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Lahr Hetzkampagne im Internet

Kämpfen gegen schlimme und frei erfundene Vorwürfe: Anwalt Matthias May aus Lahr und sein Mandant Maher Khalaf, dem im Internet böse mitgespielt wurde. Foto: Jähne

Ein Geschäftsmann aus Lahr kämpft um seinen guten Ruf, nachdem ihm im Internet Kindesentführung und Vergewaltigung vorgeworfen wurde. Ohne jeden realen Hintergrund. Der Mann versucht nun rechtlich, diese böse Hetzkampagne zu stoppen.

 

Lahr. Es ist eine brutale Geschichte, die da kurzzeitig im Internet kursierte und sich über die sozialen Netzwerke wie Facebook& Co. rasch verbreitet hat: Ein 14-jähriges Mädchen aus Lahr soll auf dem Heimweg von der Schule nach Hause entführt worden sein. Von einem Vergewaltiger, der sich an Kindern vergeht und der sich noch auf der Flucht befinden soll. Unter dieser kurzen und unzweideutigen Nachricht war das Foto des Mannes abgebildet. Das Foto des Lahrers Maher Khalaf, der eine Shisha-Bar in Ichenheim betreibt.

Was da gepostet wurde, klingt grauenhaft, ist aber frei erfunden. Nichts davon ist wahr, versichert der Anwalt des Geschädigten, Matthias May aus Lahr. Es gab weder eine Entführung, noch eine Flucht und geschweige denn eine Kindesvergewaltigung.

"Das Ganze ist eine richtig üble Rufmordgeschichte, um mein Ansehen zu ruinieren und mich geschäftlich wie privat zu schädigen", gibt Maher Khalaf zu verstehen. Mit Hilfe seines Rechtsbeistands will er nun den Internet-Übeltäter zur Rechenschaft ziehen.

Die Vorgeschichte dieses abstrusen Falles: Khalaf vermietete einer Verwandten des mutmaßlichen Facebook-Posters eine Wohnung. Doch die Mieterin geriet in Zahlungsschwierigkeiten und hatte zuletzt drei Monatsmieten ausstehen, schildert der Geschäftsmann. "Daraufhin sah ich mich gezwungen, die Mieterin rauzuschmeißen, woraufhin eine böswillig Racheaktion gegen mich gestartet wurde", sagt er.

Khalaf und der Mann, der die Internet-Kampagne gegen ihn losgetreten haben soll, sind sich nach Angabe des Lahrers persönlich nie begegnet. Der Mann machte jedoch auf seiner Facebook-Seite neben privaten Fotos von Khalaf auch besagten Text publik, in dem der Lahrer der Vergewaltigung und der Entführung einer 14-Jährigen beschuldigt wurde. Die Internet-Einträge mit Bildern und Text liegen unserer Redaktion vor.

Eine Veröffentlichung mit Folgen, wie Strafrechtsanwalt Matthias May erklärt: "Neben den Umsatzeinbußen von bis zu 50 Prozent in der Shisha-Bar meines Mandaten werden auch dessen Kinder regelmäßig in der Schule gemobbt und gehänselt." Denn die brutalen Vorwürfe hätten sich natürlich in Windeseile im Netz verbreitet gehabt. Zwar gebe es viele Bekannte, die auf das Gerücht nichts geben würden. Anderen sei leider "selbst das Absurdeste nicht absurd genug. Sie sind bereit, wirklich jeden groben Unfug zu glauben", schimpft Anwalt May. "Über Smartphone-Anwendungen wie etwa WhatsApp verbreiten sich Neuigkeiten, aber auch Gerüchte wie ein Lauffeuer", weiß May.

Der Absender der bösen Behauptungen soll vor Gericht gebracht werden

Die brutalen und frei erfundenen Internet-Nachrichten sind zwischenzeitlich schon wieder von der Facebook-Seite verschwunden. Der Lahrer Anwalt versucht aber trotzdem, den Absender dieser Botschaft vor den Kadi zu ziehen. Dort hätte dieser mindestens mit einer Geldstrafe zu rechnen, je nach Vorstrafenregister vielleicht auch mit einer Freiheitsstrafe auf Bewährung, schätzt der Rechtsbeistand des geschädigten Lahrers.

Die Polizei ist in den Fall der Rufschädigung bereits eingeschaltet. Dort sind die Ermittlungen aber noch nicht abgeschlossen, war auf Nachfrage bei der Polizei zu erfahren. Einen Zwischenstand, der veröffentlicht werden könnte, gebe es derzeit noch nicht, hieß es auf Nachhaken unserer Redaktion. Laut Rechtsanwalt May hält sich der Gesuchte offenbar im süddeutschen Raum auf.

Von Facebook, der Internet-Plattform mit Sitz in den USA, erwarten sich der Lahrer Anwalt und sein Mandant keine Unterstützung. "Leider ist eine Gegenanzeige in Facebook wirkungslos", erklärt er. "Zu unserem Bedauern hat Facebook bis heute keine Anlaufstelle, an die sich betroffene Benutzer direkt und telefonisch wenden können." Hier sei es dringend an den deutschen Politikern, diesem Zustand Abhilfe zu schaffen. Die Plattform ist aus Sicht Mays "immer noch ein rechtsfreier Raum". Die Polizei, so war zu erfahren, soll in der Lahrer Sache mit Facebook in Kontakt stehen. Doch wie genau und mit welchen Möglichkeiten, das bleibt unklar: Ermittlergeheimnis.

 INFO

Internet-Tipps

Wer selbst von Hasspostings oder Internet-Mobbing betroffen ist, der sollte folgende allgemeine Tipps zur effektiven Gegenwehr beachten:

> Vertraute informieren: Vertrauenspersonen wie Eltern, Partner, Bekannte und Kollegen, die mit Rat und Tat zur Seite stehen und/oder als Zeugen fungieren können, rasch einschalten.

> Beweismaterial sammeln: Seiten mit belastendem Material abfotografieren, Bilder und Texte entsprechend speichern.

> Polizei einschalten: Bei schwerwiegenden Vergehen umgehend die Polizei verständigen, um Anzeige zu erstatten.

> Daten hüten:  Generell sollten so wenig wie möglich private Bilder und persönliche Daten (Adresse, Telefonnummer etc.) im Netz veröffentlicht werden, um keine Angriffsflächen zu bieten.

> Hilfe aus dem Netz: Weitere Anlaufstellen mit Tipps und Hinweisen zu diesem Thema gibt es im Internet unter www.buendnis-gegen-cybermobbing.de oder www.cybermobbing-hilfe.de.

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