Lahr Jazzmusiker können gelegentlich auch Rocker sein

Jazz im Keller: Gitarrist Philipp Brämswig, Drummer Thomas Sauerborn und Sebastian Scobel an der Orgel Foto: Baublies Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Mit einer E-Gitarre, einem Schlagzeug und einer Hammondorgel kann man Hörgewohnheiten durchbrechen. Das Jazztrio "Mangamo" aus Köln hat im Stiftsschaffneikeller jedenfalls Ungewohntes zum Besten gegeben.

Das Stück "Jack the River" fing mit einer Collage aus Klängen an und steigerte sich schnell zu einer Kakophonie. Dann schaffte zuerst Philipp Brämswig am Brett, einer Stratocaster aus dem Hause Fender, aus dem Getöse so etwas wie eine Melodie ­zu destillieren. Sebastian Scobel an der Hammondorgel folgte –­ und endlich war auch Drummer Thomas Sauerborn bereit, so etwas wie einen Rhythmus zu trommeln. Aber im nächsten Moment zerfetzten und zerrissen die drei Musiker diese Harmonien erneut. Eine Erlösung oder Aufklärung bot das Trio hier nicht. Um es klassisch zu sagen: "Wenn es auch Wahnsinn ist, so hat es doch Methode."

Das Trio bot den leider zu wenigen Gästen bei "Jazz im Keller" aber ein weit vielseitigeres Programm. Der "Song for George" etwa war vom Aufbau her ein lupenreiner Blues. Der Autor, Gitarrist Brämswig, zügelte hier seine Spielfreude und blieb meist bei eingängigen Läufen. Die Harmonien, gewollt ein wenig schwerfällig, waren sauber gegriffen. Der Spieler schweifte nur ganz gelegentlich aus dem Schema ab, hatte seine Finger also nicht ganz im Griff. Was kein Nachteil gewesen ist. "Das Stück ist dem verstorbenen Beatle George Harrison gewidmet", erklärte Scobel. Und so sollte die Gitarre wohl auch klingen.

Der Organist stellte die Songs allesamt vor und sagte immer auch etwas zu der Entstehung. "She should be lucky", kündigte er an und ergänzte: "Da muss man wohl nicht viel dazu sagen." Hier verfolgte das Trio die hohe Kunst, aus einem eigentlich simplen Riff einen komplexen Klangteppich aufzubauen. Orgel und Gitarre lieferten wechselseitig das Grundgerüst, nämlich den Riff, während immer das andere Instrument die Strukturen gewaltig übersteigerte. Der Drummer hielt dieses zerfließende Stück mit einen fast sturen Beat zusammen. Was nicht einfach ist. Solche Riffs haben Eric Clapton ("Layla") oder Keith Richards ("Jumpin’ Jack Flash") zur Meisterschaft gebracht. Das Trio im SSK machte daraus aber, was einen entscheidenden Unterschied zum Rock ausmacht, eine wahre Orgie an Klangkaskaden. Nebenbei demons­trierte "Mangamo" damit auch, dass Jazzer gut und gerne auch Rock können.

Mit "Critical Mass" zeigte das Trio erneut, dass aus Klangcollagen am Anfang eines Stückes Harmonien werden können. Hier aber wurde nichts zerfetzt. Die "kritische Masse", die eigentlich in die Kernphysik gehört, wurde nicht erreicht. "Strange Meeting" war ein versöhnlicher – weil durch und durch harmonischer – Schluss eines fulminanten Konzertes.

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