Lahr Styrnol-Brüder drehen Film über Lahrer-Kultband Scaramouche

Lahr - Maik und Pirmin Styrnol planen einen Dokumentarfilm über die ehemalige Lahrer Rockband Scaramouche. Dafür suchen sie nach Fotos, Video- und Tonaufnahmen von früher. Wer etwas beisteuert, wird im Film erwähnt.

Das Studio in einem Nebengebäude ihres Elternhauses in Lahr ist klein. Ein Sofa und ein Flügel nehmen den halben Raum ein, Regale und ein Computer mit Soundtechnik beanspruchen die andere Hälfte. Es fällt auf: Ein Plakat der Lahrer Kultband Scaramouche hängt an der Wand. "Wir haben nie aufgehört, Scaramouche zu hören", sagt Pirmin Styrnol, Journalist beim SWR, voller Begeisterung. Sein Bruder Maik, Komponist und Audio-Ingenieur, stimmt zu: "Die Band war ihrer Zeit voraus, ihre Musik war etwas ganz besonderes."

Dem Phänomen Scaramouche widmen die beiden Filmemacher ihr nächstes Projekt: ein abendfüllender Film über die Band, gleichzeitig ein Porträt der damaligen Zeit. "In Lahr hat sich von den 1980er- bis in die 2000er-Jahre wahnsinnig viel gewandelt", erklärt Pirmin Styrnol mit Blick auf den Fall des Eisernen Vorhangs, den Abzug der Kanadier und anderer Ereignisse, die auch Lahr veränderten. "Wie war es damals hier?", fragen sich die beiden Brüder.

Mit einem Kernteam von insgesamt vier Mitwirkenden wollen sie genau diese Frage beantworten – Scaramouche und deren Musik dabei immer im Fokus. Bereits Ende Oktober riefen sie öffentlich dazu auf, Material über die Band an sie zu senden. "Wir sind von der Resonanz schwer begeistert", sagt der 28-jährige Pirmin Styrnol über die Reaktion der Lahrer und verweist auf Pappboxen voller Video- und Tonaufnahmen. "Leute sind schon von der Zeitung weg in ihre Keller gegangen und haben nach Material gestöbert", ergänzt der zwei Jahre jüngere Maik. Die Erinnerung an die Band und die Begeisterung für deren Musik sei bei den Fans immer noch lebendig.

Marc Vetter, ehemaliger Schlagzeuger der Band, empfindet die Idee, einen Film über Scaramouche zu drehen, als "wahnsinnige Ehre." Ihm sei egal, ob es ein Erfolg wird oder nicht – er habe einfach ein tolles Gefühl. "Ich vertraue den beiden auch", sagt Vetter im Gespräch mit unserer Redaktion. "Ich sage niemals nie", kommentiert Marc Vetter die Frage nach einer möglichen Reunion von Scaramouche. Als Band wieder richtig loszulegen hält er für unwahrscheinlich, aber: "Vielleicht einzelne Konzerte oder ein einziges Konzert könnte ich mir vorstellen." Bisher habe sich noch keiner seiner früheren Band-Kollegen getraut, mit ihm darüber zu reden. Jetzt sei er aber zunächst gespannt auf den Film der Styrnol-Brüder.

Selbst hätten sie die Band aus Lahr nur als Kinder live erlebt, ihre Eltern seien aber große Fans gewesen. Zudem sei der verstorbene Bandmanager Marco Dieterle ihr Onkel gewesen. Vor etwas mehr als einem Monat sei dann die Idee zum Film entstanden, berichtet Pirmin Styrnol. Der ehemalige Keyboarder und Frontsänger der Band, Frank Vetter, sei auf seinen Bruder Maik zugekommen, um musikalisch "ein bisschen rumzuprobieren." Aus dieser Begegnung sei der Plan entstanden, einen Film zu machen.

An einem der nächsten Wochenenden würden sie beginnen, das umfangreiche Material zu sichten und zu digitalisieren. Zu Spitzenzeiten habe Scaramouche "um die 80 Konzerte im Jahr" gegeben, gibt Maik Styrnol zu bedenken. Vor allem in Luxemburg seien die Lahrer Rocker erfolgreich gewesen. "Da haben sie die richtig großen Hallen gefüllt." Bis Weihnachten wollen die Filmemacher mit ihrem Team den "Wust an Daten" sichten, um dann eine Entscheidung treffen zu können: Reicht das Material für einen Film oder wird doch keine Dokumentation aus der Bandgeschichte?

Bei ihrem Aufruf sei es ihnen auch darum gegangen, das Interesse der Menschen in Lahr an ihrer Filmidee abschätzen zu können. Die vielen Zusendungen bestärken sie. Aber: "Jedes Filmprojekt hat zwei Säulen – die redaktionelle und die finanzielle", erläutert Pirmin Styrnol. Das bisher erhaltene Material sei vielversprechend, die Finanzierung für das Projekt stehe jedoch bisher noch nicht. Auch hier hoffen die beiden Filmemacher auf Unterstützung aus der Region und freuen sich über Sponsoren.

"Jeder, der uns hilft, kommt in den Abspann", verspricht Pirmin Styrnol und ergänzt: "Egal, wie lang er wird."

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