Lahr "In zehn Jahren wäre ich wieder weg"

"Wir wollen erst die Meinung der Menschen einholen und dann entscheiden", sagt Ralph Herschlein. Dementsprechend würde er sich im Landtag für mehr Basisdemokratie starkmachen. Foto: Bender

Lahr - Die Menschen stärker in die Politik einbinden – das ist das zentrale Ziel von Ralph Herschlein, Landtagskandidat von der Partei die Basis. Falls er gewählt wird, verspricht der 49-Jährige, "wäre ich nach spätestens zehn Jahren wieder weg".

Die Basis ist noch ganz jung

Die Basisdemokratische Partei Deutschland, kurz: die Basis, ist noch ganz jung; sie wird zur Landtagswahl am 14. März noch nicht einmal ein Jahr alt sein. Daher passt sie ganz gut zu Ralph Hersch-lein, der im Gespräch mit der LZ sagt: "Ich wollte eigentlich nie in die Politik."

Das habe sich am 18. November vergangenen Jahres schlagartig geändert, der Tag, an dem die Novelle zum Infektionsschutzgesetz verabschiedet wurde. Herschlein war vor Ort in Berlin, sah "Familien mit Kindern und ein paar schräge Vögel, aber nur friedvolle Menschen" auf der einen und "hochbewaffnete Polizisten" auf der anderen Seite. "Das passte nicht zusammen und das war nicht das Bild, das in den Medien danach transportiert wurde. Da hat es mich gepackt."

Wieder zu Hause in Berghaupten stieß Herschlein nach einiger Internetrecherche auf die Basis. Ein paar Anrufe und Treffen später war er Landtagskandidat für den Wahlkreis Lahr. "Das ging alles sehr schnell", sagt der gebürtige Göppinger lachend, um gleich wieder ernst zu werden.

War das große Sicherheitsaufgebot an jenem Tag in der Hauptstadt nicht vielleicht doch nachvollziehbar, immerhin hatte eine Demo ein paar Monate zuvor in einem versuchten Sturm auf den Reichstag gemündet? Herschlein hebt die Arme, nickt zögerlich.

Entschieden wird der Kandidat, wenn es um die Frage nach der potenziellen Wählerschaft geht. Ja, er wisse, dass seine Partei bei dem Klientel gute Umfragewerte aufweise, "aber wir sind definitiv keine Bewegung der Querdenker".

Überhaupt will der Wahl-Badener nicht in den "Corona-Topf" geworfen werden. Zwar sei die Basis im Juli 2020 und damit mitten in der Pandemie gegründet worden, "aber uns und mir speziell geht es um viel mehr". Bei der Frage, was die Wähler von ihm erwarten dürfen, kommt Herschlein indes wieder auf jenen Tag in Berlin zu sprechen, der ihn politisiert hat: Die Änderung des Infektionsschutzgesetzes bringe weitreichende Befugnisse für die Regierung.

Partei habe "kein festzementiertes" Programm

"Dafür war die parlamentarische Diskussion nicht ausreichend." Die Basis würde das künftig ändern: "Wir wollen erst die Meinung der Menschen einholen und dann entscheiden." Das wäre auch des Mittel der Wahl bei den aktuellen Lockdown-Beschlüssen.

Seine Partei habe "kein festzementiertes" Programm, dafür ein Leitmotiv, so Hersch-lein: "Enkeltauglichkeit". Bedeutet: Mit allen heute gefassten Entscheidungen müssten auch die nachfolgenden Generationen gut leben können.

Weitere Schlagworte, die der Kandidat im LZ-Gespräch in diesem Zusammenhang nennt: "Nachhaltigkeit", "Zukunftssicherung", "Umweltschutz" und "ein liebevolles Miteinander". Ganz ohne konkrete Ziele würde er freilich nicht ins Stuttgarter Landesgremium einziehen. Wichtig ist Herschlein etwa die Stärkung der regionalen Landwirtschaft und "ganz allgemein der Erhalt der tollen Umgebung, in der ich aufwachsen durfte".

Dass er und seine Mitstreiter – die Basis schickt bei der Landtagswahl in 60 von 70 Wahlkreisen Kandidaten ins Rennen – keine Berufspolitiker seien, sieht der Diplom-Betriebswirt nicht als Pro­blem, im Gegenteil: "Es ist fraglich, ob Frauen und Männer, die seit Jahrzehnten in Parlamenten sitzen, noch wissen, was die Menschen wirklich brauchen und wollen."

Die Konsequenz: "Wenn ich gewählt werde, würde ich maximal zwei Legislaturperioden bleiben. Spätestens nach zehn Jahren wäre es Zeit für neue Gesichter." In diesen Kontext passt auch eine von vier Säulen, auf die sich die Basis nach eigenen Angaben gestellt hat: "Machtbegrenzung" von Funktions- und Mandatsträger. Die drei weiteren Säulen: Freiheit respektieren, Achtsamkeit fördern, Schwarmintelligenz nutzen.

Noch einmal zurück zu den Corona-Verharmlosern und Verschwörungstheoretikern, mit denen Herschleins Partei in Verbindung gebracht wird – und die offenbar auch im Landesvorstand sitzen. Co-Basis-Chef Dragan Nesovic hatte gegenüber unserer Zeitung vor nicht allzu langer Zeit erklärt, er glaube, dass die nächste Generation eine Art Chip bekommen soll. Der Lahrer Kandidat findet dazu klare Worte: "Meiner Meinung nach sollte niemand im Namen der Partei rein persönliche Ansichten kundtun."

Zur Person

Ralph Herschlein ist verheiratet, hat drei Stiefkinder und zwei Stiefenkel. In Göppingen geboren, lebt der 49-Jährige seit nunmehr rund 25 Jahren in Berghaupten. "Ich fühle mich sehr wohl in der Ortenau", sagt Herschlein. Der studierte Betriebswirt ist bei einem bayerischen Unternehmen tätig, das unter anderem Fallschutzböden für Spielplätze verkauft. Herschlein arbeitet im Vertrieb: "Normalerweise bin ich in der ganzen Welt unterwegs, wenn ich nicht gerade im Homeoffice gefangen bin."

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