Lahr "Ich setze mich für konservative Werte ein"

Der Lahrer Johannes Erling will für die AfD in den Stuttgarter Landtag einziehen. Foto: Schabel

Lahr - Die AfD schickt bei der Landtagswahl im Wahlkreis Lahr einen 34-Jährigen mit Wurzeln in Russland ins Rennen. Johannes Erling sagt im LZ-Gespräch, dass er die Probleme von Migranten gut verstehen könne.

Wir haben nichts gegen Flüchtlinge

Erling war zehn Jahre alt, als er mit seiner Familie aus Nadeshdinka, einem Dorf in Kasachstan, nach Deutschland auswanderte. Er ist durchaus stolz auf seine Wurzeln, bittet im Redaktionsgespräch, dass der Name seines Geburtsorts in der Zeitung genannt wird. Seine Herkunft habe ihn geprägt, erzählt der heute 34-Jährige. Er stehe für konservative Werte und ein traditionelles Familienbild.

Seine Herkunft bringt der AfD-Mann auch zur Sprache, um zu belegen, dass er mit Fremdenfeindlichkeit nichts am Hut habe. Denn er habe am eigenen Leib erlebt, was es heißt, ausgegrenzt zu werden. "In meiner Klasse auf der Otto-Hahn-Realschule galt ich als der Russe", erinnert er sich.

Deshalb habe er Verständnis für die Situation von Ausländern. Außerdem habe er Freunde mit Wurzeln in der Türkei und Kurdistan. "Die haben schon gesagt, dass sie mich wählen werden."

Beim Betrachten von Erlings Wahlprogramm fällt auf, dass er ausgerechnet um die Asylpolitik einen großen Bogen macht. Kein Zufall, wie er im LZ-Gespräch sagt, er wolle nicht, dass die AfD als Ein-Thema-Partei wahrgenommen werde.

"Wir haben nichts gegen Flüchtlinge, sondern gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung", betont er. Er selbst könne die Probleme von Migranten nachvollziehen, da er auch als Migrant nach Deutschland gekommen sei.

Innerhalb der AfD existieren wirtschaftsliberale, konservative und nationalistische Strömungen. Auf die Frage, wo er sich da verortet, antwortet Erling: "In der goldenen Mitte". Eine Mitgliedschaft zum Beispiel in der Union käme für ihn nicht in Frage, betont er: "Die CDU hat konservative Werte verraten."

Er betreibt einen großen Aufwand

In die Politik hat es ihn schon in jungen Jahren gezogen. Sechs Jahre war er Mitglied des Lahrer Jugendgemeinderats, 2019 kandidierte er dann auch für den Gemeinderat. Er sammelte 4552 Stimmen ein und damit mehr als elf aktuelle Mitglieder des Gremiums, deren Parteien aber insgesamt mehr Stimmen holten als die AfD, da die ihre Kandidatenliste nicht vollbekam. Deshalb blieb Erling der Einzug ins Lahrer Stadtparlament versagt.

Jetzt soll es der Landtag sein. Dafür betreibt er einen großen Aufwand, seit Oktober habe er 800 Kilometer im Wahlkreis zu Fuß zurückgelegt, um 45. 000 Flyer zu verteilen. Bis zur Wahl am 14. März werde er nun noch im Lahrer Stadtgebiet unterwegs sein, um seine Flyer an den Wähler zu bringen.

Um sich ganz auf den Wahlkampf konzentrieren zu können, gehe er gerade keiner beruflichen Tätigkeit nach. Erling ist ein gelernter Zerspanungsmechaniker, der sich zum Technischen Fach- und Betriebswirt bei der IHK weitergebildet hat, wie er im LZ-Gespräch erzählt. Seit Juni 2020 bilde er als Dozent bei der IHK junge Erwachsene zu Industrietechnikern aus.

Weshalb zieht es ihn in die Politik? Erling sagt, dass er sich für alle Menschen einsetzen wolle, die selbst keine laut vernehmbare Stimme haben. Er sei es schon länger gewohnt, dass andere ihn bitten, für sie zu sprechen, vor allem Deutsche aus Russland. Werde er in den Landtag gewählt, wolle er sich konkret für ein Umdenken bei staatlichen Ausgaben stark machen. "Die Gelder, die hier erwirtschaftet werden, müssen auch hier investiert werden, zum Beispiel in Infrastruktur und Bildung. Stattdessen denkt die Regierung, dass sie der ganzen Welt helfen muss."

Als weiteren Schwerpunkt seines Programms nennt der 34-Jährige die Stärkung der Familien und die innere Sicherheit. "Späte und viel zu milde Urteile provozieren bei Verbrechern aus archaischen Kulturen den Eindruck, sie bewegten sich im rechtsfreien Raum eines schwachen Staates", moniert er.

Der Kandidat betont: "AfD-Regierung würde die Polizei stärken"

Eine AfD-Landesregierung würde sich voll hinter die Polizei stellen, "sie moralisch und rechtlich stärken, ihre Besoldung und Arbeitsbedingungen verbessern". Wichtig seien ihm auch die gute Ausstattung von Schulen und Hochschulen und eine "ideologiefreie Bildung". Vielmehr sollten "Leistung, Wissen und Können" ins Zentrum der Bildungspolitik gestellt werden.

Ein Dorn im Auge ist dem AfD-Politiker auch der gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk. Der solle verschlankt, die "Zwangsgebühren" sollten abgeschafft werden.

Johannes Erling, der privat in festen Händen ist, hat nach dem Realschulabschluss den Beruf des Zerspanungsmechanikers gelernt; danach war er als CNC-Maschineneinrichter im Bereich Drehen tätig. Als Hobbys nennt er Rennradfahren, Joggen und Lesen. Es mache ihm Spaß, sich weiterzubilden. Erling ist ehrenamtlicher Richter am Verwaltungsgericht Freiburg, außerdem gehört er als sachkundiger Einwohner dem Lahrer Kulturausschuss und dem Interkulturellen Beirat an.