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Lahr "Hat in Lahr nichts zu suchen"

Lahr (red/sl). Das Schweizer Rüstungs-Unternehmen Saltech plant, wie berichtet, im Westteil des Lahrer Industrie- und Gewerbezentrums eine Munitionsfabrik zu errichten. Nach der Sommerpause wird der Gemeinderat über dieses Ansinnen entscheiden. Nachdem bereits die SPD-Fraktion angekündigt hat, gegen die Ansiedlung zu votieren, kündigen nun auch die Grünen ihren Widerstand an.

 

"Vorstand und Fraktion der Lahrer Grünen sind sich einig: eine Rüstungsfabrik hat im friedlichen Lahr nichts zu suchen", heißt es in einer Pressemitteilung. Saltech gehe es nicht um Munition für Polizei und Bundeswehr, der Konzern wolle vielmehr seine Produktion nach Deutschland ausdehnen, um besser im internationalen Waffenhandel mitmischen zu können.

Im Rahmen der Konversion des Flugplatzareals begrüßen die Grünen die Ansiedlung von Industriebetrieben. Dass es neben den bereits angesiedelten Logistikunternehmen auch produzierende und somit wertschöpfende Betriebe geben müsse, würde man seit Langem fordern.

Zwar sei Saltech ein Unternehmen im Bereich der feinmechanischen Industrie und somit auf den ersten Blick ein guter Interessent. Hier gebe es oft auch, neben Fertigungsrobotern, einige gutbezahlte, spezialisierte Arbeitsplätze.

Munition findet auch in Krisenregionen Einsatz

"Allerdings soll in der Fa­brik nicht nur – wie vorgegeben wird – Munition für die Bundeswehr und die deutsche Polizei hergestellt werden." Vielmehr biete Saltech auch Munition für Sturmgewehre und Maschinen- und Scharfschützengewehre an. Munition für Waffen, die ihren Einsatz in Krisenregionen weltweit finde. Nach Angaben des Vorsitzenden des Rüstungsinformationsbüros Jürgen Grässlin würden die meisten Menschen weltweit durch klein- bis mittelkalibrige Waffen sterben, deren Nachschub in Lahr produziert werden könne.

Eine Überwachung durch staatliche Stellen sei bei einem internationalen Konzern wie Saltech mit Tochterunternehmen in vielen Ländern nicht zu gewährleisten. Die Grünen lehnen daher den Bau einer Munitionsfabrik in Lahr ab. Lahr dürfe getrost und traditionell alemannisch "Nai sage" zu solch einem Ansinnen, so Matthias Biegert, Vorstandssprecher des Grünen-Ortsverbands.

Dass es ohne Saltech der deutschen Polizei und der Bundeswehr an Munition fehle, sei ein absurdes Argument, das von den Befürwortern der Ansiedlung wider besseres Wissen vorgeschoben werde. Polizei und Bundeswehr könnten schon jetzt unter mehreren Anbietern von Munition auswählen. Lahr und der Zweckverband seien seit der Ansiedlung von Zalando in einer Situation, in der nicht mehr jeder Interessent genommen werden müsse, so Stadtrat Sven Täubert. Außerdem könne die Ansiedlung einer Munitionsfabrik auch negative Auswirkungen auf künftige Ansiedlungen haben.

"Lahr als Stadt mit 100 Jahren Militärgeschichte hat sich erfolgreich zu einer Stadt des Friedens mit internationaler Bevölkerung gewandelt. Hier hat eine todbringende Munitionsfabrik keinen Platz", betont Vorstandssprecherin Ka­trin Kopp.

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