Lahr Fehde zwischen Badenern und Schwaben

Die Theaterbühne des Kulturkreises Lahr hat sich dem 65. Jahrestag der Volksabstimmung gewidmet, die zur Gründung von Baden-Württemberg führte. Das Foto zeigt die Schauspieler Ursula Fries-Borho (von links), Matthias Göbbels, Gisela Griesbaum, Rebecca Fischer und Karin Endres Foto: Baublies

Lahr. Die Hassliebe von Badenern und Schwaben hat Regisseur Christopher Kern aufs Korn genommen. Die Theaterbühne des Kulturkreises führte die Komödie "D’schwäbisch Schwägerin" im Stiftsschaffneikeller auf.

Am Tag vor der schicksalhaften Abstimmung über den deutschen Südweststaat (der Name Baden-Württemberg war da noch nicht erfunden) kündigt sich im beschaulichen Lahr Krawall an. Genauer gesagt bei den Eheleuten Maria (Gisela Griesbaum) und Fritz Bächler (Siegfried Wacker). Erhalten sie doch Besuch von der Schwägerin aus Tuttlingen. Wir schreiben den 9. Dezember 1951, den Tag der Volksabstimmung. Dass dieses Ereignis genau 65 Jahre zurückliegt, war der Anlass für die neue Inszenierung.

Dem eher gemütliche Fritz ist angst und bange. Er gerät sogar in Rage ob der "feindlichen Übernahme" Badens durch die "Schwobaseckel". Das Klischee des Badeners darf hier genauso wenig fehlen wie die sprichwörtliche Pfennigfuchserei der Schwaben. In die bereitgestellten Fettnäpfchen tritt Rosa Bächler (Ursula Fries-Borho) zielsicher. Wenig Verständnis hat dafür die Heimatvertriebene Frieda Schlewitz (Karin En-dres) samt Tochter Anna (Rebecca Fischer). Alle liebgewordenen Feindbilder wären also versammelt und bereit für eine wüste Schlacht, wenn da nicht die zarten Bande der Liebe zwischen Hans (Matthias Göbbels) und Anna dazwischen kommen würden.

Dank des Alkohols kommt man sich näher

Die acht Szenen bieten reichlich Situationskomik, die von den Gästen – am Freitagabend war der Stiftsschaffneikeller ausverkauft – gewürdigt wurde. Dabei sind die sprachlichen Feinheiten des Alemannischen und des Schwäbischen für diejenigen, die von auswärts kommen, nicht gerade einfach zu verstehen. Davon wissen auch Luise (Katja Rothbächler) und Dr. Heinrich Hammerschmidt (Frank Nolte) ein Lied zu singen. Die Rheinländer können dem Zwist auch nur sehr wenig abgewinnen.

Kern hat die acht Szenen nahezu klassisch arrangiert. Die erste Szene, die frostige Begrüßung samt der Darstellung der Fronten, ist das Exposé des Dramas. Mit diesem Begriff würde nämlich Fritz Bächler den Verlust der badischen Souveränität beschreiben. Die Szenen zwei, drei und vier vertiefen die Gräben und führen zum Höhepunkt: "Im Wohnzimmer" sitzen alle beieinander –­ mit der entsprechenden Distanz ­–, trinken Trollinger, Spätburgunder oder Schnaps. Dabei weichen dank des Alkohols die Fronten allmählich auf.

Es gibt herrliche pointierte Dialoge. Besonders Griesbaum, Fries-Borho und Enndres liefern sich einen wunderbar arrangierten Zickenkrieg. Die drei füllen ihre Rollen voller Wonne aus, ohne dass die darstellerischen Leistungen des restlichen Ensembles dadurch an den Rand gedrängt werden. Die restlichen drei Szenen gehören der Liebe der Kinder, dem Groll der Schwäbin über den Verlust des Sohnes und der auf der Bühne durchaus komischen Drohung, dass es ein Wiedersehen geben wird.

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