Lahr Für die Liebe zu seiner Frau hat er die Priesterstelle abgegeben

Herbert Schmider feiert heute seinen 75. Geburtstag. Foto: cbs

Lahr - "Nach wie vor bin ich ein verrückter Kirchenträumer", sagt Herbert Schmider. Dabei hat gerade er, der exkommunizierte Priester, wegen seiner Liebe zu Ehefrau Inge, die unerbittliche Härte der Kirche am eigenen Leib erfahren. Heute feiert Herbert Schmider, der in Wolfach geboren und aufgewachsen ist, 1970 zum Priester geweiht und 22 Jahre in der katholischen Kirche in Lahr gewirkt hat, seinen 75. Geburtstag.

1970 hatte er seine erste Vikarstelle im Zollern-Albkreis und war in Sigmaringen Regionaljugendseelsorger. Von 1980 bis 1992 war Schmider katholischer Priester in der Pfarrei Sancta Maria und Präses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Ortenau, bevor er 1992 von der Kirche die Tür gewiesen bekam, weil er sich klar und offen zu seiner Liebe zu Ehefrau Inge bekannte.

Frauenbewegung Maria 2.0 ist ihm noch zu wenig

Doch auch heute kann ihm die katholische Kirche nicht in seinem tiefen Glauben erschüttern. "Jesus hat weder zölibatäre Priester noch die Ausgrenzung der Frauen gewollt", sagt Herbert Schmider und schon ist er mittendrin in seinen Positionen zu Glauben, Politik und Gesellschaft. Zum Protest der Frauenbewegung "Maria 2.0" sagt er: "Schade, der Protest muss deutlicher werden." Der Kirche fehlen laut Schmider die Schritte und Taten im Geiste des Jesu von Nazareth, dessen Person und Botschaft. Schon immer habe Schmider in seinem Wirken versucht, Mensch und Priester zu sein. Nach dem Aus in der Kirche 199, arbeitete er bis zur Rente im Jahr 2012 als gesetzlicher Betreuer, freier Trauerredner und Seelsorger.

Fünf Jahre, von 1994 bis 1999 saß er für die SPD im Lahrer Gemeinderat. Er engagierte sich aktiv in der Wohnungshilfe, Drogenhilfe, sozialen Rechtspflege, setzte sich für Notunterkünfte ein und war mittendrin bei den Menschen, die seiner Hilfe bedurften. "Ich habe selbst innerhalb der Kirche versucht, 22 Jahre ein guter Seelsorger zu sein. Sicher war ich in vielerlei Hinsicht zu still und zurückhaltend", so Schmider.

Herbert Schmider ist kein Mensch, der im Zorn zurückblickt. "Gern schreibe ich an meinem eigenen spirituellen Tagebuch", erklärt Schmider. Mit Ehefrau Inge hat er über die Erzählwerkstatt Lahr von seiner großen Liebe berichtet. "Jede, und wirklich jede Lebensgeschichte ist erzählenswert", sagt Herbert Schmider.

Herbert Schmider bereut nichts

Über sein Leben im Rückblick stellt er fest: "Ich kann mein Leben umarmen so wie es bisher war. Ich erkenne keinen Richterstuhl da oben." Herbert Schmider hofft noch auf ein langes Glück mit seiner Ehefrau und Familie. In der Nachbarschaft ist auf ihn Verlass. Herbert Schmider besucht Menschen in den Pflegeheimen und bleibt ein freundschaftlicher Begleiter.

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