Lahr Innenstadt trägt seine Handschrift

Michael Kleinthomä, hier mit seiner Frau Alice, ist bei einer Feier ihm zu Ehren von den ehemaligen Kollegen bei der Stadt mit viel Applaus verabschiedet worden. Foto: Schabel

20 Jahre hat Michael Kleinthomä die Lahrer Tiefbauabteilung geleitet. Jetzt ist der 64-Jährige in den Ruhestand verabschiedet worden.

 

Lahr. Ende Dezember war endgültig Feierabend für ihn nach fast 40 Jahren in Diensten der Stadt. Die ersten Tage danach hätten sich "wie Ur­laub angefühlt", sagte er in der Säulenhalle des Rathauses I zu rund 70 Gästen – ehemalige Kollegen, Mitglieder des Gemeinderats, aber auch Vertreter von Architektenbüros und Baufirmen, mit denen er gut zusammengearbeitet hatte. Kleinthomä sprach in seiner Abschiedsrede einzelne Besucher direkt an, dankte für das gute Miteinander.

Es war die letzte von insgesamt vier Abschiedsfeiern, von denen zwei von früheren Kollegen organisiert worden waren. Kleinthomä sei ein "fürsorglicher Chef sowie ein allseits beliebter, konsensfähiger" Kollege gewesen, lobte dabei Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller. Der langjährige Leiter der Tiefbauabteilung habe "Spuren in der Stadt hinterlassen."

Kleinthomäs familiäre Wurzeln liegen in Siebenbürgen in Rumänien. Geboren ist er in Innsbruck, als Zehnjähriger kam er nach Lahr. Er hatte lange sowohl die österreichische als auch die deutsche Staatsbürgerschaft.

Sein erster Tag in Diensten der Stadt Lahr war der 1. Januar 1979. Knapp 20 später bewarb der Bauingenieur sich um die frei gewordene Stelle des Tiefbauleiters, wobei er sich in mehreren Wahlgängen gegen insgesamt sechs Mitbewerber durchsetzte.

Danach folgten Jahre, in denen er eine Menge bewegt hat. Kleinthomä selbst bezeichnete auf Nachfrage unserer Zeitung die Innenstadtumfahrung und die Gestaltung von öffentlichen Plätzen als seine wichtigsten Projekte. Besonders stolz sei er auf den Schlossplatz ("der ist richtig schön geworden").

Auf den Schlossplatz ist er besonders stolz

Dagegen ist der Rathausplatz in seinen Augen "der Unvoll­endete" – Kleinthomä hätte dort gern ein Solitärgebäude mit Platanenwäldchen gesehen, doch diese Pläne scheiterten am Widerstand aus der Bevölkerung. Der Urteilsplatz, an dem Kleinthomä besonders die "sehr aufwendigen Pflasterarbeiten" gefallen, wird seiner Ansicht nach "unter Wert verkauft", da dort Autoverkehr erlaubt ist. Seiner Meinung nach sollten dort nur Linienbusse und Radler fahren dürfen. Auf die Frage nach seinen bedeutendsten Projekten hebt er auch die Gestaltung der Kirchstraße hervor, die "von einer B-Lage zu einer 1A-Lage" verbessert worden sei.

Kleinthomä hat sich mit seiner Arbeit vollauf identifiziert. So verriet er bei seiner Verabschiedung zum Beispiel, wie sehr ihn die Sitzgewohnheit vor allem von jungen Leuten auf öffentlichen Bänken –­ Po auf der Lehne, Füße auf der Sitzfläche –­ gewurmt hat, wird dadurch doch öffentliches Eigentum beschmutzt. Es sei nicht immer einfach gewesen, bei Bauvorhaben verschiedene Interessen unter einen Hut zu bringen ("der eine will den Bordstein höher, der andere niedriger"), so Kleinthomä. Die Herausforderungen des Amts hat er mit einer sehr gründlichen Ar­beitsweise bewältigt, war bei seiner Verabschiedung zu erfahren.

Kleinthomä habe das Erscheinungsbild Lahrs mitgeprägt und "der Stadt große Dienste erwiesen", lobte Müller. Für die Arbeit des scheidenden Tiefbauchefs in den Stadtteilen dankte stellvertretend Annerose Deusch, die Ortsvorsteherin von Langenwinkel.

Als Ruheständler hat Kleinthomä nun mehr Zeit für seine Hobbys. Er ist begeisterter Tennisspieler und Skifahrer. Lange Jahre hat er auch die Skischule der Skizunft Lahr geleitet. Darüber hinaus war er ein ausgezeichneter Eisho­ckeytor­wart. Bei seiner Verabschiedung überraschte er Oberbürgermeister Müller mit der Mitteilung, dass er es 1977 als Torwart des ERC Freiburg sogar zum deutschen Ama­teurmeister­ brachte. Mit dem Verein ist er auch in die Zweite Eishockey-Bundesliga aufgestiegen.

  • Bewertung
    0