Lahr Erste Schulstunde: Coronatest

Lahr - Ab nächster Woche müssen Schüler sich selbst auf das Coronavirus testen, wenn sie am Präsenzunterricht teilnehmen wollen. Am Max-Planck-Gymnasium (MPG) wird das Ganze schon Mal geübt. Unsere Redaktion durfte dabei sein.

Es sei ein beruhigendes Gefühl

Mittwoch, 9.30 Uhr. Für 25 angehende Abiturienten beginnt eine Schulstunde in katholischer Religion. Doch Pädagoge Thomas Dieterle spricht zunächst über ein sehr weltliches Thema, die Corona-Tests, die freiwillig sind, wie er betont. Dann geht der Lehrer reihum und verteilt die Testkits. Bevor die Zwölftklässler ihre Masken abnehmen, lässt Dieterle noch weitere Fenster öffnen. Ohnehin werden im MPG die Klassenräume zurzeit dauergelüftet, unterrichtet wird bei offenen Türen.

Dieterle sagt den Schülern, wie das Ganze funktioniert: Teststreifen und Tupfer des Antigen-Selbsttests aus der Packung nehmen, zwei Zentimeter tief in die Nase stecken und dann 15 Sekunden lang hin und her drehen. Anschließend kommt der Tupfer in eine Lösungsflüssigkeit, die nach 15 Minuten das Ergebnis anzeigt.

Nötig wäre die Erklärung nicht, denn die Schüler sind bereits "Profis". Routiniert führen sie die Prozedur aus, stecken das Stäbchen erst in das eine, dann in das andere Nasenloch und schließlich in das Röhrchen mit der Lösungsflüssigkeit. Von der geben sie schließlich einige Tropfen auf das Testkärtchen.

Es sei nicht ihr erster Selbsttest, sagt Lisa Kienzle dem Textautor, während sie auf das Ergebnis wartet. Wie denkt die 17-Jährige darüber, dass die Tests ab kommender Woche ein Muss sind? Das sei okay, erwidert sie. Sie befürchte auch nicht, dass das Ganze zu einer zusätzlichen Nervenbelastung in den letzten Wochen vor ihren Abiturprüfungen ausartet.

Ähnlich sieht es Anna-Lena Haag, die eine Reihe hinter Kienzle sitzt. Die 18-Jährige gewinnt dem Test etwas Positives ab: Es sei ein beruhigendes Gefühl, mit anderen in einem Klassenzimmer zu sitzen, die nachweislich nicht ansteckend sind.

Dieterle hat die Uhr im Blick, lässt die vollen 15 Minuten verstreichen. In der Zwischenzeit lässt er die Schüler einen Zeitungsartikel über den Theologen Hans Küng lesen. Dann sagt der Lehrer der Klasse, dass ein mögliches positives Testergebnis "kein Grund zur Panik" sei. In dem Fall müsse der oder die Betroffene nach Hause gehen, einen Hausarzt aufsuchen und einen PCR-Test machen, um das Ergebnis zu bestätigen. Sonderlich beunruhigt wegen dieser Information wirkt aber keiner. Dann geht Dieterle durch die Reihen und wirft einen Blick auf die Testkärtchen. Auf allen ist nur ein einzelnes Farbband zu sehen, das Zeichen für ein negatives Ergebnis. Der Lehrer hatte sich bereits früher am Tag selbst getestet.

Nach 20 Minuten beginnt der eigentliche Unterricht. Das Thema sind ethische Fragestellungen.

Info

Ab kommendem Montag gilt an baden-württembergischen Schulen eine Testpflicht. In Landkreisen, in denen die Inzidenz von 100 überschritten ist, soll ein negatives Ergebnis Voraussetzung für die Teilnahme am Präsenzunterricht und der Notbetreuung sein. Verpflichtend sind die Tests dann sowohl für die Schüler als auch das gesamte an den Schulen vor Ort tätige Personal. Präsenzunterricht haben zurzeit aber nur Abschlussklassen.

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