Lahr Integration auf ganz praktische Art

"Entschuldigung, wir haben eine Frage": Asylbewerber bei einer Erkundungstour auf dem Rathausplatz Foto: Breuer Foto: Lahrer Zeitung

Mit praktischen Aufgaben versucht Djahan Salar, Leiter der Neuen Arbeit Lahr (NAL), Flüchtlingen die Integration zu erleichtern. Beliebt sind besonders die Erkundungstouren, die Salar mit den Asylbewerbern veranstaltet.

 

Lahr. "Entschuldigung. Wir haben eine Frage." Fadi Ramadan und Wael Abdulmunem haben sich ein Herz gefasst und wildfremde Leute, Besucher der Chrysanthema, angesprochen. "Können Sie uns helfen? Wir suchen den Stand vom E-Werk und der Badenova." Mit noch gebrochenem, aber dennoch schon recht gutem Deutsch fragt Fadi erwartungsvoll ein älteres Ehepaar. Die beiden jedoch sind anfänglich vorsichtig und zurückhaltend, was sie deutlich durch ihre Körpersprache und Mimik zeigen.

Aus einer Entfernung beobachtet ein weiteres, dazugehöriges Ehepaar misstrauisch die Szene vor der Lamm-Apotheke. Erst nachdem die Angesprochenen festgestellt haben, dass die beiden Syrer tatsächlich nur eine Info wollen und dazu noch von der Presse begleitet werden, werden sie zugänglicher. Nein, sie hätten bis jetzt keinen Stand eines Energieversorgers entdeckt, sagen sie.

Die beiden Männer bedanken sich höflich und sind etwas ratlos. Sie haben schon die ganze Chrysanthema abgesucht, aber weder einen Stand noch ein Beet gefunden, das den Sponsorenhinweis getragen hätte. "Hier ist es auch nicht", rufen die eben befragten Chrysanthema­besucher, die mittlerweile zum nächsten Beet geschlendert sind, den Männern zu. Und die Leute lassen es dabei nicht bewenden. Sie verwickeln die beiden in ein kleines Gespräch, um dann festzustellen: "Die beiden sind sehr nett. Der eine hat auch sehr aufgeweckte und freundliche Augen." Gemeint ist Fadi Ramadan, der 31-jährige Anästhesieassistent. Sein Begleiter, der 41-jährige Rechtsanwalt Wael Abdulmunem, ist etwas ruhiger und zurückhaltender.

Die beiden Asylbewerber ziehen weiter, überwinden sich immer wieder und sprechen fremde Menschen an. Doch helfen kann ihnen keiner. Noch nicht einmal die Stadtführerin, die sie fragen. Aber immerhin hat die für die beiden einen Plan der Chrysanthema, mit dem die Syrer es etwas einfacher haben, die Arrangements zu finden. Doch es hilft alles nichts, sie finden weder einen Stand, noch ein Beet mit dem gesuchten Hinweis.

Nach einer Stunde erfolgloser Suche sind die beiden fast schon entmutigt. Auf dem Marktplatz geht Fadi jeden Pfosten ab, an dem eine Kaskadenchrysantheme und ein Sponsorenschildchen hängt. Aber auch da wird er nicht fündig. Es ist zum Mäusemelken.

Erst beim Stand des Stadtmarketings bekommen sie einen wichtigen Hinweis. "Das E-Werk und die Badenova sind zwei Hauptsponsoren", erklärt ihnen Katja Hess. Fadi und Wael bedanken sich, drehen sich um und – sehen an der Bühnenseite die Liste der Hauptsponsoren. Angeführt vom E-Werk. Aber was ist ein Sponsor? Radiomoderator Markus Knoll, der eben die Kochshow moderiert hat, klärt die beiden auf.

Stolz und glücklich, die Aufgabe gelöst zu haben, ziehen die beiden los ins Gasthaus Löwen, wo Djahan Salar schon mit kühlen Getränken auf seine Schützlinge wartet, die in Kleingruppen verschiedene Sponsoren gesucht hatten.

  • Bewertung
    0