Lahr Gemeinschaft geht durch den Magen

Gemeinsam werden zunächst die Kartoffeln für die Suppe geschält. Foto: Breuer Foto: Lahrer Zeitung

Die Nachbarschaftshilfe Lahr bietet täglich eine Seniorenkochgruppe an und betreut auf diese Weise ältere Menschen über eine Zeit von vier Stunden. Wir haben eine solche Kochgruppe besucht.

Lahr. Es ist kurz nach zehn am Dienstagmorgen. An einem langen Tisch im großen Ess- und Beschäftigungszimmer der Nachbarschaftshilfe in der Kaiserstraße sitzen Krimhilde Kaminski (85), Thekla Zipf (87), Jenny Müller (89), Ewald Seiler (68), Margarethe Greulich (97), Lotte Steiert (86) und Erika Alexander (88), die Schwester des verstorbenen Alt-OB Philipp Brucker. Auf einem Tisch am Fenster steht das Geschirr fürs Mittagessen bereit.

Die Senioren leben alle noch in ihren eigenen Wohnungen und kommen jeden Dienstag, manche auch noch an anderen Tagen, in die Kochgruppe. Warum? Weil es Spaß macht, weil es hier immer lustig ist und weil sie die Gemeinschaft genießen, sagen sie im Gespräch. Zu Hause kochen sie zwar noch selbst. Aber alleine ist das dann auf Dauer doch zu langweilig.

Gemeinschaftlich wird auch als Erstes gekocht. Heute soll es eine Kartoffelsuppe, Frikadellen mit Erbsen, Möhren, gebackenen Kartoffelschnitzen und Salat und zum Dessert eine Erdbeer-Biskuitrolle geben. Da gibt es ganz schön viel zu tun. Die Tagesgäste schälen und schnippeln eifrig Kartoffeln, wobei sich herausstellt, nicht jeder kann mit jedem Kartoffelschäler arbeiten. Dann heißt es noch Möhren klein schneiden und schon sind die Vorbereitungen abgeschlossen. Rita Siefert und Simone Glaser helfen, wo Hilfe benötigt wird, fegen noch schnell den Boden und wischen den Tisch ab.

Während Annerose Stephan in der Küche die Frikadellen in der Pfanne wendet, geht es draußen mit Gymnastik weiter.

Vor dem Essen wird Sport gemacht

Die Hände werden nach vorne gestreckt, gekreuzt und gedreht, an die Schultern gelegt, um diese kreisen zu lassen. Die Senioren machen die Übungen begeistert mit. Sie freuen sich schon auf das, was danach kommt: Bingo spielen. "Ich habe das Spiel irgendwann gekauft, um es vorzustellen und seither ist das der Renner", sagt die hauptamtliche Alltagsbegleiterin.

Konzentriert suchen die alten Herrschaften die von Glaser ausgerufene Nummer auf ihren Spielbrettern. Wer die Zahl hat, belegt sie mit einem roten Spielstein. Margarethe Greulich, die Älteste im Bunde, ist so schnell, dass sie ihrem Nachbarn beim Suchen hilft. Der Jubel ist groß, als sie ihr Spielfeld als Erste gefüllt hat.

Mittlerweile ist es zwölf Uhr. Jetzt freuen sich alle auf den Höhepunkt: das Mittagessen. Sowohl für die Kartoffelsuppe als auch für das Hauptgericht heimst Annerose Stephan, die, wie ihre beiden Kolleginnen mit am Tisch sitzt und isst, nur Lob ein. Kein Wunder. Die 68-Jährige ist ausgebildete Köchin. Die ehrenamtliche Arbeit mache ihr nicht nur Spaß sie halte sie auch jung, sagt Stephan. Um Platz zu schaffen für das Dessert, geht es nach dem Essen zum Verdauungsspaziergang mit den im Eingang geparkten Rollatoren durch die Stadt.

Die Nachbarschaftshilfe bietet den Mittagstisch von Montag bis Freitag an. Sieben bis zehn Teilnehmer sind es im Schnitt, die sich vom Kleinbus abholen lassen, gemeinsam kochen und essen und dann um 14 Uhr wieder nach Hause gefahren werden. Die Teilnahme kostet 45 Euro pro Tag und kann im Rahmen der Verhinderungspflege mit der Pflegekasse abgerechnet werden. Im Preis inbegriffen sind die Fahrtkosten, das Dreigänge-Menü und die Betreuung von zehn bis 14 Uhr. In den Kochgruppen sind noch Plätze frei. Auch werden weiter ehrenamtliche Helfer gesucht. Weitere Infos gibt es unter Telefon 07821/3 70 20 oder im Internet unter www.nbh-lahr.de.

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