Lahr "Ich weiß, das ist alles noch pauschal"

Der Tennenbronner Herbert Kinzel kandidiert im Wahlkreis Lahr für die Wir-Partei. Foto: Kornfeld

Lahr/Kinzigtal - Der 56-jährige Berufskraftfahrer Herbert Kinzel tritt bei der Landtagswahl für die Wir-Partei im Wahlkreis Lahr an. Zur Politik kam der Tennenbronner durch seine Unzufriedenheit mit dem Umgang der Regierung mit der Pandemie.

Mobilitätswende, Ökolandbau und eine artgerechte Tierhaltung

"Wir sind eine sehr, sehr junge Partei, zum größten Teil politische Neulinge", beginnt er sein Gespräch mit der LZ. Kinzel ist durch seine Unzufriedenheit mit dem Umgang der Regierung mit der Pandemie zur Politik und damit schließlich zur Wir-Partei gekommen.

"Während des ersten Lockdowns habe ich versucht, mich umfassend über Covid-19 zu informieren. Je genauer die Informationen wurden, um so mehr Zweifel kamen an der Sinnhaftigkeit der Maßnahmen auf", erzählt der Kandidat. Dabei sei er auf die Partei gestoßen. Mitte des Jahres 2020 habe er entschieden, sich aktiv einzubringen.

Kinzel lege aber sehr großen Wert darauf, dass die Wir-Partei sich nicht auf das Thema Corona reduzieren lasse. "Unser vorläufiges Programm ist ausgewogen, umfangreich und breitgefächert" betont er. Die großen Themen der neuen Partei seien Freiheit, Gerechtigkeit und Verantwortung.

Mit Freiheit verbindet Kinzel als allererstes die freie Impfentscheidung der Bürger. Niemand könne zur Impfung gegen Covid-19 gezwungen werden. Die Wir-Partei setzt in dem Bereich auf Beratung. Auch die freie Therapiewahl soll für alle Patienten möglich sein und zwar nicht nur in Bezug auf die Corona-Therapie. Es solle beispielsweise jedem freistehen, zu einem Heilpraktiker zu gehen.

Gerechtigkeit steht für Kinzel vor allem für die Möglichkeit, dass sich die Bürger besser und häufiger an politischen Entscheidungen beteiligen können, durch Bürger- oder Volksentscheide etwa. Zur Gerechtigkeit gehört für ihn auch eine existenzsichernde Grundversorgung an Stelle von Hartz IV, wie es auch im Programm der Wir-Partei steht.

Zum Thema Verantwortung nennt der Tennenbronner Beispiele aus dem wirtschaftlichen und ökologischen Bereich. So tritt er für eine Mobilitätswende, den Ökolandbau und eine artgerechte Tierhaltung ein.

"Im ländlichen Raum ist es wichtig, die Mobilität aufrecht zu erhalten, was bedeutet, der ÖPNV muss zwingend wieder besser ausgebaut werden", betont der Berufskraftfahrer. Die private Mobilität müsse erhalten bleiben, weil viele Bürger beispielsweise in Fabriken im Schichtbetrieb arbeiten und keine entsprechenden ÖPNV-Verbindungen existieren. Der Ausbau des ÖPNV sei mit den verfügbaren Mitteln nicht für alle Bedürfnisse umsetzbar.

Die Wirtschaft im ländlichen Raum sei gesund gewesen und habe vor der Corona-Pandemie einen guten Stand gehabt, so der Landtags-Kandidat. Wie es jedoch weiter gehe, lasse sich erst sagen, wenn man wisse, welche Betriebe nach den Lockdown-Maßnahmen noch existieren.

Zum Thema Migration möchte sich der Landtagskandidat der Wir-Partei nicht äußern

Der Mittelstand und vor allem kleine Einzelhändler müssten gefördert werden, denn "da hängen viele Existenzen und Familien dran", sagt Kinzel. Die Förderungen sollten zwingend viel unbürokratischer und einfacher zu beantragen sein. Außerdem sollten die Mittel schneller ausgezahlt werden. Kleine und mittlere Betriebe sollten Vorrang haben, so Kinzel.

Wichtig ist dem Tennenbronner auch die fortschreitende Digitalisierung zu fördern, "deren Bedeutung man derzeit am besten im Schulbetrieb sehen kann." Das bedeutet für ihn aber auch, dass ins Schulwesen investiert werden müsse, um beispielsweise jedem Schüler den Zugang zu digitalen Medien zu ermöglichen.

"Wir müssen uns auch den Landwirten wieder mehr zuwenden, die seit vielen Generationen unsere Umwelt pflegen, artgerechte Tierhaltung und Aufzucht betreiben und unsere Nahrungsmittel produzieren", stellt der Tennenbronner klar. Die Entlohnung der Landwirte decke nicht im mindesten deren Aufwand.

"Ich weiß, das ist alles noch sehr pauschal, aber das ist der Kürze der Zeit geschuldet, in der unsere Partei existiert", sagt Kinzel gegenüber unserer Zeitung. Die noch junge Partei habe das vorrangige Ziel, die Fünf-Prozent-Hürde zu erreichen, um dann im Landtag die Demokratie neu zu beleben und zunächst eine echte Opposition zu sein. Immerhin habe es die Wir-Partei geschafft, innerhalb kurzer Zeit in 68 von 70 Wahlkreisen einen Kandidaten aufzustellen, ist Kinzel optimistisch.

Zur Person

Der Kandidat der Wir-Partei für den Wahlbezirk Lahr, Herbert Kinzel, ist 56 Jahre alt und kommt gebürtig aus Schwäbisch Gmünd. Er lebt in Tennenbronn, ist verheiratet und hat einen 35jährigen Sohn. Von Beruf ist er Kraftfahrer im Bereich der Müllentsorgung.

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