Lahr Parteitag: Herrenknecht wirft AfD aus seinem Hotel

 Foto: Braun

Schwanau/Offenburg - Gäste des AfD-Parteitags in Offenburg dürfen nicht im Hotel des Schwanauer Unternehmers Martin Herrenknecht nächtigen. Als der CDU-Mann durch die Lahrer Zeitung von der Buchung in seinem Haus erfuhr, reagierte er sofort und warf die AfDler raus.

Ruhe im Hotel vorbei

Wer sich im Drei-Sterne-Hotel Schwanau ein Zimmer bucht, bekommt im hoteleigenen Werbetext das Versprechen, dort Ruhe genießen zu können. Doch von Ruhe ist man in diesem 28-Zimmer-Haus derzeit weit entfernt. Eine ganz spezielle Buchung sorgt im Hotel und vor allem nur ein paar Meter weiter, in der benachbarten Konzernzentrale des Tunnelbohrherstellers Martin Herrenknecht, für erhebliche Unruhe.

Wie kam alles ins Rollen?

Die Lahrer Zeitung konfrontierte Martin Herrenknecht mit Informationen der Redaktion, wonach die AfD sich im Hotel Schwanau für den Bundesparteitag einquartiert hatte.

Am Mittwoch kam die Antwort: Der CDU-Mann distanziert sich von der AfD und reagiert in aller Deutlichkeit.

Was plant die AfD?

Die AfD hält auf der Messe ihren Bundesparteitag ab, am 25. und 26. April. 600 Delegierte werden erwartet, plus Hunderte Helfer.

Die Partei will Sozialfragen diskutieren. Erwartet werden die Bundesspitze der Partei und auch der rechtsextreme Flügel der AfD mit ihrem Scharfmacher Björn Höcke aus Thüringen.

Was ist in Offenburg los?

Gegen das AfD-Treffen rührt sich breiter Widerstand, weit über Offenburg hinaus. Tausende Demonstranten werden aus der ganzen Republik erwartet.

Mit Aktionen soll vehement gegen die Partei Stimmung gemacht werden. Möglicherweise auch vor Einrichtungen, in denen die AfDler beherbergt werden.

Wer hätte in Schwanau übernachten sollen?

Das ist unklar. Weder über die Zahl der AfD-Gäste noch über Personen ist etwas zu erfahren.

Das Bundeskriminalamt (BKA) kümmert sich nach Informationen der LZ um die Sicherheit und die Unterbringung der AfD-Gäste. Hotels mussten Grundrisse und Pläne vorlegen. Das BKA hat Hoteliers vorgeschrieben, nicht mit der Presse zu sprechen.

Wusste Martin Herrenknecht vom AfD-Besuch in seinem Hotel?

Nein. "Martin Herrenknecht ist Teilhaber des Hotels und in das operative Geschäft nicht eingebunden. Daher informiert ihn das Management des Hotels auch nicht über Buchungen, auch nicht über eine Buchung der AfD", heißt es in einer Stellungnahme.

Wie reagierte er?

Als Martin Herrenknecht über die LZ-Redaktion von der Buchung erfuhr, handelte er sofort."

Er hat in Abstimmung mit dem weiteren Teilhaber des Hotels die Lösung von der Reservierung und die Kündigung des Vertrages durch das Hotel Schwanau gegenüber der AfD veranlasst", teilt sein Sprecher gegenüber der LZ weiter mit.

Weshalb ist die AfD-Buchung politisch so heikel?

Die CDU ringt aktuell bundesweit um ihren Kurs gegenüber der rechtspopulistischen AfD. Es gibt eine klare CDU-Beschlusslage, mit ihr nicht zu kooperieren. Doch dies wird derzeit stark diskutiert. Teile der CDU sehen sich nicht so weit von der AfD entfernt, etwa die Werteunion. In dieser Stimmung wird genau beäugt, welcher CDUler sich wie verhält.

Wo steht Herrenknecht?

Er ist seit gut 40 Jahren CDU-Mitglied. Er hat Kontakt zu den führenden Köpfen der Partei und bekennt sich klar zur Partei. Sogar Kanzlerin Merkel hat ihn jüngst in Schwanau besucht. Herrenknecht ist überdies glühender Merz-Fan. Der 77-Jährige kann "mit der Programmatik der AfD nichts anfangen und hat sich auch öffentlich von der Partei mehrmals distanziert", heißt es seitens der Herrenknecht-Pressestelle.

Weshalb warf Herrenknecht die AfD raus?

Vor allem aus besagten politischen Gründen. "Außerdem will er als verantwortungsvoller Unternehmer seinen Mitarbeitern, Kunden und Gästen keine Gefährdungs- oder Bedrohungslagen zumuten, die im Zusammenhang mit einer politischen Veranstaltung der AfD nicht ausgeschlossen werden können", teilt er mit.

Geht ein Rauswurf überhaupt so einfach?

Nein. Alexander Hangleiter als Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Freiburg verweist grundsätzlich auf entsprechende Urteile. "Verträge sind einzuhalten", von beiden Seiten, sagt er. Doch es gebe Ausnahmen. Möglicherweise drohe Schadenersatz. Herrenknecht hat den Fall und "sämtliche juristischen Umstände geprüft", teilt er mit. Weiter äußert er sich dazu nicht.

Was sagt die AfD?

Nichts. Über die Unterbringung ihrer Gäste für Offenburg gebe es keine Auskünfte, heißt es auf LZ-Nachfrage aus der Parteizentrale in Berlin. Wie aber mit wenig Mühe online herauszufinden ist, sind die großen Offenburger Hotels für das Wochenende schon ausgebucht.

Was sagt die Polizei?

Auch nichts. Bei ihr laufen umfangreiche Planungen für den Großeinsatz im April. Details soll es in einiger Zeit geben, teilt das Offenburger Polizeipräsidium mit. Nach Informationen unserer Redaktion werden jedoch bis zu 2000 Polizisten für das AfD-Wochenende angefordert.

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