Lahr Eine Stadt mit ganz viel Geschmack

Uta Lingner führt durch die Stadt. Zum Abschluss wurde in der Trattoria da Enza gegessen.     Foto: Fischer

Lahr - Eine Stadtführung der besonderen Art konnten 18 Teilnehmer in der Innenstadt Lahrs erleben. Es ging um die kulinarische, mediterrane Seite der Stadt sowie um das Essen im Mittelalter und heute.

Kostproben zur Veranschaulichung

Zur Veranschaulichung gab es Kostproben. "Hier haben die Bäcker früher Brot verkauft. Es gab oft Streit, weil jeder Bäcker nur an einem bestimmten Tag Brot verkaufen durfte und alle dran sein wollten – wahrscheinlich deshalb heißt der Tag ›Aber-Tag‹", erzählt Stadtführerin Uta Lingner auf dem Marktplatz stehend.

Seit zwei Jahren gibt die Tagesmutter auch Stadtführungen, an diesem Donnerstag ist es ihre zweite mit Themen rund ums Essen. Je nach Station hat sie sich verschiedene Aspekte der Stadtgeschichte ausgesucht – immer mit Informationen zu den damaligen und heutigen Nahrungsmitteln angereichert.

Treffpunkt der besonderen Führung war am Stadtmuseum, das als ehemalige Ofenfabrik 100 Jahre lang in Betrieb war. Von dort aus ging der Weg weiter zum Schlossplatz und den Wasserbecken.

In Lahr gab es bereits 1356 den ersten Brunnen

"Früher haben die Menschen die Schutter als Wasserquelle zum Trinken genutzt. Das war keine gute Idee, denn damals verunreinigten Tierkadaver und Dreck das Wasser. Deshalb gab es in Lahr bereits im Jahr 1356 den ersten Brunnen", erzählt Lingner weiter. Bis heute hätten noch drei Lahrer Familien ein lebenslanges kostenloses Wasserbezugsrecht.

Man merkt: Lingner hat sich ausführlich vorbereitet, viele historische Daten recherchiert und in anschaulichen Anekdoten verpackt. Auch Teilnehmerin Gertrud Beha gefällt das: "Wir sind hellauf begeistert von der Führung, sie macht das wirklich gut. Das ist auch eine gute Idee für die Stadt Lahr, die Lokale hier bekannter zu machen." Denn das theoretische Wissen wurde mit einem kulinarischen Erlebnis abgerundet (siehe Info).

Auf einem Streifzug durch die Stadt

Zunächst ging es aber weiter auf dem Streifzug durch die Stadt: Das Spital diente in Zeiten der Pest als Suppenküche, hier wurden Knochen und Pflanzen eingekocht und zu Suppe verarbeitet, die billig und nahrhaft war. So konnten mit einem Knochen rund 80 Menschen mit der Brühe versorgt werden. "Wir begnügen uns aber heute nicht mit Suppe, sondern bekommen nun eine leckere Vorspeise", so Lingner.

Mit diesen Worten setzte sich die Truppe in Richtung Kirchstraße in Bewegung, wo es in der Trattoria da Enza den ersten von drei Zwischenstopps gab. Nach dieser ersten Stärkung ging es weiter: Auch am Storchenturm, den die Stadtführerin als "Keimzelle der Stadt"­ beschreibt, konnten die Teilnehmer in vergangene Zeiten eintauchen.

Dort wohnte vor mehreren hundert Jahren die Adelsfamilie der Geroldsecker. Der Adel bekam von den Bauern Getreide, Bohnen, Erbsen und Linsen geliefert. Sie selbst verzehrten aber lieber Fleisch. "Da gab es zum Beispiel Fasane, Täubchen und oft Süßes und Salziges gemischt", erzählt Lingner.

Am Blumenladen berichtete Lingner schließlich über Gewürze und Kräuter. "Salz ist einer der Rohstoffe, den die Menschen wohl nie verbrauchen. Es gibt 100 Billionen Tonnen Salz auf der Erde – wir wohnen also in einem Schlaraffenland für Salz."

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