Lahr Evangelische Pfarrer gegen Munitionsfabrik

Lahr (red/sl). Der Gemeinderat beschäftigt sich in seiner Sitzung am Montag, 23. Oktober, ab 17.30 Uhr mit dem geplanten Bau einer Munitionsfabrik auf dem Lahrer Flugplatzgelände. Der Beschlussvorschlag der Verwaltung lautet: "Der Gemeinderat nimmt die Ansiedelung der Firma Saltech auf dem Areal des Zweckverbands zustimmend zur Kenntnis." In der von OB Wolfgang G. Müller formulierten Begründung heißt es: "Mit der Ansiedelung einer Munitionsfabrik ist keine Remilitarisierung Lahrs verbunden. Am Standort wird dadurch nicht die Konversion zurückgedreht."

 

Es gibt Menschen in der Stadt, die das anders sehen. So hat das Friedensforum Lahr eigenen Angaben zufolge mehr als 1100 Unterschriften gegen den Bau der Fabrik gesammelt. Die Listen mit den Namen sollen am morgigen Mittwoch um 17 Uhr im Rathaus an OB Müller übergeben werden. Ein Versuch, die Mitglieder des Gemeinderats dazu zu ermuntern, gegen die Ansiedelung zu votieren. Bisher haben, wie berichtet, die Fraktionen von SPD, Grünen und Linker Liste angekündigt, den Bau der Munitionsfabrik verhindern zu wollen.

Kurz vor der Abstimmung im Gemeinderat haben sich auch evangelische Geistliche zu Wort gemeldet. In der Stellungnahme heißt es: "Wir, die evangelischen Pfarrer und Pfarrerinnen, Diakoninnen der evangelischen Kirchengemeinde Lahr und Hauptamtliche weiterer kirchlicher Dienststellen in Lahr schließen uns der Resolution des Friedensforums gegen die geplante Munitionsfa­brik an." Man teile die Befürchtung, dass die von Saltech produzierte Munition nicht ausschließlich für die deutsche Polizei und die Bundeswehr verwendet, sondern auch an andere Abnehmer geliefert werde. "Wir sehen mit großer Sorge, dass Rüstungsgüter trotz mancher gesetzlicher Regelungen, die das verhindern sollen, ihren Weg auch in Krisengebiete finden und dort mit dafür verantwortlich sind, dass Krieg und Gewalt kein Ende finden", schreiben die Pfarrer. Mit dem Protest gegen die Fabrik würden sie sich auf den friedensethischen Prozess der Landeskirche "Kirche des gerechten Friedens werden" beziehen.

Die Unterzeichner sind Dekan Rainer Becker, Annedore Braun vom Diakonischen Werk in Lahr, Bezirkskantor Hermann Feist, die Gemeindediakoninnen Anna Lohf und Lisa Lüdemann, Krankenhausseelsorgerin Dora Lutz, Bezirksjugendreferentin An­drea Ziegler sowie die Pfarrer Markus Luy, Frank Schleifer, Jochen Waldmann, Miriam Waldmann und Marie-Louise Scheuble.

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