Lahr "Es geht an private Reserven"

Lahr - Die Folgen der Corona-krise treffen Gastgewerbe und Fremdenverkehr mit voller Wucht. Unsere Redaktion hat mit einigen Hoteliers aus Lahr und Umgebung gesprochen, um ihnen zu der aktuellen (Not-)Lage Gehör zu verschaffen.

Die seit Anfang November geltenden Corona-Regelungen haben große Auswirkungen auf die Hotelbranche. So sind private Übernachtungen gegen Entgelt nicht mehr gestattet. Nur Dienstreisende dürfen untergebracht werden. Eine weitere Ausnahme stellen private Härtefälle dar. Die LZ-Redaktion hat Hoteliers gefragt, wie es ihnen geht.  

Adler (Reichenbach)

Während Daniel Fehrenbacher den Restaurantbetrieb durch einen gut laufenden Abholservice am Leben halten kann, sieht es in Sachen Hotel wenig erfreulich aus. "Unter der Woche sind ein bis zwei Zimmer belegt, am Wochenende ist oft keiner da." Gäbe es die staatlichen Hilfen nicht, müssten weiter Kosten reduziert werden, notfalls sogar beim Personal, macht Fehrenbacher deutlich.   

Burger’s Hotel (Kippenheim)

Inhaber Christoph Burger hat 2020 ein neues Gebäude mit zehn zusätzlichen Zimmern errichten lassen. Dann kam Corona. "Die hohen Investitionen waren bisher für die Katz", klagt er. Nachdem im November und den ersten beiden Dezemberwochen noch einige Geschäftsreisende eincheckten, war der Schlüsselschrank bis Januar nahezu voll.

Jetzt gehe es aber wieder etwas bergauf. Vor allem unter der Woche sei die Nachfrage gestiegen. Burgers Hotel ist auch stark abhängig von Europa-Park-Besuchern. Da dieser schon seit Anfang November geschlossen ist, sieht Burger in seinem Fall keinen Unterschied zum harten Dezember-Lockdown. Zumindest die Corona-Hilfen seien aber da.

 Eisberg Hotels (Lahr, Friesenheim und Rust)

Während der Lahrer Standort zu rund 80 Prozent ausgelastet ist, sehe es in Friesenheim schlecht aus: Dort seien teilweise gar keine Zimmer belegt, berichtet Evgeniy Morhulis, Hotelmanager des seit Anfang des Jahres als Drei-Sterne-Superior klassifizierten Eisberg-Hotels in Lahr.

Komplett geschlossen ist das Haus in Rust. Da die Einnahmen des Lahrer Hotels zwar dessen eigene Kosten, nicht aber die der beiden anderen Standorte decken, sei man auf staatliche Unterstützung angewiesen, verrät Morhulis.  

Krone (Friesenheim)

Große Sorgen wegen der Pandemie hat auch Wladislaw Esipowitsch von der "Krone" in Friesenheim. Der Hotelbetrieb steht seit Monaten fast komplett still. "Gäbe es die Hilfspakete nicht, müssten wir wahrscheinlich schon in einem Monat komplett zumachen." Zwar habe er einen Teil der Novemberhilfen bereits bekommen, mehr als die Hälfte des Betrags fehle aber noch. Für Dezember gab es dagegen noch nichts.

 Krone (Schweighausen)

Bei Petra Giusa stellen Touristen beziehungsweise Wochenendurlauber mit einem Anteil von rund 75 Prozent das Hauptklientel im Hotel dar. Diese fallen derzeit komplett weg. "Außerdem fehlen uns die Gäste im Restaurant und die Einnahmen von größeren Festen im Saal", so Giusa.

Zwar werde ihr Abholservice gut angenommen, das reiche aber nicht aus, um die Kosten auszugleichen. "Es wird Tag für Tag schwieriger", sagt Giusa. Neben der bereits erhaltenen Novemberhilfe warte sie auf Unterstützung für Dezember. Die soll laut ihrem Steuerberater aber in den nächsten Tagen eintreffen. 

Mühlenhof (Oberweier)

Annette Rottler, gemeinsam mit Bruder Stefan Inhaberin des "Mühlenhofs", hat ebenfalls mit einer geringen Auslastung zu kämpfen. Hinter dem Rückgang vermutet sie auch die Zunahme von Homeoffice. Die Kosten im Beherbergungsbereich würden bei Weitem nicht aufgefangen, der Abholservice helfe zum Überleben.

Weil die staatlichen Hilfen trotz rechtzeitig abgeschicktem Antrag auf sich warten ließen, habe man ein Darlehen aufnehmen müssen. Den Hotelbetrieb werde man auf keinen Fall aufgeben, weil "wir nicht unsere treuen Stammgäste verlieren wollen", hebt Annette Rottler hervor.  

Ochsen (Friesenheim)

Unter der Woche sei der "Ochsen" zu 58 Prozent ausgebucht, erzählt Inhaber Mario Bähr. "Die Gäste bekommen ihr Essen aktuell aufs Zimmer geliefert, am Wochenende ist aber oft gar keiner da". Die finanzielle Situation sei für Bähr momentan noch erträglich, die stattlichen Hilfen, von denen ein erster Teil bereits angekommen ist, findet er eine "anständige Sache".

Schon jetzt hofft der Hotelier darauf, dass die Branche nach der Fasent wieder etwas aufatmen kann. "Die Menschen wollen irgendwann wieder raus aus der Wohnung, sich mit Freunden im Restaurant treffen oder Wochenendurlaube unternehmen."

Das gilt Aktuell

Laut Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg in der ab 11. Januar 2021 gültigen Fassung wird der Betrieb aller Einrichtungen nach § 13 Absatz 1 bis mindestens 31. Januar für den Publikumsverkehr untersagt. Dies gilt für Beherbergungsbetriebe und sonstige Einrichtungen, die Übernachtungsangebote gegen Entgelt anbieten, bereits seit Anfang November 2020. Ausnahmen bilden notwendige geschäftliche, dienstliche Übernachtungen oder besondere Härtefälle.

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