Lahr FVL träumt trotz Rumpelplatz vom Aufstieg

Der Bezirksligist FV Langengwinkel kämpft derzeit mehr mit den katastrophalen Platzverhältnissen als mit seinen Gegnern. Denn während es sportlich rund läuft, gibt es in Sachen Spielfeld noch deutlich Nachholbedarf. Aber die Gespräche laufen.

Der Fotograf war augenscheinlich ein alter Hase. Mitte November hatte er sich in die alten Gummistiefel gezwängt und auf den Weg nach Langenwinkel gemacht, um ein paar Bilder vom Spiel des FV gegen Ettenheim zu schießen. Der Mann kannte offensichtlich seine Pappenheimer. Denn das Spielfeld des Lahrer Vorstadtvereins am Limbruchmattenweg hatte eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Acker, der dem Sportplatz gegenüber liegt. Der Untergrund war schlichtweg feucht und matschig. Das Resultat: Rumpelfußball statt spielerischer Finessen, wie sie die technisch versierten FV-Spieler vor allem bei Auswärtsspielen so gerne zeigen.

Bereits seit Ende Dezember verhandelt Bezirksliga-Aufsteiger FV Langenwinkel mit der Stadt darum, dass seine Kicker endlich ein Grün erhalten, was den Namen auch verdient. Bisher allerdings vergeblich. An vorderster Front des Kampfes steht Sportvorstand Anton Dahinten. "Durch die fehlende Drainage sinkt die Feuchtigkeit nie ab", umreißt Dahinten die Problematik. Auf Facebook postete der 44-Jährige in der Winterpause fleißig Bilder von Trainingseinheiten seiner Mannschaft auf den Anlagen der Konkurrenten in Sulz oder Oberschopfheim, wo der FV aufgrund der katastrophalen Platzverhältnisse in Langenwinkel hatte ausweichen müssen. Auf einem solch gepflegten Platz würde Dahinten auch gerne einmal in seiner Gemeinde zu einem Heimspiel antreten: "Wenn man Besuch bekommt, will man den doch auch ordentlich empfangen. Also nicht auf Paletten, sondern auf einem bequemen Sofa", sagt der FV-Tausendsassa, der sich bei seinem Klub um so ziemlich alles kümmert was anfällt und sogar zwischenzeitlich als Interimstrainer einsprang. "Ein Kunstrasenplatz wäre schön", gesteht Dahinten auch mit Blick auf den möglichen Aufstieg in die Landesliga. Den Tennisplatz hinter dem eigenen Sportplatz hätte sich der Verein für seinen neuen, zweiten, Platz bereits ausgeguckt. Derzeit laufen die Verhandlungen mit dem Betreiber. Aber auch einen Umzug weg aus Langenwinkel könnte sich Dahinten zur Not vorstellen. Der FV Langenwinkel in Niederschopfheim oder Sulz? "Ideal wäre es natürlich hier bei uns, denn die ständige Fahrerei kann ich meinen Spielern schließlich nicht zumuten." Es habe bereits mehrere Gespräche mit Guido Schöneboom, Erster Bürgermeister der Stadt Lahr sowie Ortsvorsteherin Annerose Deusch (Freie Wähler) gegeben, erklärt Dahinten im Gespräch mit der Lahrer Zeitung, jedoch "nichts konkretes". Dahinten kann dabei durchaus nachvollziehen, warum der Stadt die Entscheidungsfindung in Sachen neuer Platz so schwerfällt: "Es handelt sich um ein ehemaliges Sumpfgebiet, deshalb sind Aussagen schwierig", so der Sportvorstand.

"Es ist klar, dass der Platz nicht im besten Zustand ist", gesteht auch Ortsvorsteherin Deusch ein. "Und wir können nicht abstreiten, dass es dort nass ist." Jedoch wolle Deusch zunächst einmal die Gespräche mit dem Verein und der Stadt abwarten, bevor "irgendwelche Erwartungen geschürt werden, die ich vielleicht nicht erfüllen kann." Ähnlich vage drückt sich Deuschs Kollege Schöneboom aus. "Es werden so schon zu viele Nebelkerzen drumherum gezündet, da wollen wir uns nicht auch noch an den Spekulationen beteiligen." Zwar sei auch der Stadt die Entwicklung des Vereins nicht entgangen, so Schöneboom, "aber wir können ja nicht über Nacht einen neuen Platz herzaubern." Er für seinen Teil fände es vernünftig, wenn der FV in Langenwinkel bleibt, sagt der Erste Bürgermeister. Allerdings sei die Platzwahl auch kein Wunschkonzert: "Es kann ja nicht einfach jemand den Finger heben und sagen, was ihm am besten gefällt." Die möglichen Kosten für den neuen Platz werden laut Schöneboom gerade ermittelt. Einen Vergleichswert gibt es dennoch in der Region: Zuletzt hatte sich Kreisligist SV Dörlinbach ein Angebot für einen neuen Kunstrasenplatz eingeholt. Kostenpunkt rund 450 000 Euro.

Viel Geld für einen einzigen Verein. Dabei kann sich Dahinten auch eine gemeinsame Platznutzung mit etwa dem SV Kippenheimweiler oder Lahr-West vorstellen, aber das seien laut Sportvorstand derzeit bloße Gedankenspiele. "Einen guten Platz für die erste Mannschaft brauchen wir auf jeden Fall, das andere Grün könnten dann auch unsere Jugendmannschaften nutzen. Denn den Jugendbereich wollen wir voranbringen, aber das geht aufgrund der Platzproblematik nicht."

Zudem koste den Verein das ständige Ausweichen auf fremde Plätze bei Heimspielen neben Zeit auch Geld, erzählt Dahinten. "Jeder kennt unsere Problematik. Es muss ein Gutachter kommen, der sich die Sache anguckt", sagt der 44-Jährige, der hofft, dass sich die leidige Angelegenheit bald klären lässt und er sich endlich wieder "als Sportvorstand um den Sport kümmern kann und nicht um Platzangelegenheiten".

Denn da läuft es derzeit schließlich richtig gut für den FV. In der Meisterschaft liegt das Team von Davor Sikanja nach Siegen gegen Seelbach und Offenburg knapp hinter dem FV Sulz auf dem zweiten Platz. In der Vorbereitung wurde mit dem Kehler FV ein Hochkaräter weggehauen und Anfang April wartet das Bezirkspokalfinale gegen Oberschopfheim. Mit dem erst 18-jährigen Mittelfeldtalent Jan Zeuner und demnächst auch Robert Hartfiel (beide Kehler FV) gewann Langenwinkel zudem eine Menge Qualität hinzu. Zudem wurden die Verträge von Trainer Sikanja und Top-Torjäger Yasin Ilhan, der mit 21 Treffern die Torschützenliste meilenweit anführt, gerade erst um zwei Jahre verlängert. "Wir sind auf einem richtig guten Weg", sagt Dahinten, warnt aber auch, dass "noch gar nichts erreicht" wurde.

Im Kampf mit Sulz um den Titel prognostiziert Dahinten ein enges Rennen: "Von den Einzelspielern sind wir vielleicht etwas besser, aber die machen einen sehr guten Job." Seiner Mannschaft bescheinigt der Sportvorstand eine Top-Motivation. "Wir waren in jeder Trainingseinheit in der Winterpause mindestens 18 Mann. Alle wollen in die Landesliga." Vor allem freut sich Dahinten jedoch über die Vertragsverlängerung von Trainerfuchs Sikanja: "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Und geht es nach mir, kann er uns auch noch bis in die Oberliga trainieren."

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