Lahr Konzert: In Anglerhosen Alphorn gespielt

So ein Konzert gibt’s nicht alle Tage: Franz Schüssele (Dritter von links) und seine Musikerkollegen machten den Dammenmühle-See zu ihrer Bühne. Foto: Haberer

Lahr - Franz Schüssele und Mitstreiter aus dem Schwäbischen haben auf dem See bei der Dammenmühle eine "Wassermusik" der etwas anderen Art aufgeführt. Hauptinstrumente waren Alphörner.

Franz Schüssele steht in Anglerhose im See, sein Alphorn schwimmt ebenso auf dem Wasser wie die Ruderboote mit den Waldhörnern und der Trompete. Der Kontext, in dem das Ensemble "AuA" Händels "Wassermusik" anstimmt, ist ebenso kurios wie der gesamte Ansatz des noch jungen Ensembles.

Angefangen hatte alles im Frühjahr, in den ersten Wochen des Lockdowns. Weil die Orchesterarbeit ruhte, machte sich Joachim Bänsch, Solohornist des SWR-Rundfunkorchesters, mit seiner Frau Julia (Oboe) und Sohn Jakob, einem jungen, aufstrebenden Jazztrompeter, auf den Weg in den Schwarzwald. Bei Schüssele, dem Mitbegründer der "Gälfiäßler" und Spezialisten für Alphörner, sollten drei der sperrigen Instrumente für den Hausgebrauch gekauft werden. "Lasst uns etwas gemeinsam machen", sagte Schüssele zu dem Trio.

Musikern steht das Wasser bis zum Schenkel

Hornist Joachim Balz, Leiter der Bigband am Musikgymnasium Pforzheim, stieß dazu, außerdem Eckart Fischer (Kontrabass, Trompete), der Geschäftsführer des Tonkünstlerverbands Baden-Württemberg. Das neue Sextett hat das Alphorn in den Mittelpunkt gestellt, Naturhorn, Oboe und Trompete, ein ganzes Sammelsurium an Instrumenten dazugefügt, die Kuhglocke und das Muschelhorn, aufgebohrte Spazierstöcke und ein Didgeridoo aus Plastikrohren.

Fischer schlug zunächst einen Auftritt im Becken eines wegen Corona geschlossen Freibads vor, eine "Wassermusik" frei nach Händel. Auszüge aus dem gleichnamigen Orchesterwerk des Barockkomponisten waren nun auch bei der Uraufführung am See bei der Lahrer Dam-menmühle zu hören. Hörner und Trompeten in Ruderbooten, zwei Alphörner auf dem See schwimmend, ein drittes am Ufer: Händels "Wassermusik" in einem neuen, so noch nie gehörten Kontext.

Das mit traditionellen Alphornklängen eröffnete Konzert vor 100 Zuhörern wartete mit einem bunten Stilmix, einem kuriosen Klangreigen voller Überraschungen auf. Klassik und Folklore, Jazzklänge, Neue Musik und Filmmelodien. Konzertante Exotik in Frack und kurzen Hosen, Freches und Wundersames in lockerer Folge aneinandergereiht.

"Amazing Grace" auf Dudelsack, Oboe und Alphörnern geblasen, Robert Schumanns Lied "Die Forelle", von Schüssele gesungen, von Alphörnern begleitet auf einem Plastikrohr intoniert. Den "Fehrbelliner Reitermarsch" stimmte das Sextett auf aufgebohrten Spazierstöcken, sogenannten "Wanderalphörnern", an, Schüsseles "Poseidon" auf Schneckenhörnern. Dazu Fanfaren aus "Rocky" und "Krieg der Sterne", dissonante Klänge, die in einen jazzigen Groove umschlugen, Schüsseles "Alphornruhe" und der "Heilige Bim Bam", ein Stück für Alphörner und Kuhglocken.

Zwei Mal 45 Minuten, ein musikalisches Tohuwabohu mit modernen und schrägen Tönen, aber auch Verbeugungen vor Georg Philipp Telemann, Benjamin Britten, Antonin Dvorák, Georg Friedrich Händel und Franz Schubert, mit Sphärenklängen und volkstümlichen Schmankerln wie dem "Andachtsjodler".

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