Lahr Gegen Ausgrenzung und Abschottung

Preisübergabe (von links): Gerhard Silberer (Stiftung Bürger für Lahr), Cosima Lipps, Charlotte Verrel-Benecke, Heimfried Furrer (Freundeskreis), Christoph Schalk, Heinz Siebold und Jürgen Schmidt (Stiftung)                                                                                                                                                                                         Foto: Breuer Foto: Lahrer Zeitung

Von Christine Breuer

Lahr. Die Stiftung Bürger für Lahr, die alle zwei Jahre einen Preis auslobt, hat sich in diesem Jahr für ein soziales Projekt entschieden. Der mit 3000 Euro dotierte Bürgerpreis ging an den Freundeskreis Flüchtlinge.

Als große Ehre bezeichnete Heimfried Furrer, Vorsitzender des Freundeskreises, die Auszeichnung. "Wir fühlen uns geehrt, weil unsere Arbeit für die rund 250 Flüchtlinge in Lahr als wichtiger Beitrag bürgerschaftlichen Engagements anerkannt wird", sagte Furrer im Namen der rund 100 Ehrenamtlichen, die die Asylsuchenden aus 20 Nationen als Deutschlehrer, Paten, Dolmetscher, Projektleitern und Helfern in verschiedensten Bereichen unterstützen. "Der Preis erteilt denjenigen eine Absage, die für Ausgrenzung und Abschottung, Ausländerfeindlichkeit und nationalen Chauvinismus stehen." Diese Menschen kämpften gegen die Interessen der Gesellschaft und beschädigten diese.

Die Flüchtlinge nach Religionen und Nationalitäten getrennt unterzubringen, halte er für ausgesprochen kontraproduktiv und für schlichten Populismus. Furrer nutzte die Gelegenheit, den Ortenaukreis öffentlich um mehr Unterstützung zu bitten. Es fehlten Räume und Sozialarbeiter. "Wann erscheint einmal ein Verantwortlicher hier bei uns, um uns zu informieren, uns anzuhören, sich mit unseren Bitten und Anregungen auseinanderzusetzen?", fragte er in Richtung Michael Loritz, der zuständige Dezernent des Ortenaukreises, der unter den Gästen war. "Wir wünschen uns eine offene Gesprächskultur auf Augenhöhe."

Die Laudatio auf den Freundeskreis hielt Heinz Sieburg, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Bürger für Lahr. Er bezeichnete das Engagement des Freundeskreises als "selbstlos und in hohem Maß verdienstvoll". Die Mitglieder lebten nach den höchsten Werten der Gesellschaft und nach der Devise: Jetzt hilft nur noch helfen.

Unterstützung aus der Bevölkerung

"Es behauptet keiner, dass es einfach ist, Flüchtlinge aufzunehmen. Es gibt eine Fülle von Problemen, und wir stehen erst am Anfang. Und es gibt keine bessere Möglichkeit, als vor Ort zu helfen." Deutschland stehe vor einer Herausforderung, die es so noch nicht erlebt habe.

Der Freundeskreis fühle den Puls der Bevölkerung, lobte Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller die Preisträger. Doch das Engagement habe nicht erst an diesem Abend begonnen. Der Preis sei dem Verein schon vor Wochen zugedacht worden, als die Flüchtlingsdramatik noch nicht so brisant gewesen sei. "Die Kanzlerin ist nicht vor Ort, wo die Musik spielt. Das sind nur die Bürger", so der OB. Und "es wird noch Jahre dauern, bis sich alle integriert haben". Bei den Aussiedlern habe es 25 Jahre in Anspruch genommen, bis ein Erfolg sichtbar geworden sei.

Der Kreis stehe vor bisher nicht gekannten Herausforderungen, sagte Loritz. Allein im Oktober seien bisher 825 Menschen untergebracht worden, bis Ende des Jahres sollen es weitere 2200 sein. "Die Betreuung der Flüchtlinge geht nicht ohne Unterstützung aus der Bürgerschaft. Wir sind froh, dass die Zivilgesellschaft einspringt. Der Preis ist in jedem Fall verdient."

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