Lahr Erinnerung an das Schicksal von Johanna Schnurmann

59 Stolpervereine gibt es inzwischen in Lahr. Den Gedenkstein für Johanna Schnurmann mauerte Günter Demnig vor dem Spital ein. Foto: Baublies

Lahr . Der Stolperstein für Johanna Schnurmann am Eingang zum Spital ist die 59. Erinnerung dieser Art an das Schicksal jüdischer Mitbürger, die im "Dritten Reich" verschleppt und zum größten Teil ermordet wurden. Gunter Demnig, der die Idee der Stolpersteine gehabt hat, verlegte am Dienstag die Erinnerung an die Jüdin, die 1860 in Schmieheim geboren wurde.

Juliana Bauer, Historikerin aus Lahr, und Norbert Klein vom Historischen Verein "Geroldsecker Land" erinnerten an Hanna Schnurmann, die zuletzt im Spital gelebt hatte und kurz nach der Deportation im Oktober 1940 in Gurs am Fuß der Pyrenäen am 1. April 1941 gestoben ist. Bauer erzählte, dass ihre Mutter gute Erinnerungen an die ganze Familie Schnurmann in der Schlosserstraße hatte. Vor allem "feine Schokolade" sei der Mutter im Gedächtnis geblieben, und das Mazzen, das ungesäuerte Brot, sei eine Leckerei mit "Schleckli" (Marmelade) und "Hunnig" (Honig) gewesen. Johannas Vater Abraham Schnurmann erlebte, wie der badische Landtag 1862 das Gleichstellungsgesetz für jüdische Mitbürger verabschiedete, die den Juden damit auch die Freizügigkeit garantierte. Die Familie siedelte von Schmieheim nach Lahr in die Schlossergasse über. "Johanna Schnurmann fühlte sich zeitlebens als eine echte, im Herzen der Stadt lebende Lahrerin", so Bauer. Sie blieb auch nach der Machtübernahme der Nazis in Lahr und siedelte in das Spital über, bis sie mit 80 Jahren von dort deportiert wurde.

Viel sei nicht über das Leben von Johanna Schnurmann bekannt, ergänzte Bauer. Aber: "Aus den Erzählungen meiner Mutter ist sie mir vertraut und dieses Erzählte ist das einzige, was man von ihr weiß, was sie aber auch so persönlich macht und einem menschlich nahe bringt." Norbert Klein sagte, dass gerade diese Erinnerungen sehr wertvoll seien, da es immer weniger Zeitzeugen geben würde, die an diese Schicksale noch erinnern könnten.

In Lahr wurden die ersten Stolpersteine 2004 verlegt, damals auf Initiative von Gardy Ruder. Das steuerte Doris Gerteis bei. Klein ergänzte, dass im Herbst drei weitere Gedenksteine im Pflaster der Kaiserstraße angebracht werden. Diese drei Stolpersteine werden am "Haus Menzer" an die Schicksale der Familie Friedmann, den ersten Besitzern und Erbauern erinnern.

  • Bewertung
    0