Lahr Einer der Täter gibt seinen Anteil an der Beute zurück

Spezialisten für Spurensicherung untersuchten den Tatort nach der Sprengung des Geldautomaten in der Nacht zum 8. Juni 2017. Foto: Archiv: Braun

Lahr/Offenburg - Zwei der vier Tatverdächtigen, die vor gut einem Jahr einen Geldautomaten in Sulz gesprengt haben sollen, sind bereits verurteilt worden. Nun wird auch den beiden anderen der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft Offenburg hat am Dienstag mitgeteilt, dass die beiden mutmaßlichen Täter vor der Jugendkammer des Landgerichts angeklagt werden. "Mit einer baldigen Hauptversammlung ist zu rechnen", so Staatsanwältin Miriam Kümmerle. Die Anklage lautet unter anderem auf "schweren räuberischer Diebstahl in Tateinheit mit vorsätzlichem Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion".

 

"Krähenfüße" stoppen Polizeiwagen

Den beiden wird vorgeworfen, an einem spektakulären Verbrechen beteiligt gewesen zu sein: Sie sollen Teil einer Viererbande gewesen sein, die in der Nacht auf den 8. Juni 2017 Geldautomaten in Waldkirch und wenige Stunden später auch in Sulz sprengte. In Waldkirch richteten die brachialen Panzerknacker einen Schaden von rund 50 000 Euro an, gingen selbst aber leer aus, da es ihnen nicht gelang, die Geldkassetten herauszulösen. In Sulz machten sie dann eine Beute von gut 50 000 Euro. Außerdem entstand bei der Sprengstoffexplosion, die vor dem Bankhäuschen ein Trümmerfeld hinterließ, und der anschließenden Flucht noch ein zusätzlicher Schaden von rund 150 000 Euro.

Die Täter lieferten sich, eine  wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei, bei der sie spitze Metallteile – "Krähenfüße" – aus dem fahrenden Auto warfen. Mehrere Polizeiautos mussten mit platten Reifen stoppen. Die Gauner entkamen zu Fuß.

Bei den Tätern soll es sich um einen 20-jährigen Ortenauer und seinen Vater sowie um zwei weitere Familienmitglieder handeln, einen Cousin und einen Onkel des 20-Jährigen, allesamt Italiener. Der 20-Jährige wurde im Mai 2018 vor dem Landgericht Offenburg zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren sowie sein 42-jähriger Vater zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Die Polizei war ihnen durch eine am Fluchtfahrzeug hinterlassene DNA auf die Spur gekommen. Das Urteil gegen sie ist noch nicht rechtskräftig, nachdem die beiden Männer Revision eingelegt haben.

Den beiden anderen Familienmitgliedern war es gelungen, nach der Tat außer Landes zu flüchten. Nach ihnen wurde mit einem europäischen Haftbefehl gefahndet. Am 23. Januar nahmen die italienischen Behörden einen mittlerweile 21-jährigen Verdächtigen in Italien fest, den sie nach Deutschland auslieferten. Der junge Mann hat die Tat laut Staatsanwaltschaft gestanden und verfügt über eine Bleibe in Deutschland, sodass der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt worden ist – er ist auf freiem Fuß.

Am 24. Mai wurde in Italien dann der letzte der mutmaßlichen Viererbande festgenommen. Auch der 37-Jährige wurde ausgeliefert und sitzt seit dem 14. Juni in Untersuchungshaft in Deutschland. Er ist der Bruder des 42-Jährigen, dem bereits im Mai der Prozess gemacht worden ist.

Verdächtige werden in Italien festgenommen

Was ist aus dem in Sulz erbeuteten Geld geworden? Rund 7500 Euro fand die Polizei in einer Geldkassette, die die Täter weggeworfen hatten, ohne sich offenbar den Inhalt genau anzusehen. Die daraufhin noch fehlende Summe bezifferte Kümmerle gegenüber unserer Zeitung auf 45 000 Euro. Der 20-Jährige, der jetzt vor Gericht gestellt werden soll, habe 9000 Euro zurückgezahlt – sein Anteil an der Beute. Fehlen immer noch rund drei Viertel des gestohlenen Geldes, das sich der Staat von den Tätern nach einer rechtskräftigen Verurteilung holen wird – im Rahmen eines Vollstreckungstitels. Dahinter stehe der Gedanke, dass Verbrechen sich nicht lohnen dürfen, so Kümmerle gegenüber unserer Zeitung.

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