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Lahr "Groove-Lab": eine Art offenes Atelier

Ungezwungene Atmosphäre, gute Ergebnisse: Musikschulleiter Tobias Meinen (Mitte) sowie die Lehrer Florian Schmid (links) und Andreas Kopfmann machen im "Groove-Lab" auch selbst gerne Musik. Foto: Hüve

Im Juni 2016 starteten Musikschulleiter Tobias Meinen sowie die Lehrer Andreas Kopfmann und Florian Schmid mit "Groove-Lab" ein in Deutschland neues Unterrichtskonzept. Am Donnerstag berichteten sie von ihren Erfahrungen.

 

Lahr. "Groove-Lab" ist ein Konzept für den Gruppenunterricht im Popularbereich. "In Gleitzeit lernen die Schüler gemeinsam und einzeln mit verschiedenen Materialien und I-Pads unter Anleitung von Lehrkräften. Die didaktische und pädagogische Struktur sowie die neu geschaffenen Räume und die bereitstehende Technik ermöglichen eine motivierende, kreative und nachhaltige Beschäftigung mit Musik", wirbt die Musikschule.

Meinen beschreibt das "Groove-Lab" als eine Art offenes Atelier, das Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren aufsuchen. Auch die Jüngsten machen mit: Bei "Groove-Lab-Kids" starten Kinder mit fünf Jahren. Derzeit sind etwa 100 Teilnehmer angemeldet. Die Kinder können an mehreren Instrumenten spielen und tragen dabei Kopfhörer, um sich nicht gegenseitig zu stören. Im "Groove-Lab" beginnen Schüler mit Instrumenten wie Schlagzeug, E-Bass, E-Gitarre und Klavier. Begleitet und unterstützt werden sie dabei von zwei bis drei Lehrern. Möchte ein Schüler seine Fähigkeiten steigern, kann er Einzelunterricht aufnehmen. Das "Groove-Lab" bietet den Schülern zudem ein digitales Lernumfeld mithilfe von Apps, die auch zu Hause genutzt werden können.

Der Popularbereich legt diese Arbeitsweise nahe: Es gehe um Improvisation und gemeinsames Spielen. "Es ist Musik, die jeder nutzen kann", sagt Kopfmann. Beim "Groove-Lab" werde die Basis der Pop-Musik abgedeckt, aber auch Pop-Kultur vermittelt, erzählt Schmid. "Die Kids können sich wie ein Rockstar fühlen", erklärt der Lehrer bezogen auf Auftritte, die im Schlachthof zustande kommen. Die Lehrkräfte seien Lernbegleiter. Es fände kein Frontalunterricht statt. Kopfmann meint: "Wir wollen das, was für die Kinder funktioniert, unterstützen. Die Schüler bestimmen ihr eigenes Lerntempo." Meinen ergänzt, dass Lernen so im sozialen Kontext, aber dennoch individualisierten Unterricht stattfinde. Die Erfahrung zeige, dass Schüler freiwillig bis zu fünf Stunden bleiben würden und die Zeit vergessen.

Die Grundidee hatten die Lehrer bereits 2012. Anlass für die Überlegungen zum "Groove-Lab" war, den Unterricht im Popular-Bereich zu verbessern. Meinen ist überzeugt: "Gruppenunterricht ist besser für die Schüler." Schmid ergänzt, dass die Rollen von Lehrern und Schülern neu definiert werden. Diese Ansätze stammen aus der Montessori-Pädagogik, in deren Bereich Kopfmann sich auch weitergebildet hat. Die Schüler profitieren von diesem neuen Verständnis und seien motivierter, bekräftigt Schmid. Eine Herausforderung sei es, dass die Kinder selbstständiger arbeiten müssen. "Aber die Kids ziehen Sachen durch, weil es von ihnen selbst kommt", betont Kopfmann. Das Auflösen der festen Zeiten sei laut Schmid ein weiterer Vorteil. Schnupperstunden könnten integriert werden. Zu dritt haben Meinen und seine Kollegen das Projekt begonnen, es sollen aber weitere Lehrkräfte folgen, um das Angebot des "Groove-Lab" zu erweitern.

INFO

Termine

Von 14 bis 18 Uhr können die Kinder montags bis donnerstags im "Groove-Lab" lernen. Der Freitag soll folgen. Von 18 bis 19 Uhr proben Gruppen und Bands. Die Kosten betragen 89 Euro pro Monat.

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