Niederschopfheim HGW Hofweier feiert Handballfest

Die rund 1300 Zuschauer in der Hohberghalle erlebten am Samstag ein Handballfest. Doch neben dem sportlichen gab es beim Besuch der Rhein-Neckar Löwen anlässlich von "90 Jahre Handball in Hofweier" auch zahlreiche Anekdoten am Rande.

Den Löwen fehlten mit Mads Mensah Larsen und Nationalspieler Steffen Fäth gleich zwei Hochkaräter auf der halblinken Position. Während der Däne die Reise in die Ortenau gar nicht erst angetreten hatte, reiste Fäth, wie auch der Rest des Teams, mit dem privaten PKW an. Für den Neuzugang, der in der letzten Saison noch zusammen mit dem Friesenheimer Frederik Simak bei den Füchsen Berlin aktiv war, war es der erste Abstecher in die Schwarzwaldregion. Der Nationalspieler hatte aufgrund einer Zerrung auf das Spiel verzichtet und war erst gestern wieder ins Training eingestiegen. Von seiner neuen Mannschaft schwärmt Fäth: "Zwei oder drei Mitspieler kannte ich ja schon. Aber auch der Rest des Teams hat mich wirklich gut aufgenommen", so der Europameister von 2016. Bei den Löwen freut sich der gebürtige Frankfurter neben den sportlichen Perspektiven vor allem über die Nähe seiner Wohnung zur Trainingshalle ("Das sind von meinem Ort aus nur zehn Autominuten") und zu seinem Elternhaus ("Das sind auch nur 100 Kilometer").  

> Alte Verbundenheit: Apropos Familie. Der Sportliche Leiter der Löwen, Oliver Roggisch, freute sich besonders über den Besuch in der alten Heimat und über die Stippvisite seiner Eltern in der Hohberghalle. "Meine Eltern wohnen ja immer noch in Schutterwald und mein Bruder in Offenburg", erklärte der Weltmeister von 2007 am Rande des Freundschaftsspiels. Mit HGW-Trainer Michael Bohn hatte Roggisch bis ins Jahr 2000 zusammen beim TuS Schutterwald gespielt, von wo aus seine große Karriere ihren Lauf nahm. "Mit Michael habe ich immer noch regelmäßig Kontakt per Telefon und Whatsapp. Er hatte mich vor einigen Monaten angerufen, um anzufragen, ob ein Testspiel gegen uns möglich sei. Wir wurden uns dann ganz schnell und völlig unkompliziert über die Konditionen einig."  

> Premiere mit 43: Ein weiterer ehemaliger Mitspieler des Team-Managers der deutschen Handballnationalmannschaft aus Schutterwälder Zeiten stand als Aktiver am Samstag noch immer auf der Platte: Torhüter Michael Knuth. Der 43-Jährige, der einst zusammen mit Roggisch in der Schutterwälder A-Jugend unterwegs war, machte gegen das Starensemble aus Mannheim eine überragende Partie.

Oliver Roggisch völlig ahnungslos

Der Routinier, zuletzt beim SC Ohlsbach in der Landesliga aktiv, strahlte nach dem Spiel über beide Ohren: "Es war ein Wahnsinnserlebnis. Dass ich mit 43 Jahren meine Premiere gegen einen Bundesligisten feiern darf, hätte ich nie gedacht." Noch immer verbindet den langjährigen Keeper des TuS Altenheim eine Freundschaft mit Roggisch: "Er hat trotzdem nicht gewusst, dass ich jetzt hier spiele", sagt Knuth über den Löwenmanager, der nach jeder Parade seines ehemaligen Mitspielers Augenkontakt suchte. "Heute Abend essen die Mannschaften zusammen. Nur schade, dass Olli gleich wieder fährt", so der Löwen-Fan Knuth, der selbst häufiger in der SAP-Arena zu Gast ist.

>  Ambitioniert: Ebenfalls bärenstark war der Einstand eines weiteren HGW-Neuzugangs: Linksaußen Philipp Kunde drehte vor allem in der zweiten Hälfte richtig auf und glänzte mit toller Technik und stolzen fünf Treffern. Der Ex-Spieler der U23 des Zweitligisten HSG Konstanz, der bereits als A-Jugendlicher 60 Tore als Aushilfe in der Oberliga erzielte, nötigte selbst den Bundesligaspielern Respekt ab. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Es ist ein absoluter Traum, dass so etwas gleich im ersten Spiel für die neue Mannschaft passiert. Noch dazu bei so einem Gegner und vor solch einer Kulisse", so der 20-Jährige, der mit Hofweier den Aufstieg in die Oberliga anpeilt. "Erst möchte ich aufsteigen. Und dann ist es mein Traum, eines Tages selbst in der 1. oder 2. Bundesliga zu spielen, wo ich dann hoffentlich noch häufig auf solch einen Gegner treffe." In der ersten Halbzeit zeigte der 20-Jährige besonderen Einsatz, als er kurzerhand unter die Tribüne krabbelte, um den Spielball zu holen.  

> Riesenerlebnis: Kundes Trainer Michael Bohn war jedenfalls voll des Lobes ob der herausragenden Leistung seines Linksaußens: "Das hat er wirklich gut gemacht. Da waren ein paar technisch anspruchsvolle Tore dabei." Bohn analysierte das Spiel nur wenige Minuten nach dem Abpfiff gewohnt nüchtern: "Insgesamt haben wir es ganz ordentlich gemacht, auch wenn ein paar technische Fehler zu viel dabei waren. Für die Jungs war es auf jeden Fall ein Riesenerlebnis." Vorwürfe will der Trainer seinen Spielern, die sich durch die Bank gut verkauften, trotz der hohen 16:52-Pleite nicht machen: "Wir waren ja immer dran an den Kreisläufern. Aber dran sein reicht gegen so körperlich starke Leute wie Nielsen oder Kohlbacher nicht, denn wir konnten sie einfach nicht halten."

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