Lahr "Ich strebe die Titelverteidigung an"

Seit 22 Jahren lebt die gebürtige Reichenbacherin Claudia Fiess (Jahrgang 1967) im australischen Sydney. Und auch wenn durch die Corona-Pandemie alle Rennen abgesagt wurden, so konnte die zweimalige Altersklassen-Weltmeisterin im 24-Stunden-Rennen zumindest normal auf ihrem Mountainbike trainieren. Wie die derzeitige Lage für ihren Sport Down-Under ist und wie es mit ihrer Heim-WM im November aussieht, hat die Mountainbikerin unserer Zeitung erzählt.

Frau Fiess, inwiefern beeinflusst die Corona-Pandemie Ihr Training?

Überraschenderweise kaum, da während des Lockdowns Sport im Freien immer noch erlaubt war. Da das berufliche Reisen untersagt war und ich von zu Hause arbeitete, konnte ich unter der Woche auf meinem Indoor-Smart-Trainer trainieren. Am Wochenende ging es dann meistens nach draußen, auf eine lokale Runde, größtenteils abseits der Straße durch die Wälder und das Buschland im Norden von Sydney. Je nach Lust und Laune kann diese Runde auf bis zu 100 Kilometer ausgedehnt werden.

Können Sie noch an Wettkämpfen teilnehmen oder wurden alle abgesagt?

Mein letztes Mountainbike-Rennen war Ende Februar in Canberra. Das nächste war für das Wochenende vom 28. März geplant. Allerdings wurden ab dem 23. März offiziell alle Wettkämpfe abgesagt.

Durch die Corona-Pandemie hat die Zahl der Freizeit-Mountainbiker und Läufer in Deutschland zugenommen. Ist das in Australien auch so?

Auf alle Fälle. Die Corona-Pandemie hat auch hier in Australien zu einem Radfahr- und Wander-Boom geführt. Viele haben ihre alten Fahrräder aus den Garagen geholt – die Fahrradläden hatten ein sehr gutes Geschäft mit Reparaturen und natürlich auch Neuverkäufen. Der Slogan war "Bicycles are now the new toilet paper". Inwieweit der Boom anhält, muss man sehen. An den Wochenenden war ich in einem MTB-Park, der zeitweise komplett mit Mountainbikers überfüllt war. Das habe ich in all den Jahren zuvor sehr selten gesehen hatte.

Behindert Sie das beim Training, wenn zum Beispiel Strecken überfüllt sind?

Es waren zwar sehr viele Wanderer und Spaziergänger unterwegs, aber auf den Pfaden, die Wanderer und Mountainbiker sich teilen, hat man sich gegenseitig respektiert. Auf den schmalen Wegen, also Single-Trails, war es eher kein Problem, da diese nur von Mountainbikern genutzt werden.

Noch mal zurück zu den Wettkämpfen. Gibt es wieder eine Weltmeisterschaft, an der Sie teilnehmen?

Die diesjährige Weltmeisterschaft im MTB-Solo 24-Stunden-Rennen findet am 7. und 8. November in Armidale (Australien) statt. Ob die WM unter den gegebenen Umständen tatsächlich stattfindet, soll Ende Juli entschieden werden. Zur Zeit und vielleicht sogar bis Ende des Jahres sind ja die australischen Grenzen für internationale Besucher geschlossen.

Welche Chancen rechnen Sie sich denn für das Rennen aus – falls es denn stattfindet?

Ich möchte auf alle Fälle an der Weltmeisterschaft im eigenen Land teilnehmen. Natürlich strebe ich eine Titelverteidigung an, aber mit einer Top-Drei-Platzierung wäre ich auch zufrieden.

Wie sieht es mit anderen Sportarten in Australien aus?

Spiele im Australian-Football und Rugby werden momentan ohne Zuschauer durchgeführt. Andere Sportarten werden in naher Zukunft nachziehen, wie zum Beispiel Fußball, Basketball und Cricket.

Gibt es Ansagen der Regierung?

Anfang Mai 2020 hat die australische Regierung einen Plan herausgegeben, wie der Lockdown in drei Phasen gelockert werden soll. Momentan in der Stufe zwei dürfen Gruppen bis zu 20 Personen zusammen Sport im Freien ausüben. Mountainbike-Rennen werden wohl erst wieder in der Stufe drei möglich sein.

Was sind die größten Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Ihren Sport?

Anfangs war es sehr schwer, sich daran zu gewöhnen, nur noch lokal zu trainieren. Leider gibt es in meiner Umgebung im Norden von Sydney nicht allzu viele abwechslungsreiche Gelände-Pfade. Am liebsten fahre ich Single-Trails. Aber die meisten sind leider nicht ohne Auto zu erreichen. Somit war es eine Erleichterung, als man Anfang Juni endlich mal wieder mit dem Auto außerhalb von Sydney reisen durften. Es ist somit auch wieder möglich Freunde zu besuchen und gemeinsam Mountainbike zu fahren.   Fragen von Claudia Dach

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