Lahr OB-Wahl: Einsatz "für Menschen, Tiere, Umweltschutz"

Nach einem Gespräch mit Wählern in der Tierhilfs- und Rettungsstation in Ichenheim schaut Jürgen Durke im Gehege von Rehkitz "Buffy" vorbei. Foto: Schabel

Lahr - Die Kandidaten der Lahrer OB-Wahl absolvieren in diesen Wochen zahllose Termine, um für sich zu werben. Unsere Redaktion besucht jeden Bewerber bei einem solchen Wahlkampfauftritt. Heute: Jürgen Durke aus Lahr.

Das Wahlkampfteam des 44-Jährigen von der Tierschutzpartei ist überschaubarer als bei Konkurrenten, die größere Parteien hinter sich haben. Nichtsdestotrotz führt Jürgen Durke einen engagierten Wahlkampf, sucht das Gespräch mit möglichst vielen Bürgern. Beim Tierheimfest am Sonntag stand er etwa hinter der Küchentheke und verkaufte vegane Kuchen. Unsere Redaktion hat ihn bei einem Wahltermin ganz anderer Art begleitet: Durke besuchte mit Sympathisanten die Tierhilfs- und Rettungsstation in Ichenheim.

Der Industriedesigner ist der Überzeugung, dass auch Lahr eine Wildtierrettung erhalten sollte. Bei einer Gesprächsrunde im Versammlungsraum der Station sagt er, was ihm vorschwebt: Eine Wildtierrettung samt Gnadenhof könnte auf dem Langenhard eingerichtet werden. Dort könnten verletzte Wildtiere gepflegt werden, um nach Genesung oder Aufzucht zurück in die Natur entlassen zu werden. Tieren, die schon viel erleiden mussten, könnte man dort ein dauerhaftes Zuhause geben.

Auf dem Langenhard hat der Nabu ein Nationales Naturerbe eingerichtet. Durke würde einen Schritt weiter gehen und ein Naturschutzgebiet ausweisen, sagt er.

Bei der Runde kommt das Gespräch auch darauf, wie Durkes Tierliebe entstanden ist. "Das hat sich entwickelt", erzählt er. Bereits als Kind habe er Tiere gemocht, vor allem Katzen. Später habe er eine TV-Reportage ­über Tiertransporte gesehen, die ihn erschüttert habe. Er habe sich in das Thema vertieft und sei überzeugt, dass auch Nutztiere fühlende Wesen sind, dass sie Wahrnehmung, Empfindung und Leidensfähigkeit besitzen. Durke sagt auch, dass er sich intensiv mit dem Buddhismus auseinandergesetzt hat, der postuliere, dass alle Lebewesen leiden können, auch Tiere. Durke ist Veganer, meidet Nahrungsmittel tierischen Ursprungs und lehnt es ab, dass Tiere ausgebeutet werden.

Doch als OB würde er sich nicht allein fürs Tierwohl einsetzen, betont er. Soziale Fragen seien ihm ebenfalls sehr wichtig. Er stehe für "eine Balance zwischen Menschen, Tieren und Umweltschutz". Diese Positionierung sei ein Alleinstellungsmerkmal unter den Lah­rer OB-Kandidaten.

Aus der Runde kommen Fragen, etwa: Was würde er für den Umweltschutz tun, sollte er OB werden? Zum Beispiel den amtlichen Papierberg eindämmen, antwortet er. Durke erzählt, wie er als Mitglied des Gemeinderats in der konstituierenden Sitzung einen dicken Stapel Unterlagen erhalten hat –­ "das geht auch digital". Außerdem würde er städtische Publikationen umweltfreundlich drucken lassen und mehr Solaranlagen auf kommunalen Gebäuden einrichten. Öffentliche Plätze, etwa der Rathausplatz, sollten mehr Grün erhalten, findet er. Er ist gegen den Bau des Güterverkehrszentrums am Flugplatz, weil dadurch zu viel Fläche versiegelt werde.

Durke will Menschen helfen, die eine Wohnung brauchen. Zu dem Zweck sollte die Sozialwohnungsquote auf 33 Prozent erhöht werden – ein Wert, den Bauherren noch verkraften würden. Er verweist darauf, dass es in Lahr rund 400 leerstehende Wohnungen gibt. Die Stadt sollte Anreize schaffen, damit Eigentümer ihre ungenutzten Räume dem Wohnungsmarkt zur Verfügung stellen, etwa, indem sie Mietbürgschaften für Bürger mit schmalem Geldbeutel übernimmt.

Auf den Flugplatz angesprochen, meint Durke, dass das konventionelle Fliegen dort eher verringert als ausgebaut werden sollte. Lärmbelastung, Verbrauch von Brennstoffen und Umweltbelastung sind die Stichworte, die er dabei nennt. Lieber wären ihm Zeppelinflüge und urbanes Fliegen, das mit Ökostrom betrieben werden könnte.

Aus der Runde kommt die Frage eines Mädchens, was er für Jugendliche tun würde. Antwort: Zusätzlich zum Schlachthof ein selbstverwaltetes Jugendzentrum schaffen. Auch die Stadtteile sollen eigene Jugendzentren haben, so Durke. Der Zugwaggon mit dem Jugendcafé sei auf dem Rathausplatz am besten aufgehoben.

Ein Zuhörer fragt den OB-Kandidaten von der Tierschutzpartei, was er tun würde, damit in Lahr keine Taubenplage entsteht. Durke würde auf betreute Tauben­- schläge setzen, in denen die Vögel von Tierpflegern gefüttert werden –­ "mit Futter, das sie brauchen". Auf die Gegenfrage, ob sich die Tiere dann nicht sogar vermehren würden, sagt Durke: Nein, denn die Tierpfleger würden auch Taubeneier entfernen. Man habe dann "nicht mehr, sondern gesündere Tauben in der Stadt".

Nach der Gesprächsrunde im Versammlungsraum geht Durke in den Hof der Tierhilfs- und Rettungsorganisation Ichenheim, unterhält sich dort mit Karlheinz Meier und Monika Ehrlacher aus dem Vorstand des Trägervereins. Man kennt sich, Durke ist Vereinsmitglied. Dann geht’s zu den Tiergehegen, in denen unter anderem kleine Kätzchen, Papageien, Hasen und Schafe zu sehen sind. Die Gruppe um Durke erfreut sich am Anblick der Tiere, die dort teils Dauergäste, teils auf "Durchreise" sind. Bei der Ichenheimer Tierhilfs- und Rettungsorganisation werden Wildtiere gepflegt, die später zurück in die Natur können, aber auch Haustiere, die vermittelbar sind und für die eine neue Familie gesucht wird.

Als man sich dem Gehege von Rehkitz "Buffy" nähert, bittet Meier die Gruppe, zurückzubleiben. Das Tier war, nur wenige Tage alt, in der Nähe von Waldshut gefunden worden, ohne Mutter und Vater. In Ichenheim ist es liebevoll aufgepäppelt worden.

Nur Durke darf ins Gehege zu "Buffy", der jetzt sechs Monate alt ist. Er nähert sich dem Tier vorsichtig und freut sich, dass es putzmunter ist.

  • Bewertung
    2