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Lahr Bauwert offen für weitere Investoren

Die geplanten Neubauten auf dem Areal Reichswaisenhaus könnten nach den Vorstellungen der Firma Bauwert auch von anderen Investoren gebaut werden. Foto: Visualisierung: Büro h4a

Die Firma Bauwert will weitere Investoren bei der Entwicklung des Areals Reichswaisenhaus ins Boot holen. Laut Firmenchef Uwe Birk wird trotzdem eine einheitliche Bebauung gewährleistet.

 

Lahr. Geschäftsführer Birk bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Firma Bauwert nicht alle 170 Wohnungen, die auf dem Areal entstehen sollen, unbedingt selbst bauen will. Wie berichtet, hatte er bereits im Gespräch mit der Bürgerinitiative Altenberg davon gesprochen, sein Unternehmen sei nicht zwingend daran interessiert, die im unteren Bereich des Areals geplanten Ein- und Zweifamilienhäuser zu realisieren.

So kämen für die 14 Einfamilienhäuser und sechs Doppelhaushälften eine Fremdvergabe an einen Bauträger oder ein Grundstücksverkauf zum freien Bauen in Frage. Das sei auch davon abhängig, wie sich der Markt entwickelt, sagte Birk gegenüber unserer Zeitung. Eine "gewisse Freiheit" müsse das Konzept haben. Entscheidend sei: "Auch wenn Bauwert nicht alles selbst baut, gilt das Gestaltungshandbuch", betonte Birk. Ein uneinheitliche Bebauung werde dadurch ausgeschlossen. Die Firma Bauwert stehe auch dazu, die Bebauung vom zeitlichen Ablauf so zu realisieren, dass die Anwohner so wenig wie möglich beeinträchtigt wird, so Birk weiter.

Bei der Gemeinderatssitzung am Montag, bei der wie berichtet die Fortsetzung des Bebauungsplanverfahrens Altenberg beschlossen wurde, hatte die CDU-Fraktionsvorsitzende Ilona Rompel das Thema Vergabe an andere Bauträger aufgegriffen. "Dann steht in Frage, ob wir dem Projekt zustimmen", sagte sie. Wichtig sei der CDU ein Gestaltungshandbuch, betonte Rompel, die insbesondere die im oberen Bereich geplante Bebauung am Altenberg nach wie vor zu wuchtig findet.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Roland Hirsch hatte zuvor darauf hingewiesen, seine Faktion sei unter Voraussetzungen bereit, einem Bebauungsplan für das Areal Altenberg zuzustimmen (siehe Info). Im Innenbereich bereits bebautes Areal zu überplanen, sei "allemal besser, als dem Flächenfraß an der Peripherie Vorschub zu leisten". Ilona Rompel machte sich diese Bedingungen zu eigen.

"Jetzt beginnt das Verfahren in der Tiefe", sagte Eberhard Roth, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Dazu gehöre auch die Bürgerbeteiligung. Den Verkehr, die Baudichte und die Parksituation nannte er dabei als Problemfelder.

Claus Vollmer, Fraktionssprecher der Grünen, bekräftige sein Nein zu einer Bebauung. "Jetzt können Verwaltung und Investor zeigen, dass sie die Bedenken der Bürger ernst nehmen", betonte er. Die Fortsetzung des Bebauungsplanverfahrens sei kein Freibrief für eine Bebauung, so Vollmer.

"Die Bürgerinitiative hat ihr Ziel verfehlt, eine Bebauung zu verhindern", sagte FDP-Stadträtin Sonia Kmitta. Sonja Rehm machte deutlich, dass die Linke Liste nach wie vor gegen eine Bebauung des Areals Reichswaisenhaus ist. ­

INFO

Forderungen

Folgende Bedingungen nannte SPD-Fraktionschef Roland Hirsch für eine Zustimmung:

>  Für die Oststadt muss ein neues Verkehrsgutachten erstellt werden.

>  Verkehrslenkende Maßnahmen sind unverzüglich umzusetzen.  

> Das nördlich gelegene FFH-Gebiet darf nicht beeinträchtigt werden.  

> Eine weitere Reduzierung der Verdichtung ist wünschenswert.  

> Ein Gestaltungshandbuch ist zu erstellen.  

> Durch strenge Überwachung ist darauf zu achten, dass die Vorgaben des Bebauungsplans eingehalten werden.  

> Die Abwasserprobleme und die Erschließung sind durch die Vorhabensträger zu regeln.  

> Die Beeinträchtigungen der Anwohner müssen so gering wie möglich gehalten werden.

> Beim Krankenhaus ist darauf hinzuwirken, dass die Beschäftigten ihre Autos auf den vom Klinikum bereitgestellten Parkplätzen abstellen.

 


 

Kommentar von Stefan Maier

Abschreckendes Beispiel

Da zeigten sich nicht nur die Mitglieder der Bürgerinitiative Altenberg, sondern auch einige Stadträte überrascht von der Nachricht, dass die Firma Bauwert nicht zwingend alle neuen Häuser auf dem Areal Reichswaisenhaus selbst bauen will. Erstaunlich ist das freilich nicht, schließlich ist das Unternehmen auf Sanierungen spezialisiert, wie der Umbau der früheren Luftschifferkaserne zur »Villa Graf Zeppelin« oder der früheren Kasernengebäude in der Geroldsecker Vorstadt zu Wohnhäusern zeigen. Tatsächlich ist es wichtig, dass bei der geplanten Bebauung auf dem Altenberg ein einheitliches Bild gewährleistet ist – die »Kraut und Rüben«-Bebauung auf einem Teil des ehemaligen Kasernenareals – nämlich dort, wo neue Häuser entstanden sind – ist da ein abschreckendes Beispiel. Entscheidend ist dabei freilich nicht, wer die Neubauten auf dem Waisenhaus-Gelände errichtet, sondern dass sich die Bauträger an Vorgaben halten – deshalb ist das Gestaltungshandbuch auch so wichtig. Da ist die Stadtverwaltung gefordert, peinlichst genau auf dessen Einhaltung zu achten. So wie auf dem Kasernengelände darf es auf dem Altenberg auf keinen Fall aussehen.

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