Lahr Eine zu kurze Sternstunde

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Von Jürgen Haberer

Die Oper "Nabucco" ist ein fulminant auftrumpfendes Spiel um Macht, Unterdrückung, Gewalt und Religion. Bei der Aufführung in Lahr wurde der berühmte Gefangenenchor von der "Ton-Art", dem Polizeichor und der Lahrer Chorgemeinschaft mit angestimmt.

Lahr. Die Einbeziehung lokaler Akteure in eine Theater- oder Opernaufführung ist auch in Lahr nicht ganz neu. Es stellt aber ganz sicher ein Novum dar, das unter der Regie eines auswärtigen Ensembles drei Chöre aus Lahr zusammen finden. Der Gefangenenchor aus Giuseppe Verdis "Nabucco" vereinigte am Freitagabend für eine am Ende viel zu kurze Sternstunde die Sänger der "Ton-Art", des Polizeichors und der Chorgemeinschaft Lahr.

Während die Akteure auf der Bühne in einer babilonischen Sprachverwirrung die erste Verszeile rezitierten, marschierten die drei Chöre in der Mitte das dritten Akts links und rechts der Zuhörer in der beinahe ausverkauften Stadthalle auf, um gemeinsam mit dem Chor des Pforzheimer Theaters den ergreifenden, scheinbar aus ferner Distanz herüber wehenden Gesang anzustimmen.

Der von langer Hand vorbereitete, in zwei gemeinsamen Chorproben einstudierte Auftritt der drei Chöre dauerte letztendlich aber kaum mehr als drei Minuten. Die normalerweise bei den Aufführungen der Oper fast schon obligatorische Wiederholung wurde am Freitag schlichtweg vergessen, obwohl in der Pause eigens dafür Textblätter an das Publikum verteilt wurden.

Auch wenn die 1842 uraufgeführte Oper von Giuseppe Verdi in biblischer Zeit spielt, ihr Thema ist angesichts des heutigen Weltgeschehens hochaktuell. Völker zerfleischen sich im Namen ihrer Religionen und Götter. Menschen werden zum Spielball geistlicher und weltlicher Mächte, der Tod hält reiche Ernte. Erzählt wird die Geschichte des babylonischen Herrschers Nabucco, der das jüdische Volk unterwirft und in die Sklaverei führt, sich selbst zum Gott erklärt und dafür von seiner eigenen Stieftochter vom Thron gestoßen und in den Wahnsinn getrieben wird. In seiner Pein findet er zum Gott der Hebräer. Er restauriert seine verlorene Macht und schenkt dem versklavten Volk die Freiheit.

Auftritt dauert kaum mehr als drei Minuten

Das Publikum liebt "Nabucco", die Opernhäuser schrecken aber oft vor einer Inszenierung zurück, weil sie einen überdurchschnittlichen Aufwand und eine große Besetzung erfordert. Das Theater Pforzheim hat sich trotzdem an den Stoff gewagt und dafür gleich eine vierköpfige Regiemannschaft aufgeboten. Das Ergebnis ist allerdings zweischneidig. Die Inszenierung trumpfte zwar mächtig auf, bescherte dem Publikum einen fulminanten Opernabend, der auch in Lahr mit anhaltendem Applaus quittiert wurde.

Das karge Bühnenbild, das den jüdischen Tempel als steinernes, in schwarz gekleidetes Gefängnis zeigt, explodierte bei dem Wechsel in den babylonischen Königspalast aber in einem diffusen Farbgewirr an riesigen Stellwänden, mit einem Meer bunter Kleidungsstücke. Der klare Fomalismus des ersten Akts, der sich in rituellen Gesten mit großen, leeren Gesetzbüchern manifestierte, mündete auch in ein schrill lärmendes Finale, das wie manch andere Szene aufzeigte, das hier wohl etwas zu viel gewollt wurde.