Lahr Hoffnungen made in China, die sich nicht erfüllten

 Foto: Büttner

Lahr/Parchim - Für einen deutschen Regionalflughafen muss der Einstieg eines chinesischen Investors nicht die Rettung bedeuten. Vor allem das Beispiel des Flughafens Parchim zeigt, dass die Erwartungen in Lahr nicht zu hoch sein sollten.

Parchim liegt in Mecklenburg-Vorpommern, 35 Kilometer entfernt von der Landeshauptstadt Schwerin. Zu DDR-Zeiten war es ein reiner Militärflughafen, auf dem bis 1992 sowjetische Truppen stationiert waren.

Nach dem Ende des Kalten Krieges ist Parchim eine drei Kilometer lange Start- und Landebahn geblieben, auf der auch Großflugzeuge landen können – nicht die einzige Gemeinsamkeit mit Lahr. Hier wie dort scheiterten nämlich Pläne zur Privatisierung. ­2001 übernahm etwa die Wiggins Group die Flughafengesellschaft Parchim. Doch die Engländer hielten sich nicht an Zusagen zur Weiterentwicklung des Fluggeschäfts, daher wurde der Verkauf rückabgewickelt. 2001 stieg Wiggins auch mehrheitlich bei der Flugplatz Lahr GmbH ein und betrieb ihn als "Sonderflughafen für Fracht", bis das Unternehmen 2006 Insolvenz anmeldete.

Der ehemalige Militärflughafen in Mecklenburg-Vorpommern geriet bereits 2007 in den Fokus chinesischer Investoren. Für 30 Millionen Euro kaufte der Unternehmer Jonathan Pang ihn, um daraus ein Luftfracht-Drehkreuz zwischen China und Europa zu machen. Der Investor aus dem Reich der Mitte wollte auch eine große Shopping-Mall errichten und chinesische Kunden für zollfreie Einkäufe einfliegen. Zu diesem Zweck investierte er in den Bau eines neuen Kontrollturms, einer Frachthalle und die Sanierung der Landebahn. Auch das Terminal wurde vergrößert sowie mit Gepäckbändern, neuem Wartebereich und Sicherheitscheck ausgestattet.

Viele Gemeinsamkeiten mit dem Flugplatz Lahr

Jedoch: Die hochgesteckten Erwartungen, den defizitären Airport in Mecklenburg zu einer Drehscheibe für den Fracht- und Passagierverkehr zwischen China, Europa und Afrika zu entwickeln, erfüllten sich nicht. Auch Fluggäste waren in Parchim nur wenige zu sehen. 2017 wurde zum Beispiel lediglich 54 abgefertigte Passagiere verzeichnet – im kompletten Jahr.

Die zweite Idee von Pang waren Frachtflüge entlang der alten Seidenstraße, mit Parchim als deren Endpunkt in Deutschland. Doch auch dieser Plan ging nicht auf. Am 2. Mai diesen Jahres stellte die Betreibergesellschaft schließlich einen Insolvenzantrag.

Warum hat in Parchim nicht geklappt, was nun in Lahr funktionieren soll, wenn es nach den chinesischen Interessenten geht? Er habe nicht verstanden, warum Hunderttausende von Menschen aus Asien in einen Flieger steigen sollten, um nach Parchim zu fliegen und dort in einem Outlet-Center einzukaufen, sagte Rolf Christiansen, ehemaliger Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim, in einem NDR-Interview. "Wen zieht es in diese Region? Wenn man aus Millionenzentren in China kommt, da will man Hamburg, Berlin, München, Frankfurt, London, Paris. Parchim, ja, gut."

Ein Menetekel für Lahr, dass sich Hoffnungen made in China nicht erfüllen? Vielleicht nicht ganz. Lahr liegt nicht in der Pampa wie der Ex-Militärflugplatz in der mecklenburgischen Provinz. In der Rheinebene sind die Verkehrsverbindungen besser, und man hat Deutschlands größten Freizeitpark in der Nähe. Und Freizeitparks sind in China sehr populär.

2016 haben Chinesen auch den Flughafen Frankfurt-Hahn übernommen, der nicht aus den roten Zahlen gekommen war. Dort scheinen sich ebenfalls nicht alle Wünsche zu erfüllen. Die neueste Nachricht von diesem Flugplatz: Die irische Fluggesellschaft Ryanair streicht zum Winterfahrplan mehrere Verbindungen und begründet dies mit einer geringeren Nutzung.

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