Lahr Explosiver Jazz mit einer Portion Humor

Das Lars-Stoermer-Quartett genoss die Intimität des Auftritts. Foto: Künstle Foto: Lahrer Zeitung

Lahr. Publikumsresonanz und musikalische Qualität haben sich am Freitagabend im Stiftsschaffneikeller wieder einmal diametral gegenüber gestanden. Knapp zwei Dutzend Zuhörer erlebten eine von Ideenreichtum und lyrischer Kraft geprägtes Jazzkonzert, einen durch und durch erfrischenden Auftritt des Lars-Stoermer-Quartetts.

Temperamentvolle Jazzriffs blühen für einen Moment auf, werden abgestoppt und neu angesetzt. Saxofon und Klavier sowie Kontrabass und Schlagzeug kreieren eine von erzählenden Elementen geprägte Klanglandschaft, die sich erst einmal verdichtet, bevor sie in improvisierten Dialogen förmlich zerlegt und aufgelöst wird. Lars Stoermer (Saxofon, Bassklarinette) und seine Truppe loten aus, experimentieren und forschen. Das Quartett agiert als ein musikalisch ungemein redegewandtes, stets vor Ideen sprühendes Kollektiv, auch wenn der erste Song des Abends eine Situation beschreibt, in der ein Disput Probleme lösen soll, die ohne Kommunikation gar nicht vorhanden wären.

Stoermer liebt hintersinnige Ansätze und Titel, die immer auch eine gehörige Portion schrägen Humor erkennen lassen. Chaos und Struktur prallen aufeinander, explosive Ausbrüche und entspannt groovende Harmonien. Das kantige Spiel eines Thelonious Monk und der Bebop gehören ebenso dazu wie die schwärmerische Ballade, die musikalische Dissonanz und die Freiheit des Free Jazz.

Frontmann Stoermer hat sein Quartett für das aktuelle Album "Rondgard" völlig neu zusammengestellt. Am Flügel sitzt Eike Wulfmeier, den Kontrabass zupft Clara Däubler. Am Schlagzeug agiert ein Enkel des vor einigen Jahren in Lahr verstorbenen Komponisten und Pianisten Jürgen Becker-Foss. Raphael Becker-Foss streut aber auch elektronisch Loops ein, bringt neckisch ein Glockenspiel zum Klingen, während seine Bandkollegen wieder einmal neue Pfade ausloten.

Das Quartett liefet in Lahr einen überzeugenden Auftritt ab, ein Konzert voller Spannung und Dynamik, das mit lyrischer Poesie ebenso aufwartet wie mit druckvollen Läufen, einer expressiven Klangsprache. Es nimmt aber auch die Herausforderung einer alles andere als glanzvollen Kulisse an. Die Musiker scheinen die Intimität des Auftritts sogar zu genießen. Stoermer hat viele kleine Geschichten parat, er scherzt und sucht die Interaktion mit einem Publikum, das sich verzaubern lässt und immer wieder reichlich Beifall spendet.

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