Lahr Integration geht durch den Magen

Das Gemüseglas muss akkurat im Regal stehen: "Mini-Markt"-Inhaberin Elena Romme legt Wert auf Ordnung und perfekte Präsentation ihre Waren. Das schätzen vor allem Deutsche aus Russland, aber auch immer mehr einheimische Lahrer. Foto: Braun Foto: Lahrer Zeitung

Ein Großteil der Deutschen aus Russland, die in Lahr leben, versorgen sich mit Lebensmitteln aus der Heimat im "Mini-Markt" . Und dort funktioniert die Integration auch anders herum: Schon jeder dritte Kunde des Supermarkts ist ein Einheimischer.

Lahr. "Unsere Kundschaft durchmischt sich immer mehr", berichtet Elena Romme (57), die Inhaberin des weithin bekannten Fachgeschäfts für osteuropäische Lebensmittel. Hätten anfangs, vor rund 19 Jahren, vor allem Deutsche aus Russland bei ihr eingekauft, wachse die Zahl der einheimischen Lahrer und Ortenauer beständig. Einer von drei Kunden sei zwischenzeitlich schon Einheimischer. "Die Grenzen verschwimmen und das ist gut so. So funktioniert das Miteinander immer besser", sagt die Geschäftsfrau.

Wer den Lebensmittelmarkt am Königsberger Ring nahe des Bahnhofs besucht, dem fallen prall gefüllte Regale und eine penible Ordnung und Sauberkeit auf. Die Ware steht in Reih’ und Glied in den Verkaufsregalen, das Etikett immer schön nach vorne. Lücken gibt es so gut wie keine, leere Schachteln sucht man vergebens. Da legt Elena Romme wert darauf. "Muss alles schön präsentiert werden", sagt sie und schiebt ein Glas Gurken einen halben Zentimeter in die richtige Richtung.

Wie viele verschiedene Produkte sie im Sortiment habe? "Keine Ahnung, viele", lacht sie. Es müssen Abertausende sein. Das Angebot ist extrem breit und vielseitig. Dafür ist der "Mini-Markt" nicht nur bei Russlanddeutschen weit über Lahr hinaus bekannt. Man findet russische Süßigkeiten, polnische Würste, rumänische Backwaren, tschechisches Bier, moldawische Konserven und ukrainische Spirituosen. Hinzu kommen regionale Produkte aus der Ortenau, vor allem Obst und Gemüse, sowie Fleisch und Fisch. Die Integration klappt also auch im Warenregal.

"Unsere Kunden schätzen die Vielfalt und die Lebensmittel, die sie aus ihren früheren Ländern her kennen und lieben", berichtet die Unternehmerin. Es sei der Geschmack der Heimat, der viele in ihr Geschäft treibe.

Der Markt ist dabei nicht nur Einkaufsplatz, sondern auch Treffpunkt für soziale Kontakte. "Viele kommen auch zum Schwätzchen hierher. Man trifft Bekannte, Freeunde, Nachbarn. Wir sind eine Kommunikationsbörse", sagt Elena Romme.

Das Geschäft, den sie mit ihrem Mann Leo betreibt, ist längst zum mittelständischen Unternehmen herangewachsen. 30 Mitarbeiter beschäftigt das Ehepaar, auch viele Familienangehörige sind darunter. Nur so habe der Aufbau überhaupt gelingen können. Denn der Start im Jahr 2000 sei alles andere als ein Zuckerschlecken gewesen. Von den Banken gab es für die Geschäftsidee damals keine Kredite, erinnert sich Elena Romme.

In Lahr fühlt sie sich längst integriert. "Ich bin Lahrerin", sagt sie selbstbewusst. Für den Stadtteil Hugsweier sitzt sie in dessen Ortschaftsrat. Rommes unterstützen auch den FV Langenwinkel. "Wir helfen alles zusammen. So klappt’s doch einfach besser!"

Elena und Leo Romme kamen aus Kasachstan nach Lahr. Dort hatten sie ein Schuhgeschäft. Leo Rommes Vorfahren stammten aus Offenburg, bevor sie in Zeiten von Zarin Katharina im 18. Jahrhundert nach Russland auswanderten und sich dort niederließen. Der Beitrag ist Teil einer Serie über Deutsche aus Russland in Lahr, die fortgesetzt wird.

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