Lahr Ein Vorzeige-Platz entsteht

Einen grundlegenden Wandel vollzieht der sogenannte Museumsplatz. Wo zurzeit ein Bagger Erde bewegt, soll später ein attraktiver Treffpunkt am Eingang der Tonofenfabrik entstehen.

 

Lahr. "Das wird ein schöner Platz, die Menschen werden sich gern hier aufhalten", sagt Bauleiter Stefan Gresbach und deutet auf das Areal, das von Absperrgittern umgeben ist. Zurzeit ist dort eine Baustelle eingerichtet, die von Intersport Gärtner bis an den seitlichen Eingang des Drogeriemarkts Müller heranreicht. Gresbach entfaltet einen großen Plan, der zeigt, wie der Platz später aussehen soll. Unter anderem ist ein Sitzforum aus Beton zu sehen, das auf den Eingang des künftigen Stadtmuseums ausgerichtet wird, welches in der Tonofenfabrik entsteht.

Bis es soweit ist, haben die Arbeiter aber noch alle Hände voll zu tun. Seit sechs Wochen ist ein Straßenbautrupp der Firma Schöllmann aus Schutterwald damit beschäftigt, den Asphalt aufzureißen, Erde abzutragen und den Untergrund für die Pflasterung herzustellen. Dabei erlebten die Männer eine unangenehme Überraschung, haben sie doch die Versorgungsleitungen für Strom und Telefon bereits 35 Zentimeter unter der Oberfläche vorgefunden. "Zu wenig", sagt Gresbach, der in der Abteilung Tiefbau der Stadt Lahr beschäftigt ist. Um den Unterbau für die Pflasterung herstellen zu können, müssten die Leitungen in 60 bis 80 Zentimeter Tiefe neu verlegt werden. Arbeiten, die den Baufortschritt etwas verlangsamen, das Budget der Stadt aber nicht belasten. Die Kosten haben die Telekom, Kabel-BW und das E-Werk zu tragen.

Unangenehme Überraschung bei den Aushubarbeiten

Sieht man von dieser "kleinen Zeitverzögerung" (Gresbach) ab, läuft alles nach Plan. Nachdem die Versorgungsleitungen tie­fergelegt worden sind, wird mit Erde, Kies und Schotter ein solider Unterbau für das Pflaster geschaffen, das dem Platz eine ganz neue Atmosphäre geben soll.

Verlegt wird graues Natursteinpflaster aus Portugal – die Arbeiten sollen in der Waldhornstraße bis Mitte Juni abgeschlossen sein. Anschließend werden die Absperrgitter verschoben, wird dann doch die andere Straßenseite in Angriff genommen. Die Zufahrt zur Tiefgarage wird aber auch danach möglich sein – dafür wird der Bereich mit dem dann neu verlegten Pflaster freigegeben. "Wir organisieren die Baustelle so, dass der Verkehr wenig beeinträchtigt wird und die Warenanlieferung zu den Geschäften möglich ist", erklärt Gresbach.

Die Baustelle in der Kreuzstraße wird in diesem Sommer "scheibchenweise" näher an den Storchenturm heranrücken, dessen Vorplatz im August mit dunkelgrauen Granitplatten neu gestaltet werden soll. Das Mäuerchen dort wird abgerissen. "Der Platz wird offener, großzügiger wirken", ist Gresbach von der Maßnahme überzeugt.

Der Bauingenier hebt bei der Baustellenführung für unsere Zeitung die historische Dimension der Sanierung hervor. Geht es doch nicht nur darum, der Kreuzstraße ein einheitliches Bild zu geben, die mit gepflasterten und asphaltierten Stellen zurzeit noch einem Flickenteppich gleicht. Der Clou an dem Konzept besteht vielmehr darin, dass, wie berichtet, die Umrisse der einstigen Lahrer Tiefburg und Stadtmauer im Straßenbild erkennbar werden: Nach Abschluss des Projekts sollen die Passanten in der Kreuz- und Marktstraße anhand von Pflasterbändern ausmachen können, wo einst die Wehrmauern standen.

Die rötlichen Pflasterstreifen, die quer über die Straße laufen werden, greifen den Farbton des Storchenturms auf, der bekanntlich einer von vier Ecktürmen der mittelalterlichen Tiefburg war. Für die Pflasterbänder werden die Sandsteinplatten verwendet, die bis vor wenigen Wochen noch im Innenhof des Storchenturms lagen. Dafür werden die Platten in kleinere Stücke zersägt.

Für Straßensanierung und Platzgestaltungen rechnet die Stadt mit Gesamtkosten von 1,43 Millionen Euro, wobei Fördergelder von 210 000 Euro erwartet werden. Der Aufwand lohnt sich allerdings, ist Gresbach überzeugt: "Die Aufenthaltsqualität wird steigen."

INFO

Historische Meile in Lahr

Als die Umgestaltung der Kreuzstraße im vergangenen November im Gemeinderat beschlossen wurde, war aus den Reihen der Fraktionen der Begriff der "historischen Meile" zu hören. Gemeint ist der Abschnitt zwischen dem Storchenturm und dem künftigen Stadtmuseum, das Ende Februar 2018 in der Tonofenfabrik eröffnet werden soll. Die Entfernung zwischen dem Lahrer Wahrzeichen und dem Museum beträgt zwar weit weniger als eine Meile, doch die Ratsmitglieder waren sich einig, dass das Areal es verdient, besonders ansprechend gestaltet zu werden: Das sei man der Stadt und ihrer Geschichte schuldig.

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