Lahr "Impfen, impfen, impfen!"

So wird das nichts mit dem Kampf gegen Corona: Unternehmer Martin Herrenknecht ist mit der Arbeit der Regierung alles andere als zufrieden. Unser Bild zeigt ihn beim Besuch von Kanzlerin Angela Merkel vor zwei Jahren im Schwanauer Herrenknecht-Werk.Archivfoto: Braun Foto: Lahrer Zeitung

Schwanau - Dem Schwanauer Tunnelbau-Spezialist Martin Herrenknecht platzt der Kragen. Er übt scharfe Kritik am politischen Corona-Management in Deutschland und Europa. "Das ist doch Kasperle-Theater!", wettert er und fordert schnelle Verbesserungen.

Martin Herrenknecht ist als Mann klarer Worte bekannt. Doch wer sich mit ihm über die Corona-Pandemie und deren aktuelle Bewältigung unterhält, dem fliegen seine Worte noch schärfer um die Ohren als sonst schon.

Die Impfstoff-Strategie der Europäischen Union mit Ursula von der Leyen hält Herrenknecht schlicht für "hirnverrückt". 1800 Milliarden Euro gebe die EU aus, habe es aber nicht hinbekommen, genügend und schnell genug Impfstoff für alle EU-Bürger zu ordern.

"Das ist Kasperletheater", wettert der 78-Jährige beim LZ-Gespräch in seiner Schwanauer Firmenzentrale. "Ich hätte doppelt so viele Dosen bestellt und den Rest dann in arme Länder verteilt." So wie das gelaufen sei, sei es ein einziges "Armutszeugnis".

Schließungen treiben Handel in den Ruin

Jeder Monat, den die deutsche Wirtschaft nicht rund laufe, koste Unsummen. Die dauerhafte Schließung von Handel und Gastronomie treibe diese in den Ruin, so der Unternehmer. "Kleine Geschäfte auch in Lahr gehen bald über die Wupper." Innenstädten drohe Leerstand, "da macht sich offenbar keiner Gedanken darüber".

Für Herrenknecht ist klar, wie dieser Viren-Katastrophe beizukommen sei: "Wir müssen impfen, impfen, impfen, auf Teufel komm’ raus, sonst wird das nichts." Dazu müsse man Fachleute ranlassen. Die Verteilung würde er Firmen wie DHL übernehmen lassen, "die können das".

Für die Terminvergabe von Impflingen sollte man Veranstaltungsfirmen nehmen und das nicht selbst organisieren wollen. "Alles viel zu bürokratisch, wie immer bei uns, das muss jetzt schnell und professionell gehen." Älteren Menschen sei die umständliche Anmelde-Prozedur per Internet und Telefon nicht zuzumuten, "das ist völlig hoffnungslos". In anderen Ländern wie Israel oder den USA klappe das Impfen doch auch, poltert er. Minister Jens Spahn, der derzeit wegen der Impf- und Test-Pannen in der Kritik steht, gibt Herrenknecht höchstens noch ein paar Wochen politisches Überleben.

In seiner Firmenzentrale hat Herrenknecht schon 500 Tests für Mitarbeiter angeboten. "Das werden wir noch aufstocken, weitertesten, immer wieder", sagt er. Zuletzt habe es keine Corona-Fälle im Schwanauer Werk mehr gegeben. Und er fordere Impfungen für seine 200, 300 Monteure, die weltweit im Einsatz seien, auf wichtigen Baustellen. "Die müssen sicher unterwegs sein können, sonst funktioniert das dauerhaft nicht. Die Monteure müssen nach ihrer Rückkehr dauernd in Quarantäne."

Herrenknecht selbst gehört mit 78 noch nicht zur ersten Impfgruppe. "Ich stehe hinten an, ich kann gut warten, aber meine Baustellen-Fachleute nicht." Er selbst werde sich impfen lassen, "egal mit was, Hauptsache es vermindert schwere Erkrankungen".

Während Deutschland noch eifrig diskutiere, ob es für Geimpfte Privilegien geben sollte, ist für Herrenknecht klar: "Natürlich, das wird so kommen." Und er rät, in den ständigen abendlichen TV-Debatten doch wieder mehr Optimismus zu verbreiten und nicht nur traurig Trübsal. "Wir bekommen das hin, wenn sich nur alle endlich mal anstrengen."

Beim Hersteller von Tunnelbohrmaschinen in Schwanau hinterlässt die Pandemie auch Bremsspuren, doch für das laufende Jahr seien der Bestand an Bestellungen und der Neuzugang an Aufträgen in einem guten Bereich. Man brauche ich um das 5000-Köpfe-Unternehmen keine Sorgen zu machen, sagte Firmenlenker Martin Herrenknecht im Gespräch mit der Lahrer Zeitung. "Wir sind stabil im Markt." Herrenknecht setzte insgesamt mit seinen Firmen zuletzt 1,2 Milliarden Euro um. 2019 seien die Zahlen wie erwartet und für das Unternehmen ein vernüftiges Jahr gewesen. Die Bilanzzahlen für 2020 sind noch nicht bekannt und dürften in Kürze vorliegen.

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