angst vor Strafe oder dem Führerscheinentzug, oder auch nur davor, den Schadensfreiheitsrabatt zu verlieren. Es gibt aber auch Fahrer, die sich ungewollt einer Unfallflucht schuldig machen. Wer beim Ausparken ein fremdes Auto touchiert, muss sich bei der Polizei melden, betont Westermann. Es genüge nicht, einen Zettel mit den eigenen Daten hinter dem Scheibenwischer des fremden Wagens einzuklemmen (siehe-Infokasten).

Fälle von Fahrerflucht werden in Lahr vor allem dort registriert, wo viele Autos dicht an dicht stehen. Laut Westermann sind das etwa die Parkplätze bei der Arena und bei Rewe sowie die Parkflächen großer Firmen.

Die möglichen Strafen für eine Unfallflucht variieren, je nachdem, ob der Verursacher betrunken war oder jemanden verletzt hat. Selbst bei einem geringen Blechschaden ist eine Geldstrafe fällig. Ist der Schaden gravierender, drohen Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot, Führerscheinentzug oder bis zu drei Jahre Gefängnis.

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