Bausünden, wilde Hütten und Stacheldraht "Galgenberg darf nicht zum Slum werden"

Thorsten Mühl
Die Lahrer SPD machte sich bei ihrer Sommeraktion ein Bild von den Zuständen auf dem Mietersheimer Berg. Foto: Mühl

Mietersheim - Bausünden, wilder Hüttenbau und andere "Auswüchse" am Galgenberg beschäftigen Mietersheims Ortschaftsrat, Jäger und Winzer schon lange. Das Thema stand bei der Sommeraktion der SPD im Mittelpunkt.

Mark Rinders-pacher, Vorsitzender des SPD Lahr, wünscht sich eine einheitliche Lösung. Das Thema betreffe mehrere Stadtteile, zum Beispiel auch Hugsweier oder Sulz. Landwirtschaft, Kleingärten, Hüttenbau, Tierhaltung, vor allem aber massive Stacheldraht-Verhaue und ähnliche Auswüsche prägten das Bild auf dem Berg, erläuterte Ortsvorsteherin Diana Frei bei der Aktion am Donnerstag.

"Hier kommen viele verschiedene Interessen zusammen. Problematisch ist, dass es sich um landwirtschaftliche Flächen handelt, die Überhand nehmende Kleingarten-Kultur den Landwirten aber Probleme bereitet. Dazu kommt die erschwerte Situation für Wildtiere, die sich beispielsweise im Stacheldraht verfangen und qualvoll verenden", so Frei. Priorität für Mietersheim habe, sämtliche Eigentümer am Berg schriftlich über die geltende Rechtslage aufzuklären. Weiteres Ziel ist der Rückbau von Zäunen, vor allem von Stacheldraht, laut Frei "ein absolutes No-Go".

Ordnungsamtsleiterin Lucia Vogt sagte, dass am Mietersheimer Berg im Außenbereich über Jahre hinweg vieles entstanden sei, was so nicht zulässig sei. Die Stadt wolle eine Konzeption erstellen, die alle Stadtteile einschließe. Sie gab aber auch zu verstehen: "Derzeit sind viele Bauvorhaben in der Stadt am Werden, sodass Prioritäten gesetzt werden müssen." Eine personelle Verstärkung werde wohl nicht zu umgehen sein.

"Von städtischer Seite ist 50 Jahre geschlampt worden"

Bürgermeister Tilman Petters ergänzte, Objekte, die nicht privilegiert seien – zum Beispiel land- oder forstwirtschaftlich – unterlägen Einzelfall-Prüfung.

Die Thematik habe sich verselbstständigt, unter anderem auch wegen einer unklaren Rechtslage. In manchen Landkreisen werde etwa Imkerei im Außenbereich untersagt, in manchen nicht. Kleingärten seien "keine Nutzung im Außenbereich", Zäune und Stacheldraht kollidierten mit den Belangen der Jagdpacht, so Petters.

Stadtrat Walter Caroli forderte die Verwaltung gerade bei den wilden Hütten und Stacheldraht-Verhauen zu einem "rigorosen Vorgehen" auf. Stadtrat Hermann Kleinschmidt formulierte in Richtung Verwaltung provokativ: "Von städtischer Seite ist 50 Jahre geschlampt worden, Dinge haben sich eingeschliffen. Wenn man hier jetzt tätig wird, wird es nicht ohne Ärger ablaufen." Den Vorwurf ließ Vogt nicht gelten. Der Bauaufseher sei unterwegs, es habe auch schon Rückbauten gegeben. Doch eine flächendeckende Kontrolle sei mit dem bestehenden Personal derzeit nicht leistbar, sagte die Amtsleiterin.

Naherholung

Jagdpächter David Geißel und Winzer Harald Pfaff setzen sich dafür ein, das öffentliche Bewusstsein für Mietersheims Naherholungsgebiet am Berg zu schärfen. "Es tut weh zu sehen, wie das Revier verkommt", so Geißel. Die Probleme seien in den Griff zu bekommen, müssten aber endlich konsequent angegangen werden, wenn der Berg nicht zu "den Slums von Mietersheim" werden sollten. Geißel versteht nicht, dass politisch lange gezögert werde, "wenn am Berg doch ganz klar gegen geltende Gesetze verstoßen wird".

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