Lahr Immer mehr Eltern sind verunsichert

Während des Lockdowns verbringen die Kinder und Jugendlichen mehr Zeit am Bildschirm. Viele Eltern machen sich deshalb Sorgen, dass ihr Kind mediensüchtig wird. Foto: Hase

Lahr - Laut einer Studie der Krankenkasse DAK sind in Deutschland rund drei Prozent der Jugendlichen süchtig nach Medien. Wie sieht die Lage in Lahr aus? Und welche Rolle spielen der Lockdown und die Corona-Pandemie dabei?

"Die aktuelle Situation ist für Eltern und ihre Kinder in Bezug auf den Medienkonsum sehr schwierig. Wichtige Alternativen wie Sportangebote oder das Treffen mit Freunden fehlen", sagt Hermann Gilsbach, der Leiter der Lahrer Sucht- und Drogenberatung.

Die Corona-Krise begünstigt das Suchtverhalten

"Ich kann allerdings nicht sagen, dass wir deshalb mehr Suchtkranke in der Beratung haben. Was ich aber sagen kann: Immer mehr besorgte Eltern rufen uns an, weil sie sich fragen, ob das Verhalten ihres Kindes noch normal oder schon problematisch ist", so Gilsbach weiter.

Aussagekräftige Zahlen aus Lahr fehlen noch. Ob sich wegen der Einschränkungen durch die Corona-Krise tatsächlich mehr Angehörige oder Betroffene wegen Mediensucht an die Drogenberatung gewendet haben, wird erst der Jahresbericht von 2020 zeigen. Denkbar sei laut Gilsbach aber auch, dass sich die steigenden Zahlen von Suchtkranken erst nach der Pandemie zeigen, wenn das "normale Leben" wieder weitergehen kann.

Gabriele Jerger von der Suchtberatung in der Friedrichstraße, die eher für Suchtprobleme bei Erwachsenen zuständig ist, bestätigt die Einschätzung Gilsbachs. "Die Corona-Krise begünstigt auf jeden Fall das Suchtverhalten und die Gefahr eines Rückfalls.

Gleichzeitig nehmen wegen der Beschränkungen weniger Menschen die Beratung in Anspruch", lautet die Einschätzung Jergers. Ein generelles Problem bei der Suchtberatung sei, dass sich meist Angehörige an die Beratungsstellen wenden und die Betroffenen ihre Probleme nicht selbst einsehen.

Im vergangenen Jahr habe Jerger rund sechs Personen zwischen 18 und 22 Jahren wegen Mediensucht beraten, der Großteil seien Kinder und Jugendliche, für die die Drogenberatung zuständig ist.

Jungen spielen mehr, Mädchen sind mehr in Sozialen Netzwerken

Gerade bei jungen Menschen sei ein normaler Umgang mit Medien wie Computer und Handy wichtig. Dazu gehöre auch, die Kontrolle darüber zu behalten, wie viel seiner Zeit man pro Tag in Online-Spiele oder zum surfen im Internet investiert.

"Es ist schon eher so, dass vor allem Jungen zu Spielsucht neigen und Mädchen eher zu viel in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram und Whats-App unterwegs sind." Um dem entgegenzuwirken, müssten Eltern mit ihren Kindern klare Absprachen treffen und Grenzen aufzeigen.

"Der zu hohe Medienkonsum ist sicher auch eine Erziehungsfrage. Entscheidend ist, dass die Kinder und Jugendlichen über den Umgang mit dem Smartphone und dem Computer – mit den Eltern und auch in der Schule – reden. Auch über die Inhalte, die sie sich anschauen und spielen, müssen sie aufgeklärt werden", sagt Gilsbach.

Dabei biete die Kommunikation mit Freunden über digitale Medien gerade in dieser Zeit auch Vorteile: "Sich zumindest über das Handy zu sehen oder in Kontakt zu bleiben, vermittelt das subjektive Gefühl, nicht alleine zu sein und gibt Halt", sagt die Leiterin der Suchtberatung.

Sucht-Kriterien

Wann spricht man von einer Mediensucht? "Wenn der komplette Alltag des Betroffenen nur auf das Medium ausgerichtet ist und ein unwiderstehlicher Zwang besteht. Wenn Absprachen nicht eingehalten werden, die Konzentration in der Schule sinkt und Entzugserscheinungen wie Unruhe oder Nervosität auftreten, sobald das Kind oder der Jugendliche mal nicht am Handy oder Computer sitzt", erläutert Hermann Gilsbach von der Jugend- und Drogenberatung in Lahr.

  • Bewertung
    4