Lahr Hochmodern – für die damalige Zeit

In der Sonderausstellung "Stadt im Blatt" des Stadtmuseums steht ein Fernschreiber T100 Siemens, auch Telex genannt. Darüber hat Hans-Jürgen Jäckle einiges zu berichten, denn er hat mit der Maschine noch gearbeitet.

Lahr. Der pensionierte Polizist ­stellte bei einer Führung vor, wie der Fernschreiber funktionierte. Er diente dazu, Nachrichten in Schriftform mittels elektrischer Signale zu übermitteln.

Von der Seite betrachtet, sieht das Gerät wie ein Harmonium aus, es könnte aber auch ein Schreibtisch sein. Die frontale Betrachtung verwirrt: Schreibmaschinentastatur, ein Telefon aus Omas Zeiten, aber ohne Hörer, ein kleiner Drucker, aus dem ein schmales Band voller Löcher rauskommt. Wird der Holzdeckel geöffnet, sind die Gedärme der Maschine sehen – eine Menge Drähte, denn es ist ein komplexes elektrotechnisches Gerät.

Erfunden wurde der Fernschreiber in den 1930er-Jahren. Verwendet wurde er sowohl für zivile Zwecke (Post, Betriebe) als auch von Polizei und Bundeswehr, teilt Jäckle mit. Und das bis ins 21. Jahrhundert hinein, denn der Fernschreiber ermöglichte eine große Datenübertragung –­ mit erhöhter Geschwindigkeit und vielfach kodifiziert.

Es soll zwei Varianten des Telex. Eine gab den Text wie eine Schreibmaschine auf einer Endlosrolle in der Breite eines üblichen Briefes (DIN A4) aus. Es entstand ein Dokument, das man auch archivieren konnte. Jede Maschine hatte einen Namensgeber, den man bei Kontaktaufnahme wählte und der im Dokument erschien – somit konnte man sichergehen, den richtigen Empfänger gewählt zu haben. Die Tastatur, die die Sendeeinheit beinhaltet, und das Druckwerk, das den Empfänger beherbergt, arbeiteten unabhängig. Hatte man den Empfänger gewählt und die Durchgabe bestätigt, musste man danach nichts mehr machen, die Elektronik erledigte den Rest.

Übertragungsrate: 400 Anschläge pro Minute

Streifenschreiber druckten den Text dagegen auf einem in der Regel 9,5 Millimeter breiten Papierstreifen aus. Der Telegrammdienst der Deutschen Bundespost habe Streifenschreiber eingesetzt, berichtet Jäckle.

Im Telex-Netz habe man eine Übertragungsrate von 6,67 Zeichen pro Sekunde erreicht. Das entspricht 400 Anschlägen pro Minute. Für geübte Schreiber mit dem Zehnfingersystem sei das Schreiben auf einem mechanischen Fernschreiber gewöhnungsbedürftig gewesen, weil die Tastatur beim Senden eines Zeichens mechanisch gesperrt wurde und sich die nächste Taste erst nach dem Senden des letzten Zeichens drücken ließ, wusste Jäckle. Einige Fernschreibmaschinen, wie das Gerät im Museum, sollen über einen mechanischen Puffer zwischen Tastatur und Sender verfügt haben, der das schnelle Tippen erleichterte und die Umschaltzeichen für Buchstaben und Ziffern automatisch erzeugte. Die Geschwindigkeit des Fernschreibers sei durch einen Mechanismus am Motor geregelt worden. Denn für die Datenübertragung mussten sie dieselbe Geschwindigkeit haben.

Bis 2007 soll in Deutschland das Telex-Netz der Telekom bestanden haben. Die Bundeswehr habe bis 1986 das sogenannte Bundeswehrgrundnetz zur militärischen Nachrichtenübermittlung benutzt. Diese Netze waren sicher gegen Hackerangriffen, deshalb waren sie auch so lange im Betrieb.

 Sonderausstellung: Das Stadtmuseum widmet sich mit einer großen Sonderausstellung mit zahlreichen Begleitveranstaltungen der Zeitungsgeschichte in Lahr. Es ist eine Retrospektive auf 225 Jahre Zeitungsgeschichte in der Stadt, die einst mit dem Lahrer Wochenblatt beginnen hat, dem Vorläufer der Lahrer Zeitung. Die Sonderausstellung "Die Stadt im Blatt" geht bis einschließlich 28. Juli.

  Sonderführung: Interessierte haben am morgigen Donnerstag ab 11 Uhr Gelegenheit, an einer 60-minütigen Führung zur Sonderschau teilzunehmen. Besucher erhalten neben einem Einblick in die Historie der Zeitungsgeschichte in Lahr Informationen zum technischen und redaktionellen Entstehungsprozess einer Zeitung. Der Preis für Führung und Museumseintritt beträgt sieben Euro pro Person.

  • Bewertung
    1