Lahr Erinnerung an Reichsbanner

Flaggenübergabe (von links): Klaus Glöckler, Bürgermeister Guido Schöneboom, Matthias Kappis, Regina Sittler und der frühere Stadtrat Manfred Neumeister Foto: Mühl Foto: Lahrer Zeitung

Über eine Spende besonderer Art kann sich die Stadt Lahr freuen: Der FDP-Stadtverband hat die Lahrer Flagge des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold von 1931 übergeben.

Lahr. Die Freien Demokraten übergaben die aus dem Jahr 1931 stammende Original-Flagge des sogenannten Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, Ortsgruppe Lahr/Baden, im Rahmen ihrer Hauptversammlung als Schenkung für das Stadtmuseum in der ehemaligen Tonofenfabrik. Bürgermeister Guido Schöneboom nahm die historische Fahne entgegen. Die Flagge der dortigen Ortsgruppe des "Reichsbanners" (siehe Info) wurde während der NS-Zeit unter hohem Eigenrisiko versteckt. Verantwortlich zeichnete dafür die Familie von Paul Glöckler aus Lahr, der später Mitglied der FDP wurde. Im Kohlenkeller der Familie ruhte die Fahne über viele Jahre geschützt unter einem Kohlehaufen, blieb unentdeckt und überstand auch die späteren Kriegsjahre unbeschadet.

Platz im Stadtmuseum als Wunsch der Spender

Manfred Neumeister, früherer Stadtrat und Vorsitzender des Stadtverbands, lernte, als er noch ein Kind war, Paul Glöckler persönlich kennen. "Ich war mit ihm zum Plakate-Kleben für die FDP unterwegs. Er war ein echter Draufgängertyp", erinnerte sich Neumeister.

Auch die Familie Neumeister war nach dem Krieg mit der Geschichte der Flagge eng verbunden. Manfred Neumeisters Vater Ernst wurde die Flagge nach Kriegsende übergeben, der sie dann an den Sohn weitergab. "Ich habe sie die vergangenen Jahrzehnte über aufbewahrt und gehütet", erzählte Manfred Neumeister im Rahmen der Hauptversammlung.

Nun sei es der ausdrückliche Wunsch der Freien Demokraten, dass die Flagge einen besonderen Platz im neuen Stadtmuseum findet. Diesen Wunsch brachte neben Manfred Neumeister auch Klaus Glöckler zum Ausdruck, der Enkel Paul Glöcklers, der eigens zur Übergabe der Fahne nach Lahr gekommen war.

Gemeinsam übergaben Neumeister und Glöckler zusammen mit dem Vorstand der Lahrer FDP an Bürgermeister Schöneboom die Flagge, die sich in einem erstaunlich guten Zustand befindet. Schöneboom nahm die Schenkung mit großem Dank entgegen. "Dieses historische Stück und Symbol für den demokratischen Widerstand gegen das NS-Regime in unserem Museum zeigen zu können, ist eine großartige Chance für die Stadt Lahr", betonte er. Mit dem neuen Stadtmuseum verfüge man nun auch endlich über die räumliche Voraussetzung, historische Schätze wie die Flagge in gebührender Form der Öffentlichkeit zugänglich machen zu können.

Das 1924 gegründete Reichsbanner war zur Zeit der Weimarer Republik ein politischer Wehrverband, den die Parteien der "Weimarer Koalition", also SPD, DDP und Zentrumspartei, bildeten. Zielsetzung war, die Republik und deren Verfassung gegen ihre radikalen Feinde von links und rechts zu schützen. Zu den prominentesten Mitgliedern des Verbands zählten etwa Erich Ollenhauer (SPD), Kurt Schumacher (SPD), Thomas Dehler (DDP), Gustav Heinemann (DDP) sowie Theodor Heuss (DDP). Mit der Machtübernahme der Nazis wurde das "Reichsbanner" im März 1933 verboten.

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