Lahr Er hat die Stadt Lahr personifiziert wie kein anderer

Philipp Brucker Foto: bau Foto: Lahrer Zeitung

Von Stefan Maier

Lahr. Die Trauer war groß, als am 23. Juli 2013 ein Mann starb, der die Stadt Lahr personifiziert hat wie kein anderer: Philipp Brucker. Heute wäre der frühere Oberbürgermeister und Autor 90 Jahre alt geworden.

Er war der beliebteste Lahrer, und er hat seine Heimatstadt nachhaltig geprägt. 20 Jahre lang, von 1961 bis 1981, war Brucker Oberbürgermeister, aber auch vor und nach dieser Zeit hat er seine Spuren hinterlassen. "Kaleidoskop meines Lebens" hat er seine Erinnerungen genannt, die zu seinem 85. Geburtstag vor fünf Jahren herausgekommen sind. Das Buch handelt vom Leben eines Mannes, der ein "echter Lohrer" war und auf ein ungewöhnliches Leben zurückblicken konnte. Geboren am 2. September 1924 im Haus seines Großvaters am Schlossplatz, wuchs Philipp Brucker in die Zeit des Nationalsozialismus hinein – "mit einer großen Begeisterung", wie er später sagte. Im Zweiten Weltkrieg meldete er sich freiwillig zur Waffen-SS. "Wir sind einen falschen Weg gegangen", zog er anlässlich seines 80. Geburtstags Bilanz und bekannte, darunter zu leiden, ohne sich einer persönlichen Schuld bewusst zu sein. "Arbeite im Kleinen", das hatte sich Brucker als Konsequenz aus einer "sehr schmerzlichen Desillusion" vorgenommen.

Nach Kriegsende und anschließender Internierung studierte Brucker ab 1949 in Freiburg Germanistik und Kunstgeschichte. Nach der Promotion kam er 1954 zur "Lahrer Zeitung". Sieben Jahre war er Redaktionsleiter, um dann überraschend die Seiten zu wechseln. Als 1961 der Lahrer Oberbürgermeister erstmals direkt von den Bürgern gewählt wurde, sah Brucker eine Chance für sich – und wurde im zweiten Wahlgang gewählt.

Die Altstadtsanierung, die Beseitigung des Gewerbekanals, der Bau des Autobahnzubringers und von Schulen waren einige der Projekte, die in Bruckers Amtszeit verwirklicht wurden. Auch der Bau des Hallenbads, die Städtepartnerschaften mit Dole und Belleville, der Umbau der Stadthalle, die Umwandlung der Marktstraße in eine Fußgängerzone und das Bildhauerhausersymposium sind Projekte dieser Zeit. Wichtig im Rückblick war Brucker immer der Neubau des Krankenhauses Anfang der 70er-Jahre, nicht zuletzt auch die Gemeindereform 1972. "Was wir uns vorgenommen haben, haben wir umgesetzt", so Bruckers Bilanz. 1981 hätte er noch einmal als Oberbürgermeister kandidieren können, wegen der schweren Krankheit seiner Frau verzichtete er jedoch darauf.

Schon als Stadtoberhaupt hatte er Bücher in Mundart und Hochdeutsch veröffentlicht. Im Ruhestand kam eine große Zahl von Büchern hinzu, unter anderem "Schlaudrikauz" oder "Von Schachteln und Schächtili". Auch für die "Lahrer Zeitung" schrieb Brucker wieder und verfasste Kolumnen wie "Jo, Pfiffedeckel". In seinen letzten Lebensjahren lebte Brucker im Ludwig-Frank-Haus.

Philipp Brucker bleibt unvergessen. Das wurde zuletzt im Juni deutlich, als die Stiftung Bürger für Lahr ein Mundart-Festival veranstaltete, das dem Autor Brucker gewidmet war.

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